Blog von Frank Vohle

Kongresszeit 2011

Wie jedes Jahr finden im September immer eine ganze Reihe von wissenschaftlichen Tagungen zum E-Learnings statt: man muss sich also entscheiden. Dieses Jahr war ich auf dem Fernausbildungskongress der Bundeswehr in Hamburg vertreten. PD Dr. Schlattmann vom Sanitätsamt der Bundeswehr hatte zu einem 2h-Workshop zum Thema „Evaluation und Qualitätsmanagement in der technologiegestützten Ausbildung" eingeladen. Vor ca. 40 Teilnehmer, die meisten aus dem Kontext der Bundeswehr kamen, konnte ich unser Uniprojekt „Evaluation von Selbstlernmedien" (Ja sowas gibt es noch) vorstellen. Die mit Gabi erarbeitete Taxonomie und der modulare Aufbau der Kriterienlisten und Fragebögen kamen soweit "gut an". Am Donnerstag ging es dann weiter und zwar mit dem Ghostthinkerhut (nicht Uni). Zusammen mit Johannes haben wir einen wie ich finde interessanten Workshop angeboten, indem wir die Potenziale und unsere Erfahrungen zur Videoannotation aus dem Sport/Fahrschulausbildung zusammen mit den Teilnehmern auf den Kontext der Sicherheit ausdehnen wollten - WORKshop halt. Wir konnten mit wenigen Teilnehmern im kleinen Kreis ein intensives Gespräch führen ;-) u.a. waren die Kollegen von Mediabird und Softstairs dabei, über deren Kontakt ich mich sehr gefreut habe.

Nun ist kongressmäßig im September noch ein letztes Referat in diesem Jahr geplant - dann ist erstmal Schluss! Am 22.09 stelle ich in Halle beim Deutschen Sportwissenschaftlichen Hochschultag unser Chinaprojekt (Thomas Beyer Leitung, u.a. mit Bildungsministerium China, Hamburger Sportbund, DOSB int.) vor. Bei der mediengestützten Ausbildung von chinesischen Sport-vereinsmanagern (eine Art social entrepreneurs of sports) spielt der edubreakCampus wieder eine zentrale Rolle, aber auch neue Elemente wie dialogische Videoszenen zur Vermittlung von ökonomischen Fachperspektiven und die Entwicklung einer persönlichen Gründungsskizze durch die Teilnehmer selber spielen eine Rolle. Ambitioniertes Didaktikkonzept und chinesische Lernkultur schauen sich tief in die Augen, ... das ist der aktuelle Stand, den ich in Halle in der Session Sportmanagement (da bin ich gelandet) diskutieren möchte.

Social entrepreurship und „soziale Rendite“

Letzte Woche war ich mit Gabi in der TU München, um an der Veranstaltung "Social Entreprenurship: Soziales und Unternehmertum, ein Widerspruch? teilzunehmen. Nach einer knappen und guten Einführung durch Prof. Dr. Dr. Ann-Kristin Achleitner hat Prof. Dr. Andreas Heinecke (Gründer und CEO von Dialogue Social Enterprise) aus dem Nähkästchen geplaudert, d.h., wie er zum Thema (Lebensaufgabe) gekommen ist, warum es unmöglich ist als SE „richtig Kasse" zu machen und warum er sich im Flugzeug immer an den Gang setzt (um einen Milliardär zu treffen, der sein Projektfördert). Ich habe selten so klare Botschaften gehört und müsste an vielen Stellen schmunzeln.

Der Abend hat gezeigt, wie sehr man aktuell darum ringt, sowohl monetäre und soziale Rendite unter einen Hut zu bekommen. Aber so gänzlich klappt das noch nicht. Herr Prof. Dr. Andreas Heinecke rät sogar dringend davon ab. Es sei vielmehr eine Grundsatzentscheidung, ob man Geld verdienen wolle oder mit Haut und Haar hinter einer sozialen Aufgabe stehe. Genau dieser Punkt wurde z.B. von  Johannes Weber, Gründer und Managing Partner des Social Venture Fund, ganz anders eingeschätzt. Er war der Meinung, dass Geld verdienen auch beim SE nicht zu kurz kommen dürfe, wenn man gute Leute an diesen gesellschaftlich so wichtigen Bereich binden wolle.

Im Nachgang zur Sitzung erinnerte ich mich an eine Szene aus Raumschiff Enterprise, in der Jean Luce Picard einem Erdbewohner aus dem 21 Jh. erklärt, dass „Geld" im 24 Jh. keine Rolle mehr spiele. Jeder arbeite, um die eigenen Ideen zu verwirklichen, da die Ernährungsfrage gelöst sei. Utopien regen ja zum denken an und so frage ich mich, ob nicht die Integrationszwang beider Renditeformen (monetär und sozial) in EINER PERSON, dem social entrepreneure, eher behindert als befördert. Denkbar wäre ja auch eine Entkopplung, d.h. der social entrepreneur ist dort aktiv, wo der Staat in seinen Aufgaben bisher versagt. Bei sichtbarem Erfolg wird ihm aber vom Staat eine entsprechende monetäre Rendite ausgezahlt. Ansätze hierzu gibt es, da müsste man kreativ weiter denken. Es gilt einfach mit dem Gut der „sozialen unternehmerischen Motivation" achtsam umzugehen ... aus einer volkswirtschaftlichen Motivation heraus.

Sloterdijk hat gesprochen

Leider konnte ich am 09.06.2011 nicht nach Köln an die Sporthochschule fahren. Der Philosoph Peter Sloterdijk hat dort einen Vortrag (Audiomitschnitt) zu seiner verkappten Sportphilosophie "Du musst dein Leben ändern" gehalten. Für mich war das schade, weil ich mich in den letzten Wochen ins genannte Buch eingelesen habe (in Verlängerung zu Svens Buch, s.u.) und den Großmeister einmal hautnah erleben wollte. Chancen kommen wieder ... manchmal. 

Tja,... was steht im Buch? Ich kann keine Zusammenfassung machen, too much. Die 700 Seiten strengen an, trotz schwungvoller und bildreicher Sprache. Sloterdijk deutet den Menschen als übendes Wesen, als Asketen, als Artisten (Seiltänzer), der sich unter Risiko hinaufpflanzen (vs. fortpfanzen) kann, hin zu einem kulturellen (nicht biologischen) ÜBERmenschen - Nietzsche steckt im ganzen Buch. Im Sport komme dieses selbstgewollte Höherstreben besonders gut zum Ausdruck. Das "Training" wird zur Leitmetapher für alle Formen der wiederholenden Übung, was nichts anderes zur Folge hat als: Selbst-Formung. Dies gilt für den Handwerker genauso wie für den Philosophen.  

Man fragt sich immer wieder, was Rilkes Schlusssatz "Du sollst dein Leben ändern!" (Archaischer Torso Appollos) im Buch verloren hat, warum dies als Titel für das Buch gewählt wurde. Es ist offenbar ein Weckruf! In Kombination mit dem vorletzten Satz des Gedichtes wirkt dieser Imperativ fast schon suggestiv: "... denn da ist keine Stelle, die dich nicht sieht." Also, ... auf zum Berg der Unwahrscheinlichkeit, rein in den Verein der Tollkühnen, einen Schaffenden sollst du schaffen. Aus der Möglichkeit wird eine Pflicht. 

EU-Projekt beendet

Ich kann mich noch gut erinnern: Ende 2008/Anfang 2009 hatte ich noch wage Vorstellungen von einem "EU-Projekt" - zu groß, zu schwierig, zu ... . Durch eine Unterhaltung mit Annie Canel (Policy Officer, Road Safty, EC, Directorate-General for Energy and Transport) auf der TTD-Conference 2009 wurde ich jedoch ermutigt, einen Antrag im Themenfeld der Fahrlehrerausbildung einzureichen. Uns blieben wenige Woche für das Einlesen in EU-Statuten, Antragschreiberei, Partnersuche etc. Irgendwie hat es mit viel Schweiß und Network geklappt, unser Antrag wurde akzeptiert, im Oktober 2009 konnten wir Ghostthinker mit drei Praxispartnern aus Deutschland, Österreich und Belgien (später Italien), dem Europäischen Berufsverband und der Uni der Bundeswehr München (damals Uni Augsburg) als wissenschaftlicher Partner starten.

Ich bin sehr froh, dass von Anfang an Tamara Ranner als Koordinatorin des Projekts mit an Bord war. Sie hat die seltene Gabe recht hartnäckig UND freundlich zu sein, was sie für das Projektmanagement auszeichnet. Wie wertvoll eine solche Kraft ist, haben wir am Ende des Projekts gesehen, wo es galt, die vielen Teile des Projekts zu einem Bericht (siehe drei Pakete mit sechs Ordnern links im Bild)  zusammenzuführen. Ich will an dieser Stelle nicht meinen Dank an alle Hauptbeteiligten wiederholen (Gabi Reinmann, Silvia Sippel, Johannes Metscher, Stefan Hörterer, Gerhard v. Bressensdorf, Schorsch Meier, Torsten Uhlig, Harald Beyer und Hr. Fendt, Franz Kern, Christoph Doppler, Rolf & Anita Homburg): Fakt ist, dass sich jeder in dieses kleine EU-Projekt als voller oder stiller Partner "reingehangen" hat, was sich letztlich in einer guten Input-Output-Bilanz (Fördervolumen, 214.000 EUR, 18 Monate) zeigt.    

Was lernt man? Das man so schnell nicht wieder ein EU Projekt annimmt ;-)??? Nee, in der Summe hat es ja auch viel Freude gemacht, wir haben einen interessanten Kontext kennnengelernt (Fahrausbildung), es sind gute Publikationen entstanden und wir haben am Ende ein Produkt kreirt, das man im Prinzip europaweit für viele Ausbildungskontexte mit Schwerpunkt "Handlungswissen und Kollaboration" einsetzen kann; das war Zweck der EU-Aktion! Umso erfreulicher ist es, dass wir mit dem Verkehrsinstutut München (Projektleiter Harald Bayer) durch eine BmbF-Förderung nun an der Weiterentwicklung in Richtung Berufscommunity mit Erfahrungsaustausch (didaktische Muster zur Videonutzung) arbeiten können.

Telekom School of Transformation: ein Besuch

Am Montag den 16.05.2011 war ich in Bonn bei der Dt. Telekom zu einem Workshop geladen, bei dem es um Ideen und Konzepte zum Lernen und Wissen 2.0 ging, also um neuartige Problemlöse- und Kollaborationsprozesse innerhalb eines Unternehmens, bei denen Web 2.0 Anwendungen (und entsprechende Lernhaltung/Lernkultur) zum Einsatz kommen (Enterprise 2.0). Hintergrund dieses Workshops sind die aktuellen Bestrebungen der Dt. Telekom, eine School of Transformation in Berlin aufzubauen, in der das „neue Lernen" wie unter einem Brennglas sichtbar werden soll; Ausstrahlung auf das gesamte Unternehmen ist erklärtes Ziel.

Interessant fand ich den lebendigen Workshop deshalb, weil sehr unterschiedliche Vertreter aus dem Umfeld des „neuen Lernens" geladen waren: Professoren, Studenten aus dem Umwelt des open education Bewegung, klassische Unternehmensberater, interne Experten der Dt. Telekom und eben ein Ghostthinker. Inhaltlich haben wir viele Facetten angesprochen, Hinweise und Empfehlungen zusammengetragen. Was mir persönlich bei diesen Strategieworkshops immer fehlt sind „gute Beispiele", die dicht beschrieben einen Einblick in das „deep play" einer Enterpreise 2.0 geben. Also, mehr Mut zu Beispielen oder didaktischen Mustern :-) Bin gespannt auf die weiteren Entwicklungen aus dem Umfeld der Wissensarbeit; eine Kompetenznetzwerk an der UniBwM ist ja gerade im Aufbau.

Vielleicht abschließend noch ein Hinweis auf die Tagung "Kunde 2.0" und den Vortrag vom Kollegen Johannes Metscher. Das passt zwar wie nicht direkt zur Enterprise 2.0, aber wer insbesondere den Außenkontakt zu den Kunden sucht, der wird um stream der Tagung viele Hinweise finden.

Intrapreneuer sportive ... oder: Warum ich ein Güldenpfennig-Fan bin

Wer ist Güldenpfennig? Es muss um 1997 gewesen sein, als mir mein damaliger Chef (Prof. Quanz) zwei Bücher auf den Tisch legte und sagte: „Lesen Sie die mal und versuchen Sie einen Kommentar!". Damals hatte ich alle weltlichen Herausforderungen ;-) hinter mir (Diplom und Staatsexamen) war dennoch unzufrieden und genau in diesem Bewusstseinszustand stieß ich auf die beiden bunten Ostereier, d.h. die Güldenpfennig-Bücher „Sport: Autonomie und Krise" sowie „Sport: Kunst oder Leben". Die Bücher bewegten mich tief, nie zuvor hatte ich soetwas gelesen, Luhmann, Kant, Goodman, Walzer, Nietsche, Welsch in dichter Folge und alle sollten bezeugen, dass Sport Kunst ist. Punkt. Was Güldenpfennig mit seinen beiden Büchern (und den folgenden) vorlegt ist eine Kulturwissenschaft des Sports, eine Art Bewegungssemiotik, die helfen soll, das Kulturphänomen Sport als Sinnsystem - es geht also um den Ideengehalt - (besser) zu deuten. Ich nahm mir ganze sechs Monate Zeit, studierte die Bücher ausgiebig, verfasste einen ca. 15-Seitigen Kommentar und schickte diesen nach Berlin zum Autor, den ich nicht weiter kannte. Damit war für mich die Sache erledigt, ich hatte meine Befriedigung. Es folgte aber eine Einladung nach Berlin, an das Deutsche Olympische Institut am Wannsee, eine intensive Unterhaltung mit Sven Güldenpfennig und den Wunsch, über Sport als Kunstgattung zu promovieren. Wegen Geldmangels wurde das nichts, ich ging zu Siemens und promovierte an der Uni Augsburg über Analogien.

Warum erzähle ich das? Zum einen, weil ich vor einem Monat (also nach 15 Jahren Sendepause) in einem Projektgespräch erfahren habe, dass mein Gegenüber der Trauzeuge von Sven ist. Nur Zufall? Gut, wenn ja, dann ist es ein schöner. Zum anderen, weil auch das aktuelle Buch von Sven wieder sehr spannend ist, allein der Titel provoziert: „Die Würde des Sports ist unanstastbar!". Kann Sport (als Kulturphänomen) eine Würde haben? Was ist überhaupt Würde? Auch hier spannt Sven wieder einen breiten Bogen auf, nimmt einen mit zu Mythen aus der Antike, die helfen sollen, den Sinnkern des Sports besser zu verstehen, diskutiert ausgiebig Peter Sloterdijs Werk „Du musst dein Leben ändern!" mit dem Ziel die Essenz dieses Buches auf den Sportkern zu beziehen und kommt am Ende schließlich zu der Vielschichtigkeit des Würde-Begriffs. Nach gut 400 Seiten tour de cultur hat man gelernt, dass Sport ein schöpferisches-ästhetisches Handeln, ein Streben nach persönlicher Exzellenz ist, wobei gerade das würdevolle Scheitern-Können und der vernünftige Umgang mit Grenzen elementare Bestandteile des Güldenpfennigschen Sportbegriffs sind.   

Warum komme ich immer wieder (in unterschiedlichen Blogbeiträgen, in meinem Kopf sowieso) auf das Thema Sport + Kunst zurück? Was reißt mich an der Vorstellung, Sport sei Streben nach persönlicher Exzellenz, Umgang mit Grenzen, würdevolles Scheitern, etwas Ästhetisches im Medium der Bewegung? Wer mich kennt, weiß, dass ich diese Vorstellungen gerne ausweite, sie (unzulässig) genaralisiere, sie in Lebens!Bereiche hineintrage, wo die Prämissen des Sports nicht mehr gültig sind, z.B. in eine Universität oder ein Unternehmen. Dort experementiere ich mit diesen Idealen, suche Verbindungen z.B. zur Idee des Entrepreurships, zu generellen schöpferischen Handlungen, in denen der Einzele als Einzelner zählt! Wenn man sich fragt, welche Idee ein Unternehmen für seine Mitarbeiter anbietet (also jenseits des Geldes), wofür es sich lohnt, alles zu geben, dann kommt man an den oben genannten Kategorien nicht vorbei, da ist es einfach zu wenig, was aktuell in Leitbildern von Unternehmen blass und kraftlos „verkauft"
wird.

Auch wenn man Svens Ideen nicht 1:1 in die unternehmerische oder universitäre Lebenswirklichkeit entlassen kann (er würde mich prügeln), vielleicht regen sie aber doch dazu an, den Entrepreneurship-Sinn weiter in Richtung eines intrapreneur sportive (das ist kein Sportunternehmer!) auszubauen.

Ich teste eine Theorie

Schon seit acht Wochen habe ich meine PIN-Nummer vergessen, mit der ich am Geldautomaten Bares abholen kann. So gehe ich wie anno 1985 an den Bankschalter, sage artig: "Bitte 150,- Euro." .. und ich bekommen den Betrag mit einem netten Lächeln ausgezahlt. Nur, das ist ja keine Lösung! Von einer Kartenneubestellung habe ich bisher abgesehen, die 20 Euro ärgern mich dann doch. Der PIN-Code KÖNNTE mir ja jede Sekunde wieder einfallen?!!

Gestern habe ich es herausgefordert: Ich weiß, dass uns Dinge IN SITUATIONEN einfallen, allgemeiner, dass Wissen an und in Situationen gebunden ist, wie es die situated cognition-Bewegung gezeigt und/oder behauptet. Also wie sieht das Life-Experiment aus? Ich bin gestern in ein Gechäft gegangen und habe mir einen Anzug gekauft, ich stelle mich an der Kasse an, ich gebe die Kreditkarte ab, stehe vor dem Eingabegerät, die Kassiererin sagt, "hier bitte den PIN eingeben", ich zögere (denke kurz übr das Experiment nach) ... und sage dann, "Ich kann das jetzt nicht!". Die Kassiererin und die hinter mir stehenden Kunden sind verwundert. Ich sage, dass ich eine kurze Pause brauche. Hmmm, Teil 1 des Experiments ist nicht geglückt, aber es tut sich was.

Ich setze mich auf einen Stuhl direkt neben der Kasse, mache die Augen zu und denke darüber nach, warum ich an der alten (faschen) Zahlenfolge so hänge? In dem Moment macht es Klick. Ich stelle mich also erneut an, die Kassiererin sagt, "Ein neuer Versuch?" Ich tippe den vierstelligen Code ein und ... reisse beide Arme nach oben. Teil 2 des Experiments ist geglückt. Man darf nie zu schnell aufgeben.

Meine Schlussfolgerung: Da ich mehrere Karten habe, kam es zu einer Vermischung der Nummern in meinem Kopf. Das liegt wohl auch daran, weil EINE Situation mit mehreren Codes belegt ist, da gibt es keine Differenzierung. Warum aber funktionierte diese "Situierung" nicht am o.g. Bankautomaten? Weil es keine echte Situierung war, ich wusste bereits VOR dem Besuch, dass ich die Nummer nicht eingeben konnte. Beim Anzugkauf hatte ich es drauf angelegt (Koordination ohne bewusstes Kalkühl=> Clancey) ... ich hätte auch scheitern können. Aber nun gut, mich interessiert dieser theoretische Ansatz, gut nachzulesen auch bei Lai-Chong Law.

Unser erster Messestand!

Wenn man einen Messestand organisiert, dann sollte man nicht nur an Reisnägel und Klebeband denken ... sondern? Ja richtig, an Stellwände für Plakate, Projektionsfläche für Beamer, Tische, Stühle, Getränke usw. Für unsern aller ersten Messestand von Ghostthinker hatte ich bestellt: einen Tisch und eine Steckdose, ... „den Rest improvisieren wir", dachte ich. Und so kam es wie es kommen musste: Am Samstag morgen sind Jojo und ich in aller Früh nach Deggendorf im Osten Bayerns gefahren, um als Aussteller an der Bayrischen Fahrlehrertagung teilzunehmen, bei der 600 Fahrlehrer erwartet wurden und Automobilhersteller wie VW/Audi sowie Verlagsgrößen wie Degener und Vogel (Bertelsmann) am Start waren. Um 9 Uhr öffnete die Tagung ihre Pforten und um 8.45 Uhr fanden wir unseren bestellten Tisch vor ... mit Steckdose (siehe Bild oben). Es ging also darum, in 15 min seeeeehr kreativ zu sein. Rings um uns herum überall professionelle Stände mit Fahnen, Poster, Beamer und was man sonst so für einen schicken Auftritt braucht. Wir haben dann recht schnell entschieden, dass man aus diesem weißen Tisch nichts machen kann, Kreativität hin oder her. Etwa 10 Meter weiter im Raum hatte ein Aussteller seinen Platz nicht bezogen - was ein Glück - und in Absprache mit der Tagungsleitung konnten wir diesen neuen Ort beziehen: Poster an die Wand, Beamer an die Wand, Lautsprecher an, Tamaras tolle Projektbroschüren ausgelegt, Johannes und ich mit einem Lachen vor den Tisch und fertig ist ein Ghostthinker-Stand ... wir sind sehr stolz!

Nach diesem geglückten Start war der Messetag durch vielseitige Gespräche geprägt: Fahrlehrer, die Interesse an der Videoreflexion zeigten, junge (22 Jahre) und junggebliebene (70 Jahre) Fahrlehrer, die sich die Möglichkeiten des Facebook-Marketings (AnnotateMe! = unser neues Produkt) erläutern lassen wollten, ein klärendes Gespräch mit einem Vertreter von VW sowie Kontaktanbahnungen zu anderen Ausstellern. Die zentrale Erfahrung ist, dass wir mit der Videoreflexion (auch in diesem Bereich) auf dem richtigen Weg sind und wir unsere (wachsende) Kompetenz zur technologiegestützten Videoreflexion gut in die Gespräche mit den Praxisexperten einbringen können. Zusammen mit unseren Entwicklungspartnern (KMH Fahrschule Wolfratshausen und Verkehrsinstitut München) möchten wir nun vor allem die Zeit nutzen, um die Zielgruppe Fahrschüler genauer in den Blick zu nehmen. Hierzu nutzen wir auch die Meinungen von acht neuen Fahrlehrern, die sich für einen Workshop zu Videoreflexion angemeldet haben.

Erstkontakt China!

Seit ca. vier Monaten habe ich über Andreas Hebbel-Seeger Kontakt zu einer Hamburger Agentur, die sich u.a. mit dem Thema
Sportentwicklung beschäftigt (Thomas Beyer GmbH). In einem aktuellen Projekt geht es darum, ein innovatives Ausbildungskonzept für chinesische Sportvereinsmanager zu entwickeln und 2011 zu pilotieren. Von der Perspektive sollen gemeinnützige Sportvereine in China "nach deutschem Vorbild und mit chinesischem Charakter" aufgebaut werden; der Pilot gilt als Versuchsballon. Gefordert ist eine Art "Sozialunternehmer" im Feld des Sports, der einen Verein gründet und mit gesellschaftlichem Nutzen betreibt. Die Ghostthinker GmbH ist in dieses Projekt als mediendidaktischer Kooperationspartner (Lernberatung/ Bildungstechnologie) eingebunden und wird in den Folgemonaten in Zusammenarbeit mit dem Hamburger Sportbund e.V. und der Projektleitung ein mediengestütztes Ausbildungskonzept entwickeln, umsetzen und evaluieren. Ich bin sehr gespannt: erstens finde ich es sehr interessant, mich im Feld des „social entrepreneurships" zu bewegen und hier handlungsorientierte Konzepte zu entwickeln, zweitens ist der Zweck der Aktion, der Aufbau von gemeinnützigen und breitensportorientierten Sportvereine mit gesellschaftspolitischer Zielsetzung ergeizig, drittens bilden die Unterschiede in den Lernkulturen (Mindset) eine mediendidaktische Herausforderung, bei dem der edubreakSportCampus ein wichtiges, aber nicht alleiniges Lösungselement ist. Dies alles zusammengenommen ist Neuland, indem man viel lernen kann ... und ich vermute stark, dass ich auch viel von Thomas lernen werde.

E-Learning im Sportverband ... das hatten wir schon einmal

Gestern war ich auf dem Bundeskongress des Deutschen Behindertensportverbandes e.V. in Berlin. In zwei Workshops (mit je ca. 10 Tn.) sollte ich einführen in das Thema "E-Learning im Sportverband". Erfreulicherweise waren die Tn. nach eigenem Bekunden E-Learning-Novizen, hatten sich also noch nicht explizit mit dem mediengestützten Lehren, Lernen und Prüfen auseinander gesetzt. Das schöne daran ist, dass man auf neugierige Augen trifft, die "einfach mal hören wollen, wie das so geht", ohne nach jedem zweiten Satz zu sagen, "das habe ich aber schon anders erlebt und gehört"... die Tn. sind folglich "reisefähig". Also, was habem wir gemacht? Mein Ziel war, die Teilnehmer an den Erfahrungen und Entscheidungen der letzten vier Jahre im Tischtennisverband teilhaben zu lassen. Dabei setze ich methodisch auf einen Wechsel von PPT und Demonstration in der Live-Umgebung, dass schafft Systematik (=> Ah, so ist das aufgebaut, das war die Idee) und Motivation (=> Wir sind jetzt live in der Umgebung, richtig???). Hilfreich sind auch Wechsel der "Hüte", also ich schlüpfe dann einmal in die Rolle eines Tn. und weiß "von nix", oder ich bin der "Ausbilder", der den Kurs moderiert oder ich mache einen Kommentar als "Wissenschaftler" z.B. zum Sinn und Zweck der E-Portfolios und den Erwartungen, die mit einem Präsentationsportfolio (in Prüfungen) verbunden sind. Das sieht von aussen wahrscheinlich recht sprunghaft aus, für die Tn. sind diese "Blickwechsel" - so meine Hoffnung - aber recht hilfreich; Zustimmungen am Ende der Workshops machen mir Mut, diesen Workshop-Modus zu vertiefen. Ich bin nun gespannt, ob sich einige der Tn. durch das edubreak-Konzept angesprochen fühlen und sich hier in einem neuen Verband etwas entwickelt. 

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