In den letzten Monaten bin ich durch Beiträge von Peter Baumgartner (=> Forschungswerkstatt) und Christian Kohls (=> Gastvortrag) auf das Thema "didaktische Pattern" aufmerksam geworden. Bisweilen führt dieser Ansatz zu schwindlig hohen Diskussionen, bei denen man (schließe mich da nicht aus) das eigentliche Ziel aus den Augen zu verlieren scheint, nämlich good practices in Form von instruktiven Mustern interessierten Dritten (z.B. Novizen) zu verdeutlichen. Nun gut. Unter dem Einfluss dieser Diskussionen ist jedenfalls eine neue Forschungsnotiz entstanden, in der ich unsere aktuellen Arbeiten zur Videoannotation mit dem Musteransatz verbinden möchte. Herausgekommen ist ein Neuvorschlag, den ich "situated-symbolic pattern in education" nenne. Über Rückmeldungen (auf welchem Kanal auch immer) würde ich mich sehr freuen. Hier geht es zur Forschungsnotiz 3.
Forschungsnotiz: didaktische Muster
Mo, 06/28/2010 - 11:32
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Mein Name ist Frank Vohle. In meinem Blog halte ich Gedanken fest, die sich um die Themen Didaktik, Bildung, Innovation & digitale Medien (mediengestützte Wissens- und Lernprozesse) drehen. Derzeit bin ich in folgenden Organisationen aktiv:
Kommentare
Ich hatte ja um Rückmeldung "auf allen Kanälen" gebeten. In der Zwischenzeit hatte ich einen Austausch mit Mandy Schiefer und Tobias Jenert. Beide haben mir wichtige Hinweise gegeben und durch kritisches Nachfragen geholfen, dass ich bei der Ausarbeitung der Forschungsnotiz Verbesserungen einbauen kann. Der Gedanke der Iteration scheint also zu funktionieren, aber man muss noch abwarten wie sich das entwickeln wird.
Folgende Punkte stehen bei mir also auf der Re-Design Agenda :-)
1) Braucht man wirklich den Patternansatz um zu zeigen, was Kernziel der Forschungsnotiz ist? Welche lerntheoretische Hilfen bring der Patternansatz mit? Wäre nicht die Unterrichtsforschung (Reflexion von Unterricht) eine bessere weil anschlußfähige Theoriebasis?
2) "situated-symbolic pattern in education" braucht man dieses Wortmonster, zumal es recht unvermittelt in die Forschungsnotiz eingebracht wird. Wäre es nicht geschickter, wenn man einfacher und klarer von "Werkzeug für Unterrichtsplanung- und -Reflexion" spricht? Gut, das klingt nicht so chick ;-), aber klarer wäre es. Mal sehen, das hängt mit dem ersten Punkt zusammen, mir ging es ja eben auch um die Integration unterschiedlicher Muster-Modi! Hier muss man noch mal genau fragen, an welche Community sich ein Artikel richtet.
3) Prozesse der Setzung von Hotspots werden mit "reflection IN action" und Prozesse der Videoannotierung mit "reflection ON action" gleichgesetzt. Ok, Schöns Konzept ist komplexer, er meint damit nicht nur die zeitliche Verankerung sondern gänzlich verschiedene Formen der mentalen Beanspruchung. Wenn ich Schöns Vokabular verwende, dann sollte ich in der Tat vertiefter auf die ReflexionsQUALITÄTEN eingehen.
Vielen Dank noch mal für eure Rückmeldungen! Frank
Hallo Christian,
vielen Dank für deine Gedanken. Ein zwei Rückmeldungen hierzu:
Den Text von Beat Döbeli Honneger & Michele Notarikannte ich noch nicht, finde ihn aber nach erster Durchsicht sehr interessant.
Du stellst auf die Vorteile der Visualisierung ab. Ja, darum ging es mir ... auch, aber eben nur auch. Den größten Gewinn erhoffe ich mir durch die zeitliche Integration der unterschiedlichen Mustern: didaktische Wortmarken als Planungsgrößen, hotspots während der Unterrichtsstunde und Videokommentare als Nachbereitung. Ich weiß nicht, ob der Umgang mit einem solchen Werkzeug zu aufwändig oder kompliziert ist (die Gefahr lauert ja bei der Technik immer), man muss es wohl ausprobieren. Vielleicht ergeben sich konkrete Möglichkeiten der Entwicklung im Kontext dieser Tagung http://www.uni-salzburg.at/pls/portal/docs/1/1203238.PDF auf dich mich Peter Baumgartner aufmerksam gemacht hat. Mit den "Kremsern" ist schon mal ein Abstract auf den Weg gebracht. Grüße! Frank
Hallo Frank,
ich werde in Kürze ausführlich antworten. Zunächst finde ich den Bezug der „situated symbolic pattern in education“ zu Entwurfsmustern sehr interessant. Ich halte die Veranschaulichung der Abläufe und Prozesse in der Tat für eine Schwäche bisheriger Musterbeschreibungen. Einen sehr interessanten Ansatz zur informellen Darstellung haben Beat Döbeli Honneger & Michele Notari letztes Jahr auf dem E-Learning Pattern Workshop vorgestellt: Ihr Buchbeitrag für „Investigations of E-Learning Patterns: Context Factors, Problems and Solutions“ trägt den Titel „Visualizing learning processes using Didactic Process Maps“.
Einen großen Vorteil visueller Annotationen sehe ich ebenfalls in der ganzheitlichen Wahrnehmbarkeit. Prinzipiell lassen uns Grafiken besser die Zusammenhänge, d.h. die Struktur und damit das Muster, erkennen. Diagramme spielen dann auch sowohl bei den Architektur- als auch bei den Software-Mustern eine wesentliche Rolle.
Die visuellen Symbole, die bei eurem Forschungsansatz verwendet werden, sind im Prinzip ja nichts anderes als die Wortnamen bei Musterbeschreibungen. Der Name eines Musters ist der Begriff mit dem die Formkategorie des Musters bezeichnet wird. Statt verbaler Zeichen (Musternamen) lassen sich natürlich auch visuelle Zeichen einsetzen. Somit entsteht eine visuelle Sprache, die womöglich die wiederkehrenden Strukturen (=Muster) besser erfassbar macht. Ich habe bei dem Kolloquium in München häufig überlappende Pfade als Beispiele für die Varianz von Mustern an die Tafel gezeichnet. Der Grund für diese Visualisierung ist, dass wir die emergente Formqualitäten schnell erfassen können. Typen von Texten oder Filmen lassen sich dagegen nicht auf einen Blick erfassen. Ich stimme Dir daher zu, dass durch die integrierte Konzeption didaktische Prozesse besser „sichtbar“ werden können.
Du weist in Deiner Notiz darauf hin, dass es sich um einen komplementären Musteransatz handelt. Wenn wir über die verschiedenen Formen oder Muster didaktischer Angebote sprechen, so gibt es verschiedene Darstellungsmöglichkeiten und Analysedimensionen. Wenn ich die „situated symbolic patterns in education“ richtig interpretiere, dann handelt es sich um eine sehr sinnvolle Möglichkeit der Repräsentation von Mustern. Dabei wird das Unterrichtsgeschehen symbolisch abgebildet. Die Frage ist, ob sich auch die Erklärung für die Passung von Mustern zu ihren angemessenen Kontexten visuell durchführen lässt. Die Weg-Metapher (Passung von Vorgehensweisen zur landschaftlichen Umgebung) zeigt zumindest, dass dies prinzipiell möglich ist: Die Begründung warum man einen Weg wählt sieht man in einer Wanderkarte direkt abgebildet (in Form von Schluchten oder Bergen, die einen zwingen – „to force“ – einen bestimmten Weg einzuschlagen).
Einen ausführlichen Kommentar erhältst Du in Kürze.
Liebe Grüße,
Christian