Tagung

Aus- und Fortbildungskonzepte im Fußball

Sehr gefreut habe ich mich über eine Einladungen zu einem Referat bei der dvs Kommission Fußball in Ruit bei Stuttgart. Vom 19-21. Nov. 2009 werden dort neue Aus- und Fortbildungskonzepte aus dem Bereich des runden Leders vorgestellt und diskutiert. Den Hauptvortrag hält Prof. Lames von der TU München, den ich ja bisher noch nicht "live" erlebt habe. Für mich besteht die Herausforderung darin, das etablierte Konzept zu edubreakSPORTS aus dem Tischtennis nun auch für die Fußballausbildung anschlussfähig zu machen. Sicherlich wird es Modifikationen im Bereich Technologie und Didaktik geben, die wir bei Ghostthinker umsetzen müssen. Ich bin aber auch der festen Überzeugung, dass die Kernanforderungen im Bereich der Fußballausbildung den jetzigen Entwicklungen nahe kommt. Mit der Fahrt nach Ruit kehre ich an den Ort zurück, wo ich vor 2 Jahren Bernhard Peters getroffen habe. Er war im Grunde der Erste der sich positiv zu edubreak geäußert hat, "weil die Spieler dann mental aktiv sind". Leider kamen wir damals bei der Entwicklung nur schleppend voran, sodass sich der Kontakt verlaufen hat, was ich bedauere. Vielleicht gibt es ja ein Widersehen.

Neben der Tagung in Ruit bin ich auf die educa 2009  in Berlin zu einem Fußball-Referat eingeladen. In der Session "Learning with a Kick: Education and Football" werde ich über Videoannotation 2.0 sprechen, klingt technisch, soll es aber nicht werden. Zentral ist die Idee der videobasierten Reflexion und warum das gerade für die Bewegungspraxis gut ist. Oh ja, ... Conference language is english, I will do my best ;-).

E-Learning im Sport: Wir bleiben am Ball!

So, der Hochschultag (16-18.09.2009) der Deutschen Gesellschaft für Sportwissenschaft (dvs) in Münster ist vorbei (leider parallel zur GMW)! Ich selber war am Donnerstag und Freitag anwesend und konnte mir so einen Eindruck vom Gesamtentwurf der Tagung machen. „Münsteraner Schloss“, Keynotes von den Professoren Spitzer, Nida-Rümelin, Rauschenbach und Terhard und 700 Teilnehmer sind Eckwerte für eine gelungene Tagung auf die die Herren Neuber und Krüger (Organisationsleitung) + Team stolz sein können.

Die Tagung habe ich unter dem Fokus „E-Learning“ besucht - klar. Obwohl ich weiß, dass das mediengestützte Lernen wohl aufs Erste in der Sportwissenschaft ein Nischenthema bleibt, fanden sich in Münster doch immerhin vier (versprengte) Arbeitskreise, die sich mit dem Thema beschäftigten. Für 2010 wäre es toll, wenn man einen einzigen Arbeitskreis daraus macht um überhaupt mal die Menschen kennenzulernen, die sich in Deutschland mit E-Learning im Sport beschäftigen. Genau das (Kennenlernen) war auf dem Kongress nämlich nicht gut möglich (außer im Kaffeezelt), denn die Organisatoren hatten viele Arbeitskreise parallel laufen lassen, sodass man sich für A oder B entscheiden musste, obwohl C und D auch interessant gewesen wäre. Also: 2010 gibt es einen Arbeitskreis „E-Learning im Sport: didaktische Einsatzszenarien in Schule, Universität und Verband“ … oder so ;-).

Unser eigener Arbeitskreis „Vom Web 2.0 zur Sportpädagogik 2.0“ (Andreas Hebbel-Seeger und ich) war pappenvoll. Ne Quatsch, schön wärs gewesen. Immerhin haben wir aber vor 10 interessierten Zuhörern gesprochen; Andreas online zugeschaltet aus Hamburg via Adobe und Marco Danisch und ich selber live vor Ort. Im Ergebnis war ich zufrieden mit dem AK, nicht weil wir eine Sportpädagogik „2.0“ aus dem Boden gestampft haben (was sollte das auch sein?), aber doch weil wir die versprochen Beispiele für die Umsetzung des Web 2.0 Ansatzes in der Sportpraxis zur Diskussion stellen konnten. Mit meinem Beitrag „WIE Bildungstechnologien die Trainerausbildung verändern – Transferpotenzial für die Sportpädagogik?“ wollte ich zeigen, welche Veränderungen in der (Verbands-)Praxis faktisch möglich sind um von hier aus zu fragen: Was will, kann, muss die Sportpädagogik aufnehmen? Dabei merke ich immer mehr, wie fruchtbar BEISPIELE sind, denn genau darüber kommen die Teilnehmer ins Gespräch (theoretisch wie praktisch), was Ziel und Zweck dieser Zusammenkunft ist.

Fazit: Wir brauchen im Sport und Sportwissenschaft einen Raum, eine Bühne für die fragmentierte E-Learning-Diskussion. Das kann über den Deutschen Olympischen Sportbund und/oder über die Deutsche Gesellschaft für Sportwissenschaft bzw. Sektion Sportpädagogik? organisiert werden. Der Fokus muss auf der Didaktik liegen, denn sonst erzeugt man bei Bildungskollegen (so mein Eindruck) keine Resonanz. Vielleicht sind auch die Landessportbünde der richtige Ort, um über neue Formen der Aus- und Weiterbildung zu sprechen, mal sehen, wir bleiben auf jeden Fall am Ball ;-).

Fernausbildungskongress der Bundeswehr - Eindrücke

Am Mittwoch und Donnerstag war ich in Hamburg auf dem Fernausbildungskongress der Bundeswehr. Von meinem ersten Besuch 2004 wusste ich, dass dort sowohl Militärs als auch zivile Besucher zum Thema E-Learning zusammenkommen. Das führt –  oberflächlich betrachtet – zu einem speziellen Bild der Tagung: Einerseits sieht man recht viele „Rockträger“, also Uniformierte aller Gattungen und Offiziersstufen, andererseits zeigen viele Aussteller aus dem Bereich (Kampf)- Simulationssoftware ihre Produkte, wie man es z.B. von der Learntec kennt. Soweit zum visuellen Eindruck.

Mittwoch Nachmittag saß ich in einem interessanten Workshop zum Thema „Entdeckendes-spielerisches Lernen in neuen, virtuellen Welten“ (Dr. Weller). Dort hat der erste Referent (der Name ist mir entfallen) Eckwerte zu einem geplanten Projekt vorgestellt, indem es inhaltlich um den Bereich Sanitäter/Notarztausbildung gehen soll. Augenfällig an der „Machbarkeitsstudie“ war der starke Fokus auf IT-Fragen: Nutzung von Java oder Flash, Rechtesysteme, Sicherheit, welche Programmier-Engine nutzen wir? Aus meiner Sicht relativ blauäugig (Herr Wiemeyer von der TU Darmstadt hat im Folgereferat auch darauf hingewiesen) wurde mit der zentralen Herausforderung des Storydesigns und Gameplay umgegangen: Wer bereitet die Inhalte aus dem Fachkontext für welchen Zweck auf (geht es um Üben, Spielen, Lernen?), wer ist die genaue Zielgruppe (Männer, Frauen etc.), welche Spielidee/Strategie liegt zugrunde, wie sieht das übergreifende Lernkonzept aus, indem die Game-Komponente eingebettet ist etc. Vielleicht war das nicht der  Referatsschwerpunkt (der Kollege war IT-ler), ich weiß, aber aus dem Projekt von Frederik Adler weiß ich, wie aufwändig z.B. das Konzept zum Game Play ist, so dass der ganze Summs auch funktioniert, spricht MACHBAR ist (= Machbarkeitsstudie).

Am Donnerstag Vormittag konnte ich mir die Referate eines amerikanischen Militärs (Joseph Camacho), zweier Vertreter der Bundeswehr (Brigardegeneral Kloss und Barth) und Gabi (Reinmann) anhören. Ich muss klar sagen, dass die ersten drei Referate für systeminterne Zuhörer, also Vertreter des Militärs, gedacht  waren, denn: Da ging es fast ausschließlich um Organigramme (wo ist das Projekt  aufgehangen, Budgetwerte), abstrakte und austauschbare Zielformeln (Qualität, Effizienz, 24/7, global, etc.) und Militärbeispiele, die in ihrem Inhalt unscharf blieben (story telling, game based, Individualisierung). Kurz: spannend sind die Geldsummen, die in diesem Bereich bewegt werden, unpassend für eine wissenschaftliche Tagung - so meine ich - waren die Vorträge der Militärs, weil darin weder Theorie noch Empirie noch bildungspolitische Rahmungen zur Sprache kamen. Gerade Letzteres hätte mich in dieser Domäne sehr interessiert!

Gabis Keynot war gegenüber den Vorreden wissenschaftlich anspruchsvoll. Ihre Frage, „Wie praktisch ist die Universität?“ ist zunächst eine hochschulpolitische Provokation! Darf man heute noch nach dem Zweck der Universität fragen? Wir sind doch auf einem guten Weg, oder? Mit den beiden Prämissen „Berufsausbildung“ und „Berufsvorbildung“ knüpft sie an eine alte Diskussion an, verbindet diese aber mit dem theoretischen Konzept des situierten Lernens (Hudchins, Wenger) so, dass das forschende Lernen zu einer neuen „Praxis“, eben das der Wissenschaft, wird. Gegenüber dem Ausgangskonzept erweitert sich das situierte Lernen an der  Universität um ein Erkenntnisinteresse, eine kritisch-reflexive Haltung und individuelle  Autonomie. „Praxis“ an der Universität ist also nicht primär ein stimmungsvolles Aufgehen in der Situation, sondern (das ist die Modifikation) auch Distanznahme, Sachbezug … und Einsamkeit  (obwohl sie das so nicht ausdrückt).

Das klingt altmodisch und Gabi wird in der Tat nicht müde, die alten Tugenden gegen ein sog. Lernen 2.0 in Stellung zu bringen, indem der Einzelne sich seiner Verantwortung (vermeintlich) entzieht. Vielleicht ist das von ihr ein übertriebener und ungerechtfertigter (Bildungs-)Reflex gegenüber aller Begeisterung der 2.0ler in Richtung Emergenz & Schwarm. Wir wissen ja: man erkennt den Gebildeten daran, dass er seine Sache mit Leidenschaft verteidigt ;-). Nun greift Gabi am Ende des Referats aber doch auf  Werkzeuge des Web 2.0 zurück: Blogs, Wikis oder E-Portfolios sollen beim forschenden und situierten Lernen helfen, sie sollen einen dabei unterstützen wissenschaftstypische Fragmentierungen (zeitlich, räumlich, inhaltlich) in eine Art (mentale und materialisierte) Kohärenz zu überführen. Dreht sie sich am Ende im Kreis? Nein, man muss trennen zwischen der Ziel- und Zweckdimension und der Umsetzungs-Methodendimension. Im ersten Fall ist Zurückhaltung gegen eine 2.0.Philosophie angeraten, im zweiten Fall darf man nicht nur 2.0-Werkzeuge nutzen, sondern soll damit experimentieren, will man das forschende Lernen unter eine situierte Perspektive mit digitalen Medien stellen.

Wie immer (ich vermute es wird noch schlimmer) bieten Gabis Referate keine leichte Kost. Vor allem die „Lösungsperspektiven“ werden gegenüber früheren Referaten ambivalenter. Warum? Weil sich hochschuldidaktische Probleme der Universität nicht (allein) didaktisch lösen lassen und der Rückgriff auf politische Prämissen (wie sie es tut) zu normativen Fragen führt, um die sich vorzüglich streiten lässt (z.B. Zweck der Universität). Ich bin gespannt auf 2010. Wie politisch wird die E-Learning Szene werden? AUS/ BILDUNG/ HANDELN – so der Titel des Fernausbildungskongresses – bot dazu schon mal ein gutes Wortspiel.

Informationskompetenz: Wo sind die Probleme?

Gestern war ich auf der isi 2009, einer Tagung zur Informationswissenschaft, die ich bisher noch nicht kannte. In der Podiumsdiskussion (Gabi war auch dabei) ging es um das Thema: „Informations-kompetenz früh und nachhaltig fördern“. Nach Einführung von Herrn Botte (DIPF) zum Begriff der Informationskompetenz diskutierten fünf TeilnehmerInnen recht lebhaft. Es wurde schnell klar, dass die Lehrerausbildung zentraler Bestandteil einer strategisch zu verankernden Informationskompetenz sein müsse, so wie es auch in der Denkschrift des DIPF gefordert wird. In diesem Zusammenhang kam der Didaktik (in Schule wie Hochschule) eine besondere Bedeutung zu. Ohne „Trägermedium“ hängt das Vorhaben Informationskompetenz in der Luft. Folgerichtig wurden Unterrichtsmaterialien für jede Alterstufe gefordert, mit denen LehrerInnen das Thema altersangemessen umsetzen können (Das Inforadar wäre ein aktuelles Beispiel).

Ich hatte hierzu eine kritsiche Anmerkung in die Diskussion geworfen (die in meiner Einsilbrigkeit aber nicht so recht verstanden wurde ;-). Meine These war, dass wir keine Informationskompetenz brauchen, solange wir in Schule und Hochschule nicht komplexe und offene Problemstellungen in den Lehralltag einbinden – das ist natürlich provokativ! Ich hatte bei dieser These folgende Struktur im Kopf.

Der Punkt ist: Wenn man von 1 zu 4 geht, dann trifft man bei 4 auf den Widerspruch. Die bildungspolitischen Vorgaben lassen nur punktuell eine anspruchsvolle Didaktik/ Assessement zu, deshalb sind auch die Problemstellungen nicht „offen und kreativ“ und deshalb brauchen Schüler und Studenten in der Regel keine ausgebaute Informationskompetenz IN DEN BILDUNGSSYSTEMEN (im beruflichen Alltag definitiv, das ist ja auch der Legitimationsgrund).

Wenn ich mich an mein Studium zurück erinnere, dann waren die Referatsthemen klar abgegrenzt, der „Handapparat“ stand vorsortiert in der BIB und die Literaturliste war vorgegeben. Das mag heute alles anders sein, ...glaube ich aber nicht! Heute stehen die Literaturlisten im Netz und der Kanon der Fragestellung ist nicht so, dass ich mich kreativ entfalten muss. Wenn man sich die Kultur des Assessements in Schule und Universität anschaut, dann werde ich auch nicht optimistischer. Damit man mich in meinen überspitzen Formulierungen recht versteht: Informationskompetenz ist einer der wenigen wirklich wichtigen Themen in unseren Bildungseinrichtungen. Nur, wenn ich als Schüler und Student ohne eine sonderliche Informationskompetenz ein „sehr gut“ bekomme, dann scheint dieser Punkt nicht wichtig zu sein – aus Schüler/Studentensicht. Erst wenn die Problemstellungen komplex(er) werden, wenn also auch die Didaktik anspruchsvoller wird, wenn schließlich LehrerInnen vor Ort sind, die eine solche Didaktik ausdenken (Lehrerausbildung) und umsetzen können (Rahmenbedingungen), dann sagen Schüler: „Diese Sache mit der IK, die ist wichtig, sonst kann ich nämlich das Problem nicht lösen“. 

Vor diesem recht kritischen Hintergrund bin ich sehr gespannt auf unsere Studie zur Informationskompetenz in der kommenden Woche. Dort wollen wir mit einer anspruchsvollen Didaktik arbeiten und wir werden sehen, was die Kinder daraus machen. 

Innovatorik für den Spitzensport

Am Dienstag habe ich in Frankfurt auf der Tagung "Innovatorik für den Spitzensport" (Bundesministerium für Sportwissenschaft) einen Vortrag zum Thema "Trainerausbildung 2.0" gehalten, wobei das 2.0 auf unser eRIS Projekt hinweisen soll, indem ein interaktiver Videoplayer und andere Web-Werkzeuge zum Einsatz kommen sollen. Der Vortrag wurde soweit wohlwollend aufgenommen, es gab keine Gegenwehr ;-). Die Fragen gingen in zwei Richtungen: a) Wie groß ist der Aufwand, um die Videos in "angemessener Fom" aufzubereiten und b) Wie motiviert man andere Trainingsteilnehmer das eigenen Trainingsvideo zu kommentieren? Ich hatte mich vor allem bei der ersten Frage festgebissen, weil dahinter die Annahme steckt, dass Experten die Videos nach wissenschaftlichen Kriterien (Optimalbewegung) aufbereiten. Ich habe Herrn Prof. Hartmann von der TU München dann sicher eine spekulative Antwort gegeben, hinter der ich aber stehe: es geht mir als Trainierender nicht darum, dass ich eine aus 100 Topspielern gemittelte Optimalbewegung bekomme, sondern es geht mir persönlich darum, dass ich mein eigenes Bewegungsoptimum finde bzw. konstruiere. So gibt es z.B. im Tennisaufschlag eine ganze Variation von unterschiedlichen Aufschlagstilen. Diese sind zwar in ihrem Grundschema gleich, Schwerpunktverteilung, Armeinsatz und andere Parameter variieren jedoch stark - bei sehr ähnlichen Erfolg. Bezogen auf den angesprochenen Aufwand komme ich also zu dem Ergebnis, dass die "Aufbereitung" des Videos auf der Ebene der Kommentierungen des Eigenvideos liegt und nicht in einer Selektion von idealen Bewegungssequenzen durch Dritte. Das schließt ja gar nicht aus, dass man sich einen Topspieler als Referenz anssieht.

Nun gut, hier gibt es sicher noch eine Menge Gesprächsbedarf, weil natürlich der Ansatz "user generated content" und der Nutzen dieses Ansatzes für die Eigensteuerung (bezogen auf Sportbewegung) in der Tat etwas Neues in der Trainings- und Bewegungswissenschaft ist.



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