Sandra Hofues

Subscribe to Sandra Hofues Feed
Lehre, Forschung, Reflexion
Aktualisiert: vor 1 Stunde 59 Minuten

Zur Bedeutung der Artefakte beim forschenden Lernen #Forschungsskizze

Februar 27, 2017 - 10:05

In diesen Tagen werden wieder allerhand Forschungsskizzen abgegeben, die in meiner Einführungsvorlesung in die Mediendidaktik entstanden sind. Die Forschungsskizzen sind als Artefakte deswegen so interessant, weil sie sehr gut zeigen, dass Studierende innerhalb einer forschungsorientierten und „geflippten“ Vorlesung anders als mit den sonst gewohnten Frontalvorträgen zum (Nach-)Denken angeregt werden. Die thematische Vielfalt der eingereichten Skizzen macht dies besonders deutlich, denn: Es ist zulässig, sich auch in Grau- oder Grenzbereichen der Mediendidaktik zu bewegen und sich mitunter stärker auf andere Disziplinen zu beziehen, als dies bspw. aus allgemeindidaktischer Sicht der Fall wäre.

Diese breite Auseinandersetzung finde ich in einer Einführungsvorlesung wichtig, weil sie Bezüge zu aktuellen Fachdiskursen herstellt und Fragen, was Mediendidaktik heute ist, überhaupt erst aufgeworfen bzw. erzeugt werden. So sehe ich seit längerem, dass Mediendidaktik nicht mehr nur das Lernen mit Medien adressiert, sondern auch das Lernen über Medien (im medienpädagogischen Sinne) innerhalb der Mediendidaktik an Bedeutung gewinnt. Daneben wird ein breiter Medienbegriff wichtiger, der alle Medienformen einschließt und neben der Nutzungskomponente insbesondere Kommunikations- und Diskursräume adressiert. Widersprüche, bspw. zum Medienbegriff in der Fachdidaktik, werden sichtbar und sind auch nicht unbedingt mit den Entwicklungen innerhalb der Mediendidaktik als Disziplin vereinbar. Mit all diesen Diskussionen und Entwicklungen sollten sich auch Studierende beschäftigen – mithilfe von theoretischen, empirischen und konzeptionellen Impulsen durch die Lehrenden, aber auch durch die Beschäftigung mit eigenen Fragen oder Problemen. In der Didaktik nennt man das Situiertheit.

Letztere stellt Studierende vor Herausforderungen, die ich aus Lehrendensicht erst einmal verstehen musste: Fast mantraartig trage ich deshalb in der Vorlesung vor mir her, dass es in den Forschungsskizzen ausdrücklich erlaubt ist, sich mit eigenen (Forschungs-)Fragen zu beschäftigen und in der Umsetzung der Skizzen kreativ zu werden. Es geht nicht darum, Aufgaben nach einem speziellen Vorbild bloß abzuarbeiten; die Aufgaben stellen vielmehr Anlässe zum Nachdenken/Forschen dar. So hat sich mindestens ein Forschungstandem überlegt, einen Film anstelle einer schriftlichen Skizze einzureichen. Glücklicherweise handelt es sich bei den Forschungsskizzen um Studienleistungen, dass auch eine solche Medienform prinzipiell möglich wäre. Einzige Einschränkung ist, dass dem Film ein Script zugrunde liegen muss, das den Bezug zur eigentlichen Aufgabe deutlich herstellt.

Nicht nur dieses Beispiel zeigt sehr gut auf, dass Studierende allein durch die Form der Forschungsskizze in der Vorlesung ganz anders als sonst zur inhaltlichen Auseinandersetzung mit mediendidaktischen Fragen angeregt werden. Darüber hinaus wird mehr als deutlich, welchen Wert schließlich das Artefakt/Produkt für den subjektiv empfundenen Lernerfolg hat. Allerdings zeichnet sich auch ab, dass zumindest einige Studierende sehr viel Zeit mit der Forschungsskizze verbringen und sie den abschließenden Test trotz der Vielzahl an Transferfragen eher unsinnig finden. Für sie ist es ein Entweder-Oder: entweder ein freies Auseinandersetzen oder auf einen Abschlusstest „Lernen“. Ich hingegen ziele auf ein Sowohl-als-Auch ab, sprich auf die freie Auseinandersetzung bei gleichzeitiger Einübung von Grundlagen- und Transferwissen. Die Diskussion über dieses Spannungsfeld wird mich wahrscheinlich noch länger in der Vorlesung begleiten.

In eigener Sache: 3 Stellen als wissenschaftliche*r Mitarbeiter*in (Mediendidaktik, Universität zu Köln) zu besetzen

Januar 31, 2017 - 08:11

Wer hat Lust auf spannende Forschungs- und Entwicklungsfragen im Bereich Medien, ein junges Team und ein anregendes Umfeld in Köln? Dann jetzt bei mir bewerben (bis 20.2.2017).

100% im BMBF-Projekt „You(r) Study“ (Koordination und rekonstruktive Sozialforschung), Laufzeit: 3 Jahre,
https://www.stellenwerk-koeln.de/…/wma_hum.fak_._prof.hofhu…

2x 50% im BMBF-Projekt „OERlabs“ (gemeinsame Medienproduktion, Mentoring), Laufzeit: 1,5 Jahre,
https://www.stellenwerk-koeln.de/…/wma_hum.fak_._prof.hofhu…
Die Stellen können ggf. zusammengefasst werden.

Hochschulrahmenvertrag der VG Wort oder: Wenn Handlungspraktiken und geltendes Recht aufeinander prallen. #medida16

Dezember 8, 2016 - 15:21

Es passt ja irgendwie ins Bild, dass der (neue) Hochschulrahmenvertrag der VG Wort erst jetzt intensiv diskutiert wird. Absehbar ist nämlich, dass sich zum 1.1.2017 gängige Handlungspraktiken von Hochschullehrenden und Studierenden verändern müssen.

Hintergrund sind Abgaben, die die VG Wort als Vertreterin der Autor*innen von den Hochschulen einfordert. Abgaben, die lt. geltendem Urheberrecht rechtmäßig sind, aber längst nicht mehr zu den Handlungspraktiken von Lehrenden und Studierenden an Hochschulen passen. Dort werden seit mindestens zehn, eher seit 15 Jahren und mehr digitale Materialien ins Lernmanagement-System (LMS) geladen und Lernenden zur Verfügung gestellt. Richtig war das nie, praktisch schon, wie vielerorts online zu lesen ist:

Urheberrecht vs. digitales Studieren“, RP online
Weitere Hochschulen winken ab“, Börsenblatt
Unirahmenvertrag: Studierende protestieren und Unis verweigern Unterzeichnung“, Netzpolitik.org
Unirahmenvertrag: Der Boykott der Hochschulen ist nachvollziehbar, die VG WORT muss verhandeln“, Pressemitteilung des Vorstands der Gesellschaft für Medien in der Wissenschaft (GMW)

Weiterführend lesenswert:
Tag der Kompromisse endet mit Eklat“, Stefan Niggemeier
Siggener Thesen zum wissenschaftlichen Publizieren im digitalen Zeitalter“, Merkur

Sehnsüchtig warten nun alle Hochschulen und ihre Mitglieder auf eine neue Lösung („Wissenschaftsschranke“), die die VG Wort und HRK im Gespräch eruieren soll. Die Wiederaufnahme von Gesprächen ist allerdings zu spät – zumindest für das laufende Semester. Für das Wintersemester 2016/17 müssen Hochschulen übergangsweise eine praktikable Lösung finden, mit den Urheberrechtsproblemen umzugehen.

Konkret sieht dies so aus, dass viele Hochschulen ihre digitalen Materialien löschen, Dozierende zum Löschen von Inhalten auffordern oder Systeme kurzzeitig abschalten. So auch an der Universität zu Köln, was vielfältige Anschluss-Diskussionen und nicht zuletzt Panik erzeugt. Dabei wäre mit der Hypertextstruktur des Internets vieles durchaus zu lösen…

So oder so ist die aktuelle Diskussion fachwissenschaftlich interessant: An der Diskussion um digitale Inhalte in den diversen LMS zeigt sich einerseits, dass die Hochschulen in den letzten Jahren bedeutend „digitaler“ geworden sind, als man gemeinhin öffentlich annimmt. Gerade digitale Plattformen, die nicht ohne Grund im Hochschuljargon „PDF-Schleudern“ genannt werden, sind üblich geworden. Andererseits haben die meisten Hochschulen das urheberrechtliche Problem sehenden Auges in Kauf genommen – nicht zuletzt, um Änderungen im Urheberrecht zu erzwingen oder das Problem (idealerweise) auszusitzen.

Man kann die Diskussion aber auch anders (produktiver oder pragmatischer) deuten: Mit dem neuen Hochschulrahmenvertrag der VG Wort gibt es endlich Gründe, sich mit medien- und urheberrechtlichen Fragen im Kontext der Hochschullehre zu beschäftigen. Das ist für Expert*innen seit vielen Jahren Alltag, mindestens seit der Hoffnung auf Lehrinnovationen durch digitale Medien, der „Erfindung“ von Open Access und Creative Commons. Jetzt scheint  das Zeitfenster zu sein, solche Diskussionen in der Breite zu führen und angemessene Lösungen für alle Beteiligten zu finden. Darüber hinaus könnten die Startbedingungen für unser neues Praxis- und Entwicklungsprojekt „OERlabs“ an den Universitäten Köln und Kaiserslautern kaum günstiger sein:

Wann, wenn nicht jetzt, sollte man über freies Bildungsmaterial (OER) ins Gespräch kommen?