Im
Wintersemester 2009/10 werde ich (nach einer längeren Lehr-Pause) zusammen mit Alexander Florian mal wieder einen Uni-Kurs anbieten. Unter dem Titel: „E-Learning im Sport: Von der klassischen Sportlehre zum webgestützten Coaching“ wollen wir zusammen mit der Sabelschule in München und dem Gymnasium Ottobrunn Neuland im Sportunterricht betreten. Auf dem Plan steht die web- und videogestützte Begleitung von Tanzstunden (mit Savas) sowie Parcourklettern, also recht moderne Formen der klassischen „Leibeserziehung“. Ich freue mich sehr darauf, weil der Sportunterricht an Schulen meiner Meinung nach noch ein relativ unentdecktes Feld für mediengestützte Formate der Reflexion und Kollaboration mit 2.0-Anwendungen ist und sich für Experimente (dieser Art) anbietet. Mit dabei ist im Übrigen auch Stefan Hörterer (GT), der in diesem Seminar die technische Schnittstelle zwischen Schülern, Lehrern und Studierenden betreut.
Schule
Was hat Hip Hop und Parcourklettern mit e-learning zu tun? Schulsport auf neuen Wegen
Di, 10/27/2009 - 17:11 inIn meinem Studium hatte ich zu jedem Semesterstart ein Ritual: ich blockte in meinem Wochenplan die Zeit von 15-16 Uhr mit einem roten Band. Zu dieser Zeit kam "Raumschiff Enterprise" und das war für mich wie eine Art Pflichkolloquium.
Gestern Abend saß ich wieder mittendrin: Simon und ich haben uns den neuen Star Trek-Film angeschaut und ... es war wunderbar! Ca 100 Vierzigjährige hatten sich versammelt, um zu sehen, wie alles begann. Ich will hier gar nicht näher auf den Film eingehen, auf die spannende Story, die gut gespielten Rollen, die sensiblen Andeutungen der Charaktere, die in späteren Folgen klar hervortreten ... man muss ja von hinten denken.
Auf der Rückfahrt versuchte ich die verschiedenen Enterprise-Phasen zu rekonstruieren, wer war Vater vom Sohn, wie hängen die Stories über die Zeit (und mit Zeitsprüngen) zusammen, was ist die Philosophie der Föderation. Für Nicht-Fans ist dies wenig nachvollziehbar, handelt es sich dabei doch "nur" um einen Science Fiction. Für mich sind diese Fime "Modelle", sie zeigen etwas auf spannende und anschauliche Art, z.B. wie Menschen leben oder leben sollten, wie sie mit Konflikten umgehen und wie man sich (inter)kulturelle Ordnungen vorstellen kann und ... was natürlich alles technisch noch vorstellbar ist ;-). Man darf sich hier von manchmal platt eingebauten amerikanischen Klischees nicht beirren lassen, sondern zum guten Teil die Filme nur als Anregung zum eigenen Weiterdenken nutzen.
Kaum zu Hause angekommen, dachte ich mir, warum wir in der Schule solche Story-Strategien nicht verwenden, also das Zusammenfügen von Teilgeschichten zu größeren und zusammenhängenden Geschichten. Wer kann mir die Geschichte der Mathematik, der Chemie/Physik oder der Sprachen erzählen? Wie hängen diese Geschichten zusammen? Leider habe ich in der Schule solche Geschichten nicht gelernt, nur Fragmente davon. Und wenn ich aufgefordert werde, mal etwas z.B. zur Geschichte der Physik zu erzählen, dann sind das nur ein paar Mini-Puzzlestücke. Mir geht es also gar nicht um die Geschichte auf der Mikroebene des Unterrichts, sondern um eine Art Lehrplangeschichte (vgl. SAC), die ähnlich wie die Star Trek- oder auch Harry Potter-Geschichte sich zu einem großen, zusammenhängenden, sinnlich fassbaren "Gewebe" ausbreitet.
Ganz praktisch stelle ich mir eine Schulklasse vor, die von der 5ten Klasse bis zum Abitur ein großes Gemälde anfertigt, in dem die unterschiedlichen Substories integriert sind: als Symbole oder Formeln, als Zeichnungen, als Kurzcomics, als Podcasts oder Fotosammlung oder Videoelement. Wichtig ist dabei der Hintergrund, der diese Einzelerlebnisse in eine größere Ordnung einbettet, z.B. in die Ordnung der Naturgeschichte oder Sozialgeschichte. Dieses "Gemälde" wäre eine individualisierte Geschichte, gemeinschaftlich erzählt, eine Re-Konstruktion dessen was "ist" und eine kreative Interpretation mit Gegenwarts/Zukunfsbedeutung. Vielleicht kommt man so zu "kollektiven" e-portfolios, die eine GROßE Geschichte erzählen, wo man sich neugierig fragt: Was war am Anfang? Wie ist es gekommen? Welche Rolle spielen wir in dieser Geschichte?
Ich habe vor ein paar Monaten kleine Sonnenblumenkerne gekauft, die habe ich voller Hoffnung in den Boden gesteckt, erst in kleine Töpfe, dann in die freie Wildbahn. Aus diesen klitzekleinen Körnern sind nun riesige Sonnenblumen gewachsen, 2.50 m hoch, vorbei an Schnecken- und Pilzbefall. Interessant ist eigentlich nur, dass sie unterschiedlich hoch sind, also nicht alle sind 2.5 m hoch. Diejenigen, die etwas unter einem Baum stehen und deshalb auf die Morgensonne verzichten müssen, sind halb so groß, mickrig, mit kleinen Blüten, die anderen recken ihre Hälse und dicken Köpfe weit in den Himmel. Die Pracht einer Sonnenblume ist also direkt von der Intensität und Umfang der Sonneneinstrahlen abhängig, klingt mathematisch, was? Hier ist der Beweis. Also, was lernt man daraus? Sonnenblumen in die Sonne ... deshalb heißen sie wohl so. Ich denke natürlich die ganze Zeit gar nicht so sehr an Sonnenblumen, sondern an Schüler in Schulen und Studenten in Unis, die auch sowas wie "Sonne" brauchen, also etwas analoges. Nur was genau?
Gestern wurde ich in die neue BMW Welt bestellt, um eine erste Führung im Junior Campus zu erleben. Ebenso ging es darum, als Lernexperte (ich bin im Speaker Board) Journalisten gegenüber Rede und Antwort zu stehen. Gabi und ich haben vor ca 5 Jahren die ersten konzeptionellen Schritte mitbegleitet und nun ist es in der Tat erstaunlich, was da auf gut 400 Quadratmetern entstanden ist. Das Team um W. Berchtold (spiel & sport team gmbh) hat sich auf der konkreten Ebene vieles und auch gutes einfallen lassen, um mobilitätsbezogenes Wissen für Kinder attraktiv aufzubereiten und interaktiv-handlungsorientiert erlebar zu machen. Besonders befriedigend war für mich, dass das Thema Analogien so einen hohen Stellenwert bekommen hat ;-), Hermann Rüppell hätte seine wahre Freunde. Man wird jetzt sehen, wie das Konzept von den Kindern angenommen und vor allem auch von Lehrern aufgegriffen wird. Genügend Ankerpunkte im Lehrplan gibt es jedenfalls. Auf jeden Fall ist das Ganze ein neues Segment für das ausserschulische Lernen - hier aber in enger Kopplung zur Schule gedacht. Natürlich sind wir mit diesem Projekt mitten drin in der Diskussion von Ökonomie und Bildung. Ich denke aber - und dies ist ein Standpunkt - dass man als Pädagoge gut beraten ist, an den faktische Entwicklungen in unserer Gesellschaft zu partizipieren, um seine Ideen genau hier in adäquater Form einzubringen. Was damit aber auch gleichzeitig einsetzen muss ist eine Diskussion darüber, wie man den "Grenzverkehr" zwischen Schule und Unternehmen "für beide Seiten produktiv" gestalten kann und muss.
Mein Name ist Frank Vohle. In meinem Blog halte ich Gedanken fest, die sich um die Themen Didaktik, Bildung, Innovation & digitale Medien (mediengestützte Wissens- und Lernprozesse) drehen. Derzeit bin ich in folgenden Organisationen aktiv: