Blog von Frank Vohle

Intrapreneuer sportive ... oder: Warum ich ein Güldenpfennig-Fan bin

Wer ist Güldenpfennig? Es muss um 1997 gewesen sein, als mir mein damaliger Chef (Prof. Quanz) zwei Bücher auf den Tisch legte und sagte: „Lesen Sie die mal und versuchen Sie einen Kommentar!". Damals hatte ich alle weltlichen Herausforderungen ;-) hinter mir (Diplom und Staatsexamen) war dennoch unzufrieden und genau in diesem Bewusstseinszustand stieß ich auf die beiden bunten Ostereier, d.h. die Güldenpfennig-Bücher „Sport: Autonomie und Krise" sowie „Sport: Kunst oder Leben". Die Bücher bewegten mich tief, nie zuvor hatte ich soetwas gelesen, Luhmann, Kant, Goodman, Walzer, Nietsche, Welsch in dichter Folge und alle sollten bezeugen, dass Sport Kunst ist. Punkt. Was Güldenpfennig mit seinen beiden Büchern (und den folgenden) vorlegt ist eine Kulturwissenschaft des Sports, eine Art Bewegungssemiotik, die helfen soll, das Kulturphänomen Sport als Sinnsystem - es geht also um den Ideengehalt - (besser) zu deuten. Ich nahm mir ganze sechs Monate Zeit, studierte die Bücher ausgiebig, verfasste einen ca. 15-Seitigen Kommentar und schickte diesen nach Berlin zum Autor, den ich nicht weiter kannte. Damit war für mich die Sache erledigt, ich hatte meine Befriedigung. Es folgte aber eine Einladung nach Berlin, an das Deutsche Olympische Institut am Wannsee, eine intensive Unterhaltung mit Sven Güldenpfennig und den Wunsch, über Sport als Kunstgattung zu promovieren. Wegen Geldmangels wurde das nichts, ich ging zu Siemens und promovierte an der Uni Augsburg über Analogien.

Warum erzähle ich das? Zum einen, weil ich vor einem Monat (also nach 15 Jahren Sendepause) in einem Projektgespräch erfahren habe, dass mein Gegenüber der Trauzeuge von Sven ist. Nur Zufall? Gut, wenn ja, dann ist es ein schöner. Zum anderen, weil auch das aktuelle Buch von Sven wieder sehr spannend ist, allein der Titel provoziert: „Die Würde des Sports ist unanstastbar!". Kann Sport (als Kulturphänomen) eine Würde haben? Was ist überhaupt Würde? Auch hier spannt Sven wieder einen breiten Bogen auf, nimmt einen mit zu Mythen aus der Antike, die helfen sollen, den Sinnkern des Sports besser zu verstehen, diskutiert ausgiebig Peter Sloterdijs Werk „Du musst dein Leben ändern!" mit dem Ziel die Essenz dieses Buches auf den Sportkern zu beziehen und kommt am Ende schließlich zu der Vielschichtigkeit des Würde-Begriffs. Nach gut 400 Seiten tour de cultur hat man gelernt, dass Sport ein schöpferisches-ästhetisches Handeln, ein Streben nach persönlicher Exzellenz ist, wobei gerade das würdevolle Scheitern-Können und der vernünftige Umgang mit Grenzen elementare Bestandteile des Güldenpfennigschen Sportbegriffs sind.   

Warum komme ich immer wieder (in unterschiedlichen Blogbeiträgen, in meinem Kopf sowieso) auf das Thema Sport + Kunst zurück? Was reißt mich an der Vorstellung, Sport sei Streben nach persönlicher Exzellenz, Umgang mit Grenzen, würdevolles Scheitern, etwas Ästhetisches im Medium der Bewegung? Wer mich kennt, weiß, dass ich diese Vorstellungen gerne ausweite, sie (unzulässig) genaralisiere, sie in Lebens!Bereiche hineintrage, wo die Prämissen des Sports nicht mehr gültig sind, z.B. in eine Universität oder ein Unternehmen. Dort experementiere ich mit diesen Idealen, suche Verbindungen z.B. zur Idee des Entrepreurships, zu generellen schöpferischen Handlungen, in denen der Einzele als Einzelner zählt! Wenn man sich fragt, welche Idee ein Unternehmen für seine Mitarbeiter anbietet (also jenseits des Geldes), wofür es sich lohnt, alles zu geben, dann kommt man an den oben genannten Kategorien nicht vorbei, da ist es einfach zu wenig, was aktuell in Leitbildern von Unternehmen blass und kraftlos „verkauft"
wird.

Auch wenn man Svens Ideen nicht 1:1 in die unternehmerische oder universitäre Lebenswirklichkeit entlassen kann (er würde mich prügeln), vielleicht regen sie aber doch dazu an, den Entrepreneurship-Sinn weiter in Richtung eines intrapreneur sportive (das ist kein Sportunternehmer!) auszubauen.

Ich teste eine Theorie

Schon seit acht Wochen habe ich meine PIN-Nummer vergessen, mit der ich am Geldautomaten Bares abholen kann. So gehe ich wie anno 1985 an den Bankschalter, sage artig: "Bitte 150,- Euro." .. und ich bekommen den Betrag mit einem netten Lächeln ausgezahlt. Nur, das ist ja keine Lösung! Von einer Kartenneubestellung habe ich bisher abgesehen, die 20 Euro ärgern mich dann doch. Der PIN-Code KÖNNTE mir ja jede Sekunde wieder einfallen?!!

Gestern habe ich es herausgefordert: Ich weiß, dass uns Dinge IN SITUATIONEN einfallen, allgemeiner, dass Wissen an und in Situationen gebunden ist, wie es die situated cognition-Bewegung gezeigt und/oder behauptet. Also wie sieht das Life-Experiment aus? Ich bin gestern in ein Gechäft gegangen und habe mir einen Anzug gekauft, ich stelle mich an der Kasse an, ich gebe die Kreditkarte ab, stehe vor dem Eingabegerät, die Kassiererin sagt, "hier bitte den PIN eingeben", ich zögere (denke kurz übr das Experiment nach) ... und sage dann, "Ich kann das jetzt nicht!". Die Kassiererin und die hinter mir stehenden Kunden sind verwundert. Ich sage, dass ich eine kurze Pause brauche. Hmmm, Teil 1 des Experiments ist nicht geglückt, aber es tut sich was.

Ich setze mich auf einen Stuhl direkt neben der Kasse, mache die Augen zu und denke darüber nach, warum ich an der alten (faschen) Zahlenfolge so hänge? In dem Moment macht es Klick. Ich stelle mich also erneut an, die Kassiererin sagt, "Ein neuer Versuch?" Ich tippe den vierstelligen Code ein und ... reisse beide Arme nach oben. Teil 2 des Experiments ist geglückt. Man darf nie zu schnell aufgeben.

Meine Schlussfolgerung: Da ich mehrere Karten habe, kam es zu einer Vermischung der Nummern in meinem Kopf. Das liegt wohl auch daran, weil EINE Situation mit mehreren Codes belegt ist, da gibt es keine Differenzierung. Warum aber funktionierte diese "Situierung" nicht am o.g. Bankautomaten? Weil es keine echte Situierung war, ich wusste bereits VOR dem Besuch, dass ich die Nummer nicht eingeben konnte. Beim Anzugkauf hatte ich es drauf angelegt (Koordination ohne bewusstes Kalkühl=> Clancey) ... ich hätte auch scheitern können. Aber nun gut, mich interessiert dieser theoretische Ansatz, gut nachzulesen auch bei Lai-Chong Law.

Unser erster Messestand!

Wenn man einen Messestand organisiert, dann sollte man nicht nur an Reisnägel und Klebeband denken ... sondern? Ja richtig, an Stellwände für Plakate, Projektionsfläche für Beamer, Tische, Stühle, Getränke usw. Für unsern aller ersten Messestand von Ghostthinker hatte ich bestellt: einen Tisch und eine Steckdose, ... „den Rest improvisieren wir", dachte ich. Und so kam es wie es kommen musste: Am Samstag morgen sind Jojo und ich in aller Früh nach Deggendorf im Osten Bayerns gefahren, um als Aussteller an der Bayrischen Fahrlehrertagung teilzunehmen, bei der 600 Fahrlehrer erwartet wurden und Automobilhersteller wie VW/Audi sowie Verlagsgrößen wie Degener und Vogel (Bertelsmann) am Start waren. Um 9 Uhr öffnete die Tagung ihre Pforten und um 8.45 Uhr fanden wir unseren bestellten Tisch vor ... mit Steckdose (siehe Bild oben). Es ging also darum, in 15 min seeeeehr kreativ zu sein. Rings um uns herum überall professionelle Stände mit Fahnen, Poster, Beamer und was man sonst so für einen schicken Auftritt braucht. Wir haben dann recht schnell entschieden, dass man aus diesem weißen Tisch nichts machen kann, Kreativität hin oder her. Etwa 10 Meter weiter im Raum hatte ein Aussteller seinen Platz nicht bezogen - was ein Glück - und in Absprache mit der Tagungsleitung konnten wir diesen neuen Ort beziehen: Poster an die Wand, Beamer an die Wand, Lautsprecher an, Tamaras tolle Projektbroschüren ausgelegt, Johannes und ich mit einem Lachen vor den Tisch und fertig ist ein Ghostthinker-Stand ... wir sind sehr stolz!

Nach diesem geglückten Start war der Messetag durch vielseitige Gespräche geprägt: Fahrlehrer, die Interesse an der Videoreflexion zeigten, junge (22 Jahre) und junggebliebene (70 Jahre) Fahrlehrer, die sich die Möglichkeiten des Facebook-Marketings (AnnotateMe! = unser neues Produkt) erläutern lassen wollten, ein klärendes Gespräch mit einem Vertreter von VW sowie Kontaktanbahnungen zu anderen Ausstellern. Die zentrale Erfahrung ist, dass wir mit der Videoreflexion (auch in diesem Bereich) auf dem richtigen Weg sind und wir unsere (wachsende) Kompetenz zur technologiegestützten Videoreflexion gut in die Gespräche mit den Praxisexperten einbringen können. Zusammen mit unseren Entwicklungspartnern (KMH Fahrschule Wolfratshausen und Verkehrsinstitut München) möchten wir nun vor allem die Zeit nutzen, um die Zielgruppe Fahrschüler genauer in den Blick zu nehmen. Hierzu nutzen wir auch die Meinungen von acht neuen Fahrlehrern, die sich für einen Workshop zu Videoreflexion angemeldet haben.

Erstkontakt China!

Seit ca. vier Monaten habe ich über Andreas Hebbel-Seeger Kontakt zu einer Hamburger Agentur, die sich u.a. mit dem Thema
Sportentwicklung beschäftigt (Thomas Beyer GmbH). In einem aktuellen Projekt geht es darum, ein innovatives Ausbildungskonzept für chinesische Sportvereinsmanager zu entwickeln und 2011 zu pilotieren. Von der Perspektive sollen gemeinnützige Sportvereine in China "nach deutschem Vorbild und mit chinesischem Charakter" aufgebaut werden; der Pilot gilt als Versuchsballon. Gefordert ist eine Art "Sozialunternehmer" im Feld des Sports, der einen Verein gründet und mit gesellschaftlichem Nutzen betreibt. Die Ghostthinker GmbH ist in dieses Projekt als mediendidaktischer Kooperationspartner (Lernberatung/ Bildungstechnologie) eingebunden und wird in den Folgemonaten in Zusammenarbeit mit dem Hamburger Sportbund e.V. und der Projektleitung ein mediengestütztes Ausbildungskonzept entwickeln, umsetzen und evaluieren. Ich bin sehr gespannt: erstens finde ich es sehr interessant, mich im Feld des „social entrepreneurships" zu bewegen und hier handlungsorientierte Konzepte zu entwickeln, zweitens ist der Zweck der Aktion, der Aufbau von gemeinnützigen und breitensportorientierten Sportvereine mit gesellschaftspolitischer Zielsetzung ergeizig, drittens bilden die Unterschiede in den Lernkulturen (Mindset) eine mediendidaktische Herausforderung, bei dem der edubreakSportCampus ein wichtiges, aber nicht alleiniges Lösungselement ist. Dies alles zusammengenommen ist Neuland, indem man viel lernen kann ... und ich vermute stark, dass ich auch viel von Thomas lernen werde.

E-Learning im Sportverband ... das hatten wir schon einmal

Gestern war ich auf dem Bundeskongress des Deutschen Behindertensportverbandes e.V. in Berlin. In zwei Workshops (mit je ca. 10 Tn.) sollte ich einführen in das Thema "E-Learning im Sportverband". Erfreulicherweise waren die Tn. nach eigenem Bekunden E-Learning-Novizen, hatten sich also noch nicht explizit mit dem mediengestützten Lehren, Lernen und Prüfen auseinander gesetzt. Das schöne daran ist, dass man auf neugierige Augen trifft, die "einfach mal hören wollen, wie das so geht", ohne nach jedem zweiten Satz zu sagen, "das habe ich aber schon anders erlebt und gehört"... die Tn. sind folglich "reisefähig". Also, was habem wir gemacht? Mein Ziel war, die Teilnehmer an den Erfahrungen und Entscheidungen der letzten vier Jahre im Tischtennisverband teilhaben zu lassen. Dabei setze ich methodisch auf einen Wechsel von PPT und Demonstration in der Live-Umgebung, dass schafft Systematik (=> Ah, so ist das aufgebaut, das war die Idee) und Motivation (=> Wir sind jetzt live in der Umgebung, richtig???). Hilfreich sind auch Wechsel der "Hüte", also ich schlüpfe dann einmal in die Rolle eines Tn. und weiß "von nix", oder ich bin der "Ausbilder", der den Kurs moderiert oder ich mache einen Kommentar als "Wissenschaftler" z.B. zum Sinn und Zweck der E-Portfolios und den Erwartungen, die mit einem Präsentationsportfolio (in Prüfungen) verbunden sind. Das sieht von aussen wahrscheinlich recht sprunghaft aus, für die Tn. sind diese "Blickwechsel" - so meine Hoffnung - aber recht hilfreich; Zustimmungen am Ende der Workshops machen mir Mut, diesen Workshop-Modus zu vertiefen. Ich bin nun gespannt, ob sich einige der Tn. durch das edubreak-Konzept angesprochen fühlen und sich hier in einem neuen Verband etwas entwickelt. 

Neue Abenteuer mit Tech Pi & Mali Bu!

Zusammen mit dem Verein Lebensraum Lechtal e.V. haben wir ein neues Modul zu Tech Pi & Mali Bu erstellen können (Titel: Sackgasse im Fluss). Die Geschichte dreht sich dieses Mal um das Lechtal (Augsburg), um den Fluss, die dort lebenden Fische, die Kraftwerke mit den Staustufen und der Widerstreit zwischen Energiegewinnung auf der einen Seite und  Artenvielfalt und Naturschutzbemühungen auf der anderen Seite - eine Pattsituation?

Vor ein paar Monaten bin ich mit der Geschäftsleitung des Vereins (Frau Kopp und Herr Liebig) zusammengesessen und wir haben uns länger unterhalten. Dabei waren folgende Fragen zentral: Worum geht es dem Verein, was für Ziele hat er? Was will der Verein an Kinder vermitteln? Geht es "nur" um Wissensvermittlung oder auch um Interesse, Einstellungen u.s.w. Dabei treffe ich immer wieder auf dieselbe Herausforderung: Wie lassen sich die "großen" Ziele in eine kleine Geschichte packen, bei der Kinder im Grundschulalter wahrscheinlich einen Zugang zum Thema finden. In kreativer Zusammenarbeit mit Gabi und Monika Gröller ist die Story entstanden, Frank Cmuchal hat sich dieses mal (wie ich finde) bei dem Charakterdesign und den Zeichnungen überschlagen, Marco Rosenberg und Team haben für super Stimmen und Sound gesorgt, Christian Effenberger hat den Film gekonnt animiert und gemastert und Johannes Metscher hat mit Argusaugen die Qualitätskontrolle durchgeführt. Ich bin sehr froh um dieses tolle Team!!!

In Kürze werden wir das Modul mit Aufgaben bestücken, damit man sich privat aber auch in Grundschulen interaktiv mit der Geschichte auseinandersetzen kann. Wer noch nichts über diese Interaktionsmöglichkeiten weiß, der kann hier nachlesen). Schüler/innen der Klassen 2-5 sind zum Mitmachen aufgerufen! Viel Spaß ...

KERN-Zeit: EU-Projekt "Fahrlehrerausbildung 2.0" kurz vor Abschluss

Wir (Tamara, Silvia, Johannes, Stefan und ich) warem am Mittwoch und Donnerstag in Österreich, um in der Fahrwelt Kern unseren dritten und letzten EU-Workshop im Projekt "Driver Instructor Education 2.0" durchzuführen. Anders als bei den letzten Treffen haben wir diesesmal einen Eventtag vorgeschaltet. Auf dem Plan stand ein Sicherheitstraining, also Vollbremsung, Schleuderkurs und andere Dinge, die man sonst nicht macht, machen darf (im Foto eine Schleuderstrecke). Das hat viel Spaß gemacht und Einsichten erzeugt, die man vom Schreibtisch (auch bei intensivsten Nachdenken) nicht hin bekommt. Auf jeden Fall eine super Vorbereitung für den Folgetag, bei dem es wiedermal um das Thema "Videoreflexion in der Fahrlehrerausbildung" ging. Auf dem Workshop haben wir nach Darstellung von Projektverlauf und ersten wissenschaftlichen Ergebnissen über die Zukunft und die möglichen Weiterentwicklungen gesprochen. Hierbei gibt es vielfältige Perspektiven, angefangen von technologischen Weiterentwicklungen in Richtung tablet-PC, bis zu didaktischen und organsiationalen Innovationen. Innovationen? Das bei all dem nicht nur wir als Unternehmen (Ghostthinker), die Wissenschaft (UniBwM), die Praktiker der Ausbildungsinstitutionen am Tisch sitzt sondern auch der Vertreter des europäischen Berufsverbandes halte ich für besonders wichtig, wenn man in diesem Bereich nicht nur "Erfinden", sondern Erfindungen auch in die Breite tragen will. Gutes Tun und darüber reden: Tamara wird das in Kürze auf der red-conference (Schweiz) und dem fit to drive Kongress in Holland tun. Wir zeigen unser Produkt erstmals auf der Mitgliederversammlung des Bayerischen Fahrlehrer Verbandes Ende März.

Definition der Restklasse ... großartig!

Es gibt glaube ich ganz wenige HochschullehrerInnen, die ernsthaft mit ihrer Lehre (und damit mit sich selbst) experimentieren, also Neues schaffen. Christian Spannagel ist mit Sicherheit einer dieser Top 5! Bei dieser Behauptung geht es mir gar nicht so sehr um den Einsatz digitaler Medien, um Vorlesung "2.0" oder so etwas. Es geht mir vielmehr um die Haltung, mit der wissenschaftliche Lehre betrieben wird. Ich habe schon einige Beispiele gesehen: die Vorleser (aus ihrem eigenen Buch), die zerstreuten Freidenker (man kann schlecht folgen), die Folienbesprecher (ist oft langweilig) ... keine Frage, Vorlesung "machen" ist schwer! Im Beispiel von Christian sieht man, dass Humor ein ganz wesentlicher Teil einer guten Vorlesung ist (sicherlich nicht der einzige). Mit Humor klappt auf jeden Fall das Geschäft mit der organisierten Wissensvermittlung leichter. Bravo!

Schöne Sache – eureleA 2011 geht an Ghostthinker

Zusammen mit Stefan, Johannes und Ingo war ich am Dienstag auf der Learntec in Karlsruhe, um den „Pott“ abzuholen, wie wir im Vorfeld scherzhaft zu sagen pflegten. Zusammen mit anderen eureleA-Finalisten teilten wir uns eine kleine Ausstellungsfläche in unmittelbarerer Nähe des Bildungsforums, also recht zentral. Nach holpriger Anreise konnten wir unseren kleinen Strand just indem Moment beziehen, wo der Pressetross mit Ministerpräsident an uns vorbeizog (im Bild diese Situation).

Nach vielen Gesprächen am Tage und der Präsentation des tollen L3T Projekts durch Sandra und Martin startete um 17 Uhr die Preisverleihung zum diesjährigen eureleA Wettbewerb. Vier Kategorien standen zur Wahl, wir – um es kurz zu machen – konnten in der Kategorie Projektwirkung die Jury überzeugen. Ehrlich gesagt: Ich habe nicht damit gerechnet. Einerseits, weil wir potente Mitbewerber hatten (VW, BASF, Polizei online etc.) und andererseits, weil wir ja nicht mit Content, sondern mit Prozessgestaltung punkten wollten, was schwer darstellbar ist. Doch die Jury hat offenbar genauer hingesehen. Neben der eigenen Freude im Team und an der UniBwM, freuen wir uns auch mit den Praxispartnern aus dem Tischtennis (DTTB, TTVN, WTTV), die uns in den Entwicklungsjahren seit 2007 die Stange gehalten haben. Hier gilt mein Lieblingssatz: „Es ist schwieriger aus nix einen Punkt zu machen, als aus einem Punkt einen bunten Ballon.“ Nun gut, … vielleicht hilft uns der eureleA-Preis nun dabei, den besagten bunten Ballon aufsteigen zu lassen. Die Zeit ist gut dafür.

Innovationsfeld: Lehrerbildung (in Österreich)

Gestern war ich im schönen Salzburg auf der Tagung „Forschung zur (Wirksamkeit der) LehrerInnenbildug" (links im Bild nicht die Universität, sondern ein Gebäude in der Stadt). Mit Reinhard Bauer als Co-Referent haben wir über die Potenziale des edubreak-Ansatzes für die (österreichische) Lehrerbildung gesprochen. DAS eine netzgestützte Videoreflexion (plus weiterer Werkzeuge wie Weblogs, E-Portfolio) gerade in der reformierten Lehrerbildung (Life Long Learning, Verzahnung von Theorie und Praxis, Kollegiale Beratung etc.) viel bewirken könnte, dies war und ist unsere Ausgangsthese (Zur „Wirksamkeit" vgl. Alexander Florian, Kapitel 4.2.).

Da wir im Bereich der Lehrerbildung bisher „nur" Ideen, aber noch keine systematischen Erfahrungen (Studien) gesammelt haben, konnten wir auch nur ein analoges Konzept aus der Trainerbildung vorstellen. Was aber wie ein Hinkefuß klingt, empfinde ich als Diskussionsgrundlage für eine wissenschaftliche Tagung als Bereicherung, denn: Man kann sehen, wie ein „ganzheitliches Konzept" in einem anderen Bereich aufgebaut ist, um sich Anregungen für den eigene Bereich - hier der Lehrerbildung - zu holen. Was meine ich mit „ganzheitlich"? Im Sport haben wir das edubreak-Konzept von der Mikroebene der didaktischen Interaktion (Was tun die Studenten warum mit Text, Bild, Video konkret), über das Kursdesign auf der Mesoebene (Blended Learning-Formate) bis zur Vernetzung der Standorte zur Wissenskooperation auf der Markoebene ausbuchstabiert und dies heisst: die Aktivitäten der unteren Ebene sind Vorausssetzung für die übergeordneten Ebenen und die übergeordneten Ebene sind die Bedingungsstruktur für die untergeordenten Ebenen. Erst in dieser Gesamtstruktur wird die neue Qualität deutlich, interagieren die unterschiedlichen Ebenen (und Ressourcen) produktiv miteinander. Dieses „Muster" herauszuarbeiten und zu sehen, halte ich gerade dann für ganz wichtig, wenn es um qualitative Veränderungen in der Bildungspraxis (Innovationen) geht. 

Apropos „Muster": Zuammen mit Reinhard habe ich dann den Restag dazu genutzt, fernab vom Tagungsstress in einer netten, sonnigen Bar über (didaktische) Muster zu sprechen. Dies ist sein Dissertationsthema und zusammen mit Peter Baumgartner arbeitet er am Thema. Die (sicherlich nicht
neue) Erkenntnis nach drei Stunden war, dass wir den Musterbegriff (in der Pädagogik) differenzieren müssen, um nicht Gefahr zu laufen, missverstanden zu werden (Muster ist fast alles). Einen Mehrwert erzeugt der Musterbegriff zumindest dort, wo sehr unterschiedliche didaktische Formate, Ressourcen, Zeit-Raumstrukturen mit unterschiedlichen Beschreibungen und Granularitäten kombiniert werden, dort also, wo bisher Begriffslosigkeit herrscht. .... Aber wie das in Gesprächen „dieser Art" so ist: das Muster lässt sich im Nachhinein nur sehr ungenau rekonstruieren. Und das ist gut so ;-).

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