Sandra Hofues
educamp meets GMW
Um den Jahreswechsel wurde die Idee geboren, die Pre-Conference der GMW einmal „anders“ zu gestalten. Entsprechend offen wird sie dieses Mal unter dem Motto educamp meets GMW über die Bühne gehen. Die Organisation läuft auf Hochtouren, viele Sessions sind bereits auf educamp.mixxt.de angekündigt. Nun gibt es auch einen kleinen Film von Augsburger Studierenden, die das Motto der Begegnung visuell sehr ansprechend für jedermann (-frau) umgesetzt haben:
Der Film ist ein (Teil-)Ergebnis unseres Visualisierungsseminars, sodass ich – zugegeben – etwas stolz auf das Ergebnis bin. Wer neugierig ist, kann sich auch die weiteren visuellen Produkte ansehen – ganz webzweinullig auf Facebook und für die, die keine Lust auf Facebook haben, gibt es die Flyer, Poster und Citycards auch bei Scribd.
Ich weiß nicht, wie es Euch geht, aber ich freue mich auf das Experiment in Zürich :-)
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CfP: E-Learning in Praxisphasen des Studiums
Inzwischen ist es schon eine Weile her, dass ich mein letztes Praktikum absolviert habe. Trotzdem kann ich mich noch gut daran erinnern, wie das jeweils war – meist aufregend zu Beginn, interessant in der Mitte und mitunter traurig am Ende. Immerhin findet man sich über einen klar umrissenen Zeitraum nach und nach in einer neuen Organisation ein und muss meist dann gehen, wenn es am Schönsten ist. Auch merkt man erst nach und nach, was man schon weiß oder auch, was man noch lernen muss, und fängt an, seine eigenen Entwicklungen zu reflektieren – mit Familie und Freunden, aber auch mit Kommilitonen oder weiteren Peers, die sich in ähnlichen Phasen befinden oder diese bereits deutlich hinter sich gelassen haben. Immerhin sind solche Praxisphasen auch Findungsphasen und mitunter ein Korrektiv, um echte Interessen von unrealistischen Wünschen als StudentIn unterscheiden zu lernen. Von der Universität als „Gegenpart“ erhält man in dieser Zeit wenig Unterstützung. Als Instanz für Theorie bleibt sie in den Praxisphasen in der Regel unbesucht; aber auch Organisationen interessiert meist wenig der fachliche Hintergrund, aus dem PraktikantInnen kommen – zumindest nicht so explizit, dass hierüber gesprochen würde (als Einstellungsgrund natürlich schon). Die Praxis steht im Vordergrund. So bleiben die gemachten Erfahrungen und die Art und Weise, wie alte und neue Erfahrungen miteinander verwoben werden, in der Regel abhängig von der Person und ihrer individuellen Bereitschaft zur Reflexion. Insofern finde ich den aktuellen Call for Papers der Zeitschrift für E-Learning höchst spannend, der „Projektberichte, konzeptionelle Vorschläge und empirische Erkenntnisse“ (ebd., S. 2) dazu sucht, wie E-Learning in den Praxisphasen des Studiums unterstützend wirken kann. Mir fallen jedenfalls spontan einige sehr gute Möglichkeiten der Verknüpfung ein und vermutlich geht es Euch nicht anders. Da ich gerade dabei bin, Prioritäten zu setzen (ich sage nur: Diss), müsstet Ihr nun die Beiträge übernehmen… ich freue mich schon darauf :-)
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Gelesen: Die gesellschaftliche Verantwortung von Unternehmen (CSR) zwischen Markt und Politik
Eher zufällig bin ich vor einiger Zeit auf eine Studie zum Stand von Corporate Social Responsibility (CSR) in Deutschland gestoßen, die vor allem die politische Dimension des Engagements von Unternehmen in den Blick nimmt. Obschon der Dialog unterschiedlicher Akteursgruppen bei CSR im Mittelpunkt steht, ist diese Herangehensweise bei Studien nämlich eher selten. Meist findet man Ergebnisse zur Wirksamkeit von CSR am Beispiel einzelner Unternehmen; etwas häufiger gibt es Informationen zum Funktionieren von Netzwerken, Projekten etc. Insofern ist allein die (Vogel-)Perspektive auf CSR spannend und die Anforderungen, die sich aus der politisch motivierten Betrachtung ergeben, lesenswert. Wenn man sich allerdings schon eine Weile mit dem (freiwilligen) unternehmerischen Engagement auseinandersetzt, fallen einem jedoch sicher andere Details als der bloße Zugang zu einem Thema auf. Eines dieser Details ist für mich eine Tabelle (Pleon & IFOK, 2008, S. 48), die CSR-Maßnahmen danach unterscheidet, mit welcher „Eingriffs- und Wirkungstiefe“ (ebd., S. 47) jeweils agiert wird:
Versuche, Engagement zu clustern, gibt es oft, international am gängigsten ist vermutlich die CSR-Pyramide nach Caroll (siehe weiterführend Eintrag im Sozwiki). Typisch ist auch die Unterscheidung nach der Langfristigkeit des Engagements, wie man sie etwa bei Knapp im Bereich des Corporate Volunteerings findet (siehe seinen Artikel in der Zeitschrift bildungsforschung). Im Vergleich zu den anderen Beschreibungsansätzen ist die oben angeführte Übersicht nun dahingehend besonders, als dass mit den beiden Bereichen „Capacity Building“ und „Anreizinstrumente“ Themenbereiche explizit aufgenommen werden, die in den bisherigen Darstellungen eine untergeordnete Rolle spielen oder in Teilen gar nicht zum CSR-Engagement gezählt werden. Leider werden die Gründe für die Aufnahme in der Studie nicht weiter vertieft und es bleibt nur zu vermuten, dass diese Integration mit der Perspektive auf CSR (Makroperspektive, siehe oben) zusammenhängt.
Interessant sind auch die Erwartungen, die Vertreter von Konzernen und von KMUs mit CSR verbinden. Denn diese sind, wer hätte es für möglich gehalten, durchaus unterschiedlich (Pleon & IFOK, 2008, S. 50–51, Hervorhebung im Original):
Aussagen von Großunternehmen
• Zentral für CSR ist die Freiwilligkeit und Kreativität des Engagements.
• Primäre Motive für CSR sind Marktanforderungen, Unternehmenswerte, Mitarbeitergewinnung (laut Umfrage unter Teilnehmerinnen und Teilnehmern der CSR-Konferenz im April 2008).
• CSR sollte eine werte- und marktgetriebene Praxis sein, keine gesetzlich verordnete.
• CSR wird zunehmend ins Kerngeschäft integriert und spielt eine wachsende Rolle entlang der gesamten Wertschöpfungskette.
• Es gibt eine zunehmende Anzahl verschiedener Standards, Ratings und Wettbewerbe mit CSR- Bezug, die zu einer hohen Arbeitsbelastung im CSR-Reporting führen. Ein neuer Code of Conduct seitens der Bundesregierung ist daher nicht wünschenswert.
• Damit CSR in Deutschland vom Markt belohnt werden kann, ist die kritische Haltung bei Verbraucherinnen und Verbrauchern sowie in Teilen der Medien zu überwinden, damit CSR deutscher Unternehmen international belohnt werden kann, ist eine verbesserte Wahrnehmung des hohen Niveaus impliziter unternehmerischer Verantwortung in der deutschen Sozialen Marktwirtschaft wünschenswert.
• Die Öffentliche Hand sollte ihre eigene unternehmerische Verantwortung stärker entwickeln.
• Die CSR-bezogenen Aktivitäten verschiedener Bundesressorts sollten besser koordiniert werden.
• Eine nationale CSR-Strategie, soweit überhaupt erforderlich, muss im Dialog mit den Unternehmen entwickelt werden.
Aussagen kleiner und mittlerer Unternehmen
• Unternehmerische Verantwortung ist für einen großen Teil von KMU wichtig und wird vor allem im regionalen Umfeld ausgeübt, allerdings meist nicht als CSR bezeichnet.
• Angesichts begrenzter Ressourcen für CSR sind KMU oft mit der Orientierung in der vielfältigen CSR-Landschaft überfordert, insbesondere im Feld von Labels und Standards.
• Der bestehende CSR-Fachdiskurs und die existierenden unternehmerischen Netzwerke und Initiativen benachteiligen strukturell KMU, die weniger Ressourcen zur Verfügung haben.
• Ein wichtiges Förderinstrument für CSR bei KMU kann die öffentliche Beschaffung sein.
• CSR sollte bei KMU von der Öffentlichen Hand direkter finanziell gefördert werden.
• Damit CSR in Zukunft bei KMU eine größere Rolle spielt, ist das Thema in der Ausbildung und im Studium zu stärken.
Aufgefallen ist mir übrigens noch eine Fußnote, die erläutert, dass CSR-Engagement längere Zeit weder von den Medien noch von der Wissenschaft betrachtet wird:
„Im Zeitraum 2000 bis 2004 befasste sich beispielsweise nur jeder fünfzigste Artikel in den deutschsprachigen Zeitschriften für Allgemeine Betriebswirtschaftslehre mit dem Thema, wobei davon nur die Hälfte mit Partizipation eines Professors verfasst wurde.“ (Pleon & IFOK, 2008, S. 21)
Warum der Satz aus meiner Sicht pikant ist? Weil ich schon meine, dass die Partizipation eines Professors an einer Publikation wohl kaum als Indiz dafür ausgelegt werden kann, ob ein Thema als relevant bzw. aktuell einzustufen ist. Im Gegenteil: Ich habe schon öfters gelesen, dass die neuen Themen gerade nicht von Professoren besprochen werden (siehe weiterführend z.B. einen Artikel von Christoph Weller). Dies aber nur als Notiz am Rande.
Fazit: Wie so oft gilt auch bei dieser Studie: von der betriebswirtschaftlichen und überblicksartigen Perspektive nicht abschrecken lassen! Es finden sich viele interessante Details, die über das übliche Maß einer Studie hinausgehen. Interessant, aber hier nicht weiter besprochen, sind z.B. auch die Ausführungen zu kulturellen Unterschieden im Bereich gesellschaftlichen Engagements (vor allem der Vergleich Deutschland vs. USA) und Hinweise zum Selbstverständnis des Unternehmers (und daraus resultierenden Wording-Problemen mit dem CSR-Begriff).
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Quelle: Pleon & IFOK (2008). Die gesellschaftliche Verantwortung von Unternehmen (CSR) zwischen Markt und Politik. Berlin: Bundesministerium für Arbeit und Soziales.
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Gelesen: Gründungsveranstaltungen und Businessplanwettbewerbe – Impulse für Gründer und Kapitalgeber
Neben Gründungsveranstaltungen unterschiedlichen Formats sollen auch Businessplanwettbewerbe dazu beitragen, dass sich Gründer und potenzielle Kapitalgeber kennenlernen können und füreinander Vertrauen gewinnen. Dies wird gewährleistet, indem bei solchen Wettbewerben variierende Leistungen beiderseitig erbracht werden und insbesondere Gründer einschätzen lernen, welche Erwartungen Kapitalgeber an ein Unternehmenskonzept haben (Schefczyk & Pankotsch, 2009, S. 1–2). Schefczyk und Pankotsch (2009, S. 3) ermitteln allerdings mithilfe eines Samples von 2.000 Gründern, von denen letztlich 493 Befragte in ihre Studie eingehen, dass die Teilnahme an Businessplanwettbewerben allein nicht zu größerem Erfolg bei der Suche nach potenten Kapitalgebern führt. Vielmehr stehe auch bei Businessplanwettbewerben die Möglichkeit zum Herstellen und Pflegen von Kontakten im Vordergrund. Betrachtet man ihre Definition von Businessplanwettbewerben, liegt dieser evozierte Nutzen nahe:
„Ein BPW ist i. d. R. keine Einzelveranstaltung, sondern eine Abfolge verschiedener Veranstaltungen innerhalb eines bestimmten Zeitraumes, der zwischen einem halben und einem ganzen Jahr liegt. Diese Veranstaltungen dienen primär der Präsentation des Wettbewerbskonzeptes selbst als auch, ggf. in mehreren Stufen, der jeweiligen Gewinner. Ergänzend können Veranstaltungen zur Wissensvermittlung (Seminare, Workshops) hinzukommen. Abweichend von diesem Muster sind reine Preisverleihungen, die sich auf eine Prämierungsveranstaltung konzentrieren.“ (ebd., S. 31)
In der Studie nicht erfasst werden leider die wachsenden Bemühungen zur Gründerausbildung oder Entrepreneurship Education in Schulen, weshalb auch keine direkten Bezüge zu business@school hergestellt werden.
Der Vergleich von business@school und „klassischen“ Businessplanwettbewerben ist trotzdem interessant, da gerade die dritte und letzte Phase bei business@school mehrere Elemente derartiger Wettbewerbe beinhaltet. Zentral ist in beiden Fällen die Präsentation der (Geschäfts-)Idee, die – wie in der Werbesprache – oft auch „Pitch“ (ebd., S. 5) genannt wird sowie der Businessplan, der als „wichtiges Kommunikationsinstrument zwischen Gründern und Kapitalgebern“ (ebd., S. 9) gehandelt und zum Teil in Postersessions ausgestellt wird.
Gleichzeitig kann man anhand der Ergebnisse sehen, welchen Stellenwert Gespräche mit anderen Gründern in der Gründungsphase einnehmen – sie gelten für Gründer als wichtigste Informationsquelle (vgl. ebd., S. 16). Auch in dieser Hinsicht ergibt sich eine gewisse Nähe zu business@school, wo die Unternehmensvertreter oftmals eine Vorbildfunktion für die Schülerinnen und Schüler einnehmen – und zwar nicht nur die Betreuer, die sich über ein Jahr für das Schule-Wirtschaft-Projekt engagieren, sondern insbesondere auch die Unternehmerpersönlichkeiten, die jene im Verlauf des Wettbewerbs kennenlernen und in die Ausgestaltung ihrer (Geschäfts-)Idee einspannen.
Interessant ist auch, dass die ersten Businessplanwettbewerbe in Deutschland im Jahr 1997 gegründet werden (vgl. ebd., S. 32) – ein Jahr bevor die Initiative business@school ins Leben gerufen worden ist. Ebenso ist die Integration einer Expertenjury auf beiden Seiten typischer Bestandteil des Wettbewerbs, deren Feedback im Falle von Businessplanwettbewerben differenziert eingeschätzt wird: So werden die Rückmeldungen von Jurymitgliedern auf regionaler Ebene als nicht so wichtig eingestuft; die Rückmeldungen auf überregionaler Ebene an die Gründer hingegen besonders geschätzt (vgl. ebd., S. 66). Auch bei business@school ist die Zunahme der Wertigkeit zu erkennen, da die Jurymitglieder von Stufe zu Stufe prominenter werden.
Fazit: Wer sich (wie ich) von der Studie konkretere Ergebnisse zu Businessplanwettbewerben und ihrer Wirksamkeit in der Schule erhofft hat, wird angesichts der kurz berichteten Ergebnisse enttäuscht sein. Wer sich jedoch einmal ein Bild über das Prozedere bei Gründerwettbewerben machen will und von einer streng betriebswirtschaftlichen Perspektive nicht abgeschreckt ist, dem sei ein Blick in die Studie empfohlen.
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Quelle: Schefczyk, M. & Pankotsch, F. (2009). Gründungsveranstaltungen und Businessplanwettbewerbe – Impulse für Gründer und Kapitalgeber. Endbericht zur Studie. Im Auftrag des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie. Dresden: Analyticum.
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Beitrag in der ZFHE: Gestaltung von Rahmenbedingungen für das forschende Lernen
Es ist schon eine ganze Weile her, dass Hannah und ich angefangen haben, hinsichtlich einer Personal Learning Environment (PLE) für den Augsburger MuK-Studiengang nachzudenken. Ich erinnere mich beispielsweise sehr gut daran, wie lange wir über den Namen diskutiert haben und uns erst sukzessive einem für alle tauglichen nähern konnten. Das „Kind“ heißt inzwischen Forschungswolke und die zentralen Bestandteile haben wir auf der DOSS im März 2010 vorgestellt (die Präsentation ist online verfügbar; der Tagungsband ist noch im Erscheinen). Die PLE befindet sich derzeit im Aufbau und ich hoffe sehr, dass ich sie erstmals in einem meiner Seminare im Wintersemester 2010/2011 einsetzen kann, denn: In der Veranstaltung geht es um Online-Befragungen und da passt eine auf das forschende Lernen ausgerichtete PLE ideal.
Wer nun die Grundidee der Forschungswolke nachvollziehen will, sehen mag, welche Bestandteile sie fest innehat und welche individuell „zuschaltbar“ sind, und wie eine PLE zum Ansatz des forschenden Lernen passt, kann all diese Facetten seit heute in einem Artikel von Hannah und mir nachlesen, der in der Zeitschrift für Hochschulentwicklung (ZFHE) erschienen ist (Fullpaper als Open Access gibt es auch). Überhaupt scheint mir die aktuelle Ausgabe der ZFHE sehr interessant, da sie sich dem Thema „Fachbezogene und fachübergreifende Hochschuldidaktik“ widmet und damit Fragestellungen nähert, die vor einigen Monaten in Dortmund heiß diskutiert wurden. Ich wünsche viel Freude bei der Lektüre.
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Öffentlichkeit: Funktionen, Rollen und Notwendigkeiten
In letzter Zeit finde ich das Thema „Öffentlichkeit“ zunehmend interessant und entdecke immer mehr Artikel, die sich mit der Öffentlichkeit in/von Lern- und Bildungsprozessen auseinandersetzen. Aufschlussreich ist in diesem Zusammenhang z.B. die Publikation von Meisel und Nuissl, die im Jahr 1995 in den Hessischen Blättern für Volksbildung folgende Funktionen, Rollen und Notwendigkeiten von Öffentlichkeit (in Abgrenzung zur Privatheit) im Kontext Weiterbildung ausmachen (vgl. Meisel & Nuissl, 1995, S. 114):
- „Öffentlich“ als Gegensatz zu Verborgenem verlangt Transparenz.
- „Öffentlich“ beinhaltet eine politisch-demokratische Dimension, nämlich Partizipationschancen.
- „Öffentlich“ didaktisch interpretiert heißt nicht nur subjektiv interessante, sondern öffentlich relevante Themen aufzugreifen.
- „Öffentlich“ bedeutet einen öffentlichen Raum zu haben (Zugänglichkeit), in dem ein öffentliches Forum stattfindet (Akzeptanz unterschiedlicher Meinungen).
- „Öffentlich“ ist nicht identisch mit „staatlich“, sondern beinhaltet auch Staatskritik.
Auch wenn Öffentlichkeit und Privatheit mit der technologischen Entwicklung zunehmend verschwimmen, sind die Ausführungen aus meiner Sicht nach wie vor aktuell – vielleicht sogar aktueller denn je, da etwa Fragen der Partizipation seit dem Web 2.0 vermehrt diskutiert werden und Transparenz in den Bemühungen rund um OER eine zentrale Rolle spielt (siehe weiterführend Ehlers, 2009; OECD, 2007).
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Quelle: Meisel, K. & Nuissl, E. (1995). Das „Öffentliche“ in der öffentlich verantworteten Erwachsenenbildung. Hessische Blätter für Volksbildung. 1995(2), 112-118.
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Blick hinter die Kulissen: das #bzw10-Seminar
Zusammen mit Caro und Katha habe ich in diesem Semester ein Seminar durchgeführt, das mit dem Titel „Bilder zur Wissenskommunikation“ (Hashtag bei Twitter: #bzw10) überschrieben war und sich mit der Bedeutung von Wissenskommunikation und -visualisierung im Kontext von Organisationen auseinander gesetzt hat. Im praktischen Teil der Veranstaltung haben wir uns dem Projekt „EduCamp meets GMW“ gewidmet und visuelle Konzepte für dieses Vorhaben ausgedacht. Welches Konzept davon konkret umgesetzt wird, entscheidet sich nächste Woche – daher möchte ich an dieser Stelle nicht zu viel vorwegnehmen. Aus aktuellem Anlass (Wunsch von @herrmeyer ;-)) stelle ich aber gern unseren Seminarinput öffentlich zur Verfügung, der zeigt, welche Themen und Fragestellungen innerhalb der Lehrveranstaltung behandelt wurden.
Informationen zum Kick-off
Input A: Wissen managen (Fokus: Wissenskommunikation)
Input B: Kognition und Wahrnehmung
Input C: Vorstellung Praxispartner
Input D-F: Grundlagen der Gestaltung
Input G: Vermarktung 2.0
Wenn man die Präsentationen rückblickend betrachtet, sieht man, dass wir in dieser Veranstaltung außergewöhnlich viel Input gegeben haben. Das liegt vor allem daran, dass zu diesem Thema kaum Seminare angeboten werden und mit wenig Vorwissen der Teilnehmer zu rechnen war. Gleichzeitig war uns wichtig, viele Perspektiven auf das Seminarthema zu ermöglichen und gleichzeitig eine praktische Umsetzung zu erreichen, die im Übrigen durch ein Photoshop-Tutorial meiner beiden Co-Dozentinnen sehr intensiv begleitet wurde. Die Veranstaltung wurde als Blockseminar organisiert.
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Gelesen: Deutsche Bank Research zu Enterprise 2.0
Deutsche Bank Research hat vor kurzem eine Studie zu Enterprise 2.0 herausgegeben, die aufgreift, ob und wie Unternehmen auf das Web 2.0 reagieren. Ich finde das Thema aus unterschiedlichen Gründen spannend, insbesondere auch deshalb, weil man am Beispiel Web 2.0 eindrücklich zeigen kann, wie sich die Organisationsform von Unternehmen auf ihre Reaktionsfähigkeit auf (offenbare) Innovationen auswirkt und welche Rolle dabei die spezifische Größe der Organisation spielen kann. Gleichzeitig führt die Thematisierung der Lern- und Entwicklungschancen mit und durch das Web 2.0 eine bereits ältere Diskussion zu tage, die Mitte/Ende der 1990er Jahre unter dem Begriff Informations- und Wissensmanagement geführt wurde und dessen Aktualität so nochmals unterstrichen wird, auch wenn alte Begriffe inzwischen abgelöst oder durch andere Begriffe/Konzepte ersetzt werden (für einen tieferen Eindruck zur Geschichte des Wissensmanagements lohnt sich auch ein Blick in einen Überblicksartikel von Gabi und Heinz Mandl).
Die aktuelle Studie von Deutsche Bank Research ist nun deshalb hilfreich, weil sie in wenigen Worten und praxistauglich zusammenfasst, was das Web 2.0 im Kontext von Unternehmen leisten kann und wo potenzielle Grenzen des Einsatzes liegen. Auch wird differenziert aufgegriffen, unter welchen Bedingungen man von Enterprise 2.0 sprechen muss – nämlich immer dann, wenn die Verwendung von Social Media einen direkten Einfluss auf die Geschäftstätigkeit hat. Richtig finde ich in diesem Zusammenhang auch, IKT- und Medienunternehmen aus der Betrachtung des Status quo von Enterprise 2.0 herauszunehmen, da man hier – beschleunigt durch das Internet – zu ganz neuen Geschäftsmodellen kommt. Die Relevanz von Web 2.0 für Unternehmen wird – mit Blick auf traditionelle Unternehmen – auf wenige Kernpunkte reduziert, die ich durch die theoretische Beschäftigung mit dem Thema und durch ein paar eigene Expertisen für die Web 2.0-Nutzung im organisationalen Kontext durchaus unterstreichen kann:
- Das Web 2.0 ermöglichst prinzipiell die Ansprache einer jungen Zielgruppe als Kunden oder als Ergänzung traditionellen Recruitings.
- Durch das Aufwachsen mit dem Internet sind Kohorteneffekte zu erwarten, sprich auf Kurz oder Lang werden Social Media in allen relevanten Kerngruppen von Unternehmen genutzt. Aktuelle Mediennutzungsstudien unterstreichen diesen Verlauf.
- Videoportale und (digitale) soziale Netzwerke entfalten eher Breitenwirkung ggü. anderen beliebten Werkzeugen; dennoch ist die Wirkung kleiner Communities nicht zu unterschätzen (im Sinne von Meinungsführerschaft).
- Social Media eignet sich zur Schaffung von Vertrauen im Sine von Customer Relationship Management (CRM).
Während die oben genannten Vorteile vor allem eine externe Wirkung haben, wird in der Studie auch angeführt, dass Social Media eine Binnenwirkung innerhalb von Unternehmen besitzen können und hierzu teils andere Werkzeuge im Einsatz sind (z.B. Wikis). Die Unterscheidung finde ich insofern wichtig, als dass man bei Social Media derzeit vor allem den externen Effekt im Sinne des Marketings betrachtet. Gleich bedeutsam könnte aber die Wirkung von Social Media nach innen sein, um ein altes Problem (Informations- und Wissensfluss im Unternehmen) besser bewältigen zu können. Falls man also den Nutzen von Social Media betrachtet, sollten immer beide Wirkbereiche betrachtet und in möglichen Evaluationen getrennt erfasst werden. Denn bis auf wenige Projekte oder Themenstellungen (z.B. Corporate Social Responsibility (CSR)) sehe ich in den meist hierarchisch organisierten Unternehmen und den daraus folgenden „Logiken“ wenige Möglichkeiten, eine Verkaufsperspektive und die Perspektive von Personalentwicklung und Lernen zugunsten einer abteilungsübergreifenden Social Media-Strategie zusammenzuführen. Vielleicht ist das aber nur ein Problem der (unternehmensinternen) Priorisierung.
Fazit. Alles in allem also eine lesenswerte Studie, die sich vor allem auch für Praktiker eignet, um einen Einblick in die Dynamiken des Web 2.0 zu erhalten. In der Studie fehlen allerdings bis auf wenige Ankerpunkte gute (oder auch schlechte) Beispiele für den Einsatz von Social Media. Das ist etwas schade, da man sich in der Praxis gern an bereits gelungenen Umsetzungen orientiert.
PS: Jochen Robes hat auf seinem Blog seine Eindrücke zur Studie auch kurz zusammengefasst.
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Von studentischen Einreichungen und Review-Verfahren
Vor ein paar Tagen endete er nun, der 2. w.e.b.Square-Call, und, was soll ich sagen: Trotz vieler Abrufe war die Resonanz verhalten. Wir sind auf der Suche nach Gründen, warum dieses Mal die bloße Zahl der Einreichungen im einstelligen Bereich geblieben ist; ein wesentlicher Grund, der auch von unseren Studierenden gespiegelt wurde, war der Zeitpunkt: Durch die Häufung von Prüfungen am Ende der Vorlesungszeit war es offenbar für viele Studierende schwierig, zusätzlich zu den anstehenden Arbeiten einen Text für unsere Online-Zeitschrift zu verfassen. Umgekehrt gibt es wohl nie den richtigen Termin, wie man auch schon an Diskussionen über die w.e.b.Square-Tagung sehen konnte. Von daher muss es andere Gründe geben. Lag es an der inhaltlichen Ausrichtung des Calls? Auch hier würde ich meinen: Nein. Aus persönlichen Gesprächen mit Studierenden weiß ich, dass sie der Einsatz digitaler Medien in der Lehre extrem bewegt – und zwar immer dann, wenn Prüfungen an ihren Einsatz geknüpft werden. Fast jeder MuK-Studierende hat also eine Position zum Thema des Calls und diese sind untereinander durchaus kontrovers. Genau diese Bitte um eine Position könnte es nun sein, die eine Einreichung erschwert hat: Als Studierender lernt man das wissenschaftliche Schreiben, aber nur selten, wie man ein Papier mit einer (begründeten) Meinung verfasst. So bin ich froh, dass wir durch persönliche Ansprache den einen oder anderen Studierenden noch zur Abgabe eines Textes überzeugen konnten und die nächste w.e.b.Square-Ausgabe somit doch wieder „rund“ wird.
Noch kann ich nicht sagen, was die genauen Titel der Texte sind – sie befinden sich gerade im studentischen Review, das (wie gewohnt) der Einreichung angeschlossen wird. Die Studierenden, die das Review übernehmen, kommen in der Regel aus der w.e.b.Square-Redaktion und werden bei Bedarf um andere Gutachter „aufgestockt“. Letzteres ist immer dann der Fall, wenn eine spezifische Expertise benötigt wird, die in der w.e.b.Square-Redaktion nicht vorhanden ist. Der Vorteil an dieser Verteilung der Gutachten ist, dass ein Teil der Gutachter bereits geübt darin ist, ein Gutachten zu verfassen. Selbst wenn es bei uns (wie bei anderen Zeitschriften im wissenschaftlichen Bereich) klare Kriterien zur Beurteilung von Texten gibt, fällt es den Studierenden nämlich eher schwer, ihre Meinung zu einem Artikel zu explizieren. So bin ich als Projektleiterin ganz froh, wenn ich von Call zu Call nur manchen Gutachtern den Prozess der Begutachtung erklären muss und sich die Studierenden oft auch gegenseitig helfen können. Schließlich ist es nicht unbedingt trivial, einen Text zu beurteilen und das eigene Urteil in Worte zu fassen. Wir haben uns daher schon letztes Jahr für ein offenes Review-Verfahren entschieden, sodass sich Autoren und Gutachter kennen und austauschen können. Dies gehört ja zu den zentralen Prinzipien von w.e.b.Square und ist, wie ich es in einem Gastbeitrag für 360 Grad feststellen durfte, auch bei anderen studentischen Publikationsorganen üblich. Was wir derzeit nicht machen, ist, den Reviewprozess komplett öffentlich abzubilden. Viele Studierende, die erst am Anfang des wissenschaftlichen Arbeitens stehen, hätten hierzu eine zu große Scheu und ich bin der Meinung, diesen Wunsch auf ein in diesem Sinne halb-öffentliches Verfahren muss man akzeptieren. Das heißt ja nicht, dass das Reviewverfahren deshalb intransparent oder unfair wäre – im Gegenteil: Jeder Autor bekommt, falls es nötig ist, ein Einzelcoaching bis zur Veröffentlichung seiner Arbeit bei w.e.b.Square.
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Twitter in der Hochschule
Vor vielen Wochen wurde ich zum Einsatz von Twitter in der Lehre befragt. Inzwischen ist das Video im Common Craft-Stil fertig… viel Spaß damit :-)
Mehr zum Thema findet Ihr übrigens auf den Wiki-Seiten des Medienzoos – einem sehr interessanten Masterseminar von Ulf.
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Tag der Abschlusspräsentation oder: morgen zählt’s!
Dass Studierende an der Öffnung von Seminaren und durch die Orientierung an „echten“ Problemen Spaß an Lehrveranstaltungen entwickeln können, habe ich an anderer Stelle ausführlicher beschrieben. Außerdem ist diese Erkenntnis nicht gerade neu, denn der Aspekt der Öffnung steht im Zentrum der meisten Bemühungen zum Lernkulturwandel und zur Hochschulentwicklung. Trotzdem macht es als Lehrende immer wieder große Freude zu sehen, wenn sich problemorientierte Konzepte innerhalb eines Semesters bewähren und in Teilen auch verselbstständigen. So bin ich einmal mehr begeistert von den Ideen und Konzepten, die dieses Halbjahr im Rahmen von Lehrveranstaltungen entwickelt worden sind.
Morgen stehen nun die Abschlusspräsentationen in meinen beiden neu konzipierten Seminaren an. In der einen Veranstaltung geht es um Social Networks und ihre Wirksamkeit in der Online- und Offline-Welt; in der anderen Veranstaltung steht das Thema Wissenskommunikation im Zentrum und vertieft das Grundlagenseminar Wissensmanagement im MuK-Studiengang (beide Seminare hatte ich im Blog bereits kurz skizziert). Im erstgenannten Seminar ist die Landesarbeitsgemeinschaft Bayerischer Familienbildungsstätten e.V. der Partner, sodass sich morgen Früh mein gesamtes Seminar auf den Weg nach München macht, um die Social Media-Konzepte vor ca. 12 Externen zu präsentieren. Auf diese Vorstellung bin ich höchst gespannt, da digitale soziale Netzwerke innerhalb der Organisation bisher keine Rolle spielen, aber dennoch eine gewisse Offenheit gegenüber neuen, aus einer medienaffinen Zielgruppe generierten Ideen besteht. Um ein Grounding zu schaffen, werde ich selbst einen kurzen Input zum Medienwandel und den damit verbundenen Konsequenzen für die Öffentlichkeitsarbeit von Non-Profit-Organisationen geben. Danach stellen die sechs Seminargruppen ihre Konzepte vor und laden zur Diskussion ein. Im Anschluss an die Veranstaltung am Vormittag eile ich nach Augsburg, um der zweiten Abschlusspräsentation beizuwohnen. Hier geht es um das Projekt „EduCamp meets GMW“, für das Studierende unseres Seminars insgesamt fünf visuelle Konzepte entwickelt haben. Einige der Jurymitglieder werden vor Ort anwesend sein, andere schalten wir virtuell zu. Insofern bleibt vor allem zu hoffen, dass wir die Veranstaltung technisch gut auf die Beine stellen werden, damit alle Experten gleichermaßen beteiligt werden und schließlich zu Wort kommen können.
Alles in allem hoffe ich auch, dass sich die um eine Woche vorgezogenen Termine nicht negativ auf den Grad der Ausarbeitung der Ideen und Konzepte ausgewirkt haben. Leider musste ich nämlich aufgrund der Bewerbungsvorträge zur (Wieder-)Besetzung der Professur für Mediendidaktik die Abschlusspräsentationen für beide Lehrveranstaltungen um eine Woche nach vorn verlegen. Eine solche Verschiebung ist immer etwas unglücklich, da ein Seminar detailliert geplant worden ist und eine Woche weniger Zeit diesen Plan für die Studierenden etwas durcheinander bringt. Zudem hängen durch die Öffnung des Seminars auch Kooperationspartner an der Veranstaltung, sodass Terminkollisionen mitunter nicht einfach zu beheben sind. Allerdings stimmt mich der Stand der studentischen Arbeiten, wie ich ihn bisher kenne, positiv, dass die Verschiebung keinerlei Einfluss auf die Qualität der Konzepte und Ideen genommen hat. Folglich freue ich mich auf einen spannenden Tag morgen, der gespickt ist mit Höhepunkten, wenn man das aus der Lehrendenperspektive so sagen kann und will.
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Reform der Reform
Gerade komme ich vom Forum der Lehre der TU München, das in diesem Jahr mit dem Titel „Reform der Reform“ überschrieben war. Zum Thema eingeladen war Dr. Peter Wex, der 30 Jahre lang als Jurist im Hochschulkontext tätig war, wie er mir im persönlichen Gespräch sagte, bevor er sich nochmals neu orientiert und die Arbeitsstelle für Bildungsrecht und Hochschulentwicklung an der FU Berlin gegründet hat. Seitdem beschäftigt er sich schwerpunktmäßig mit der Bologna-Reform und blickt ein Stück weit hinter die zahlreichen Dokumente und politisch-systemischen Zusammenhänge, die sich seit der „wohl größten Bildungsreform seit Humboldt“ ergeben haben.
In seinem Vortrag in den sehr schönen Räumlichkeiten der Carl-Friedrich-von-Siemens-Stiftung hat er vor allem die Reformierungen seit den Bildungsstreiks 2009 beleuchtet, die bottom-up die „Reform der Reform“ eingeleitet haben dürften. In seinem mit vielen amüsanten Untertönen gespickten Vortrag hat Wex dann drei Aspekte der Bologna-Reform besonders herausgehoben: (1) die Prüfungsleistungen, (2) die Regelstudienzeit und (3) die Studierbarkeit. Sie alle stünden bei Bologna im Kern und seien auch Dreh- und Angelpunkt der Neuorientierung der Hochschulreform, die durch die Vorgaben von HRK/KMK angeregt wurden.
Der Vortrag über die drei Punkte war dabei für mich nicht neu, sodass ich den Kern jedes Punkts an dieser Stelle nicht wiederholen will. Überraschend war vielmehr, dass Steilvorlagen für alternative Assessment-Verfahren und für E-Learning vom Publikum nicht einmal im Ansatz aufgegriffen wurden. Vielmehr stand die „Workload-Illusion“ im Zentrum der anschließenden Diskussion, also wie sich der Workload über das Semester bzw. ein Studienjahr verteilt und dass man bestimmte Leistungen von Studierenden durchaus einfordern kann. Aus meiner Sicht wurde Wex hier falsch verstanden, denn seine Rechnung, wonach Studierende im Studienjahr 1.800 Stunden für ihr Studium aufbringen müssten (60 Leistungspunkte à 30 Stunden), ist formal richtig und spricht etwas an, was ich auch beobachte: In vielen Bachelor- und Masterstudiengängen werden die meisten Prüfungsleistungen innerhalb der Vorlesungszeit erbracht. Allein die eine oder andere Hausarbeit kann erst später abgegeben werden. Dies führt dazu, dass Workloads zu großen Teilen in weitaus weniger Zeit erfüllt werden müssen, als dies formale Rechnungen über ein Jahr verteilt vorsehen. Konsequenz ist: Die Studierenden sind gestresst angesichts des Pensums, das sie zu leisten haben.
Über alternative Assessment-Formen, die diese Überforderung abmildern könnten und etwa den Lernprozess in die Bewertung einbeziehen, wird dagegen nur selten diskutiert; auch E-Learning als Möglichkeit, Selbststudium und Gruppenlernen zu unterstützen, wird im Prinzip nicht mitgedacht – was daran liegen mag, dass man auf diese Weise auch Präsenzlehre grundsätzlich „anders als sonst“ aufziehen müsste. Dies ist aus meiner Sicht der nach wie vor präsenten instruktionsorientieren Einstellung der meisten Lehrenden zu schulden. Insofern bin ich etwas ernüchtert aus dem Vortrag gegangen, der mit dem Aufstand des (Studierenden-) Volks und seiner Wirksamkeit an sich so gut begonnen hatte.
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Gelesen: Leitlinien für die Weiterentwicklung des Bologna-Prozesses
Seit dem 7. Juni 2010 gibt es für das Land Bayern Leitlinien für die Weiterentwicklung des Bologna-Prozesses. Solche Leitlinien, die von der Politik herausgegeben werden, sind in der Regel gestaltungsleitend und insofern wichtig, aber inhaltlich doch so vage, dass viele Aspekte für die Implementierung oder Weiterentwicklung von Studiengängen offen bleiben. Auf der einen Seite ist das gut, weil sich Gestaltungsspielräume für die einzelne Hochschule ergeben, auf der anderen Seite tun sich so von Beginn an Lücken auf, die man später mühevoll mit Qualitätssicherungsprozessen kitten will/muss. Interessant finde ich den diesjährigen Leitfaden trotzdem und zwar aus einem ganz anderen Grund: An ihrer Entwicklung waren dieses Mal eine Reihe an Personen beteiligt und unter ihnen auch Studierendenvertreter. Es gibt zwar einen regelmäßigen Austausch zwischen dem bayerischen Wissenschaftsministerium und der Landesastenkonferenz, soweit ich das aus meiner StuRa-Zeit weiß, aber dass ein Dokument mit dem Titel „Leitlinien“ daraus resultiert, ist doch selten und vermutlich eine Konsequenz der bundesweiten Bildungsstreiks seit 2009. Eine schöne Entwicklung, wie ich finde. Auch inhaltlich nimmt die Mitwirkung von Studierenden zur Verbesserung der Studienbedingungen in Zeiten von Bologna einen gewichtigen Stellenwert ein. Darüber hinaus sollen Studierende künftig auf allen Ebenen (Lehrveranstaltung, Studiengang, Hochschule als Ganzes) mehr „Stimme“ erhalten. Insofern kommt der Qualitätssicherung und -verbesserung anhand von Evaluationen ein hoher Stellenwert zu (Vorschläge zur Bewältigung der Ressourcenengpässe werden allerdings nicht unterbreitet ;-)).
Darüber hinaus wird nochmals formuliert, wie man Kompetenzorientierung innerhalb von Studiengängen erreichen und damit eine zentrale Forderung von Bologna 1999 umsetzen kann. Die Entwicklung von Problemlösefähigkeiten nimmt darin einen besonderen Stellenwert ein, was die Relevanz von Lösungen wie unserem Begleitstudium Problemlösekompetenz und dessen Verstetigung betont. Wichtig finde ich auch den Hinweis, dass die Kompetenzorientierung stets den Qualifikationsebenen des Studiengangs entsprechen soll. Hier wird allerdings nur zwischen Bachelor und Master unterschieden, nicht zwischen den Studienphasen, in denen sich die Studierenden innerhalb eines Studiengangs befinden. Was allerdings Erwähnung findet, sind die Prüfungsformen: nicht die „bloße“ Zahl, aber immerhin die Eignung der Prüfungsformen im Hinblick auf das zu erreichende Lern- und Kompetenzziel.
Mir persönlich sind noch die Anwesenheitspflichten ins Auge gefallen, da wir öfters darüber diskutieren, wie viel Präsenz man von Studierenden verlangen kann und ob man ihre Anwesenheit vor Ort überprüft. Immerhin seien es erwachsene Menschen, die selbst über Präsenz oder Abwesenheit entscheiden könnten. Ich bin daher mit der Formulierung in den Leitlinien ganz glücklich, wo es heißt: „Anwesenheitspflichten prüfen und auf notwendige Fälle reduzieren“ (S. 7). Das gibt uns ein Stück weit recht, an wichtigen Veranstaltungstagen Anwesenheit vorauszusetzen und dies auch zu kontrollieren; gleichzeitig gibt es Spielräume für das Fehlen, was ja nicht zwingend Schwänzen bedeuten muss. Oftmals überschneiden sich Termine an der Hochschule selbst, da diese kaum untereinander koordiniert werden.
Alles in allem lohnt sich also ein Blick in das Papier – es ist nicht allzu lang und zeigt, wie sich die Bologna-Reform inzwischen selbst reformiert.
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Virtuelle Kollaboration als neuer Trend?
Langsam, aber sicher beschleicht mich das Gefühl, dass virtuelle Kooperation und Kollaboration auch im Kontext Hochschule ankommt. Erst wird das (Buch-)Projekt L3T, bei dem Sandra und Martin für das gemeinsame Schreiben von Artikeln im Bereich E-Learning geworben haben, von einer großen Gruppe an Wissenschaftlern befürwortet und nun noch die Prozesse der virtuellen Zusammenarbeit ob ihrer Aktualität von Karin (und mir) begleitet. Ein paar Tage später lese ich auf Twitter von Caro und Thu, dass sie Erfahrungen von Lehrenden zum Web 2.0-Einsatz sammeln – und zwar unkonventionell auf ihrem Blog. Sie verfolgen wie bei L3T das Ziel, die Ergebnisse zu publizieren (in der Online-Zeitschrift MedienPädagogik) und nutzen ihren Blog als digitales Forschungswerkzeug, um ein erstes Stimmungsbild aus der E-Learning-Community einzuholen. Außerdem schreiben sie öffentlich, sodass der Entstehungsprozess des Artikels sichtbar bzw. kommentier- (und damit veränder-)bar ist. Ich selbst bemerke auch, dass ich mehr als noch vor ein paar Jahren auf die virtuelle Kooperation unterschiedlicher Partner setze. Die Kooperationsszenarien werden dabei immer komplexer und verknüpfen meist reale mit virtueller Kooperation. So kommt es auch, dass ich (zusammen mit weiteren) im kommenden Wintersemester erstmals ein uniübergreifendes Seminar anbieten werde. Ohne digitale Werkzeuge, die Kooperation und letztlich auch Kollaboration als besonders intensive „Form“ von Zusammenarbeit erleichtern, wäre diese Öffnung von Lehr-Lernprozessen allerdings nicht möglich. Insofern finde ich auf sehr unterschiedlichen Ebenen spannend, wie der Kooperation allseits (d.h. in Forschung und Lehre) ein immer größerer Stellenwert beigemessen wird und wie sich Zusammenarbeit durch den Medieneinsatz nochmals immens verändern kann.
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Ein Blick in die Karten: Bewertungskriterien von Studierendenblogs
Heute mache ich etwas, was ich an sich nicht tue – zumindest nicht öffentlich ;-)
Auf Wunsch von @lisarosa, @akpe, @ralfa, @mediendidaktik und einigen mehr versuche ich heute meine Bewertungskriterien von Blogbeiträgen der Studierenden offen zu legen. Dabei beziehe ich mich im Wesentlichen auf das w.e.b.Square-Seminar im vergangenen Wintersemester, das ich zusammen mit Marianne und Tamara durchgeführt habe und als Projektseminar durchgeführt wurde mit dem Ziel, die (damals) 3. w.e.b.Square-Tagung zu organisieren. Das Seminar hat mehrere Präsenztermine, findet allerdings nicht wöchentlich statt, da die Studierenden in den virtuellen Phasen meist Arbeitsaufträge erledigen. Darüber hinaus gibt es Aufgaben, die eher einzelne Personen betreffen, die sich auf ganze Gruppen beziehen oder die jeder im Seminar bewältigen kann. Es gibt sodann mehrere Arbeitspakete, um das komplexe Produkt „Tagung“ zu erstellen und gleichzeitig unterschiedliche Lernangebote zu machen. Die Tagung selbst ist und bleibt ein Gemeinschaftsprodukt – sie sorgt für Aufregung im Vorfeld und für Stolz, wenn die Studierenden sehen, dass sie es geschafft haben. All diese Phasen im Seminar begleitet der w.e.b.Square-Blog, der jeweils zum Seminar/zur Tagung aktiviert wird. Da das Seminar für Bachelor-Studierende gedacht ist, gibt es (im Vergleich zu anderen Veranstaltungen, wo ich auch Blogs einsetze) recht klare Instruktionen, die in der Kick-off-Sitzung auch nochmals mündlich erläutert wurden (und werden):
Zunächst verfolgt der w.e.b.Square-Blog folgende inhaltlichen Ziele:
- Prozessorientierte Reflexion der Entstehung eines Artikels, der Videodokumentation sowie der Organisation der Tagung
- Reflexion der (Präsenz-) Seminarsitzungen
- Aufzeigen von Problemen
- Einbezug emotional-motivationaler Komponenten
- Einbezug sozialer Komponenten
Weiterführende Informationen und technische Hinweise zum Erstellen eines Blogpost erhalten die Studierenden in einem gesonderten Dokument, das jeweils im Digicampus hinterlegt wird. Um Einblicke in das „volle“ Paket zu erhalten, könnt Ihr Euch das Handbuch ab sofort auf der imb-Website downloaden. Abschließend werden zwei Aspekte thematisiert, die mit Kommentieren und Think, before you post überschrieben sind. Beim ersten Aspekt geht es darum, dass die Studierenden nicht nur ihre Blogbeiträge „abliefern“, sondern auch beachten, was die anderen Gruppen schreiben bzw. erarbeiten. Schließlich ist der Blogeinsatz kein Selbstzweck, sondern soll die Interaktion außerhalb von festen Seminarzeiten ankurbeln. Beim zweiten Aspekt geht es darum, dass die Studierenden sich bewusst werden, dass sie beim w.e.b.Square-Blog öffentlich agieren. In der Regel zeige ich das Video, das mit selbigem Titel überschrieben ist, damit sie sich nochmals über mögliche Konsequenzen des öffentlichen Schreibens bewusst werden. Denn eins ist klar: Auch wenn die Studierenden „irgendwas mit Medien“ studieren, haben sie meist keine oder nur rudimentäre Erfahrung mit dem öffentlichen Schreiben mithilfe digitaler Werkzeuge.
Nach Ablauf des Semesters – Tagung und Lehrveranstaltung sind vorbei – werden die Blogbeiträge für die Benotung herangezogen. Um eins vorweg zu schicken: Die Bewertung von Blogs ist massiv schwer und kann wohl nie losgelöst vom spezifischen Kontext erfolgen. Als Dozentin kann man das Geschriebene rasch in Bezug zum realen Seminargeschehen setzen und ein Stück weit auch „zwischen den Zeilen“ lesen. Das sollte man immer beachten, wenn es um Bewertungskriterien für Blogs geht – sie sind sicher nur in Teilen auf andere Kontexte übertragbar. Dazu kann es sein, dass sie sich im Verlauf des Semesters verändern – wenn das Bloggen nicht so funktioniert, wie man sich es „auf dem Papier“ vorgestellt hat, oder Teilaspekte im Verlauf der Veranstaltung plötzlich wichtiger werden und den Studierenden dies bekannt ist. In der genannten w.e.b.Square-Veranstaltung haben wir dann schlussendlich folgende Kriterien zugrunde gelegt:
Die jeweils fett markierten Bereiche deuten an, dass hier im Verlauf der Veranstaltung am meisten Wert gelegt wurde. Der grau markierte Bereich ist ein Spezifikum bei w.e.b.Square, bei dem es darum geht, ob die Seminarteilnehmer die zentralen Such- (und Finde-)Strategien bei w.e.b.Square verstanden haben. Die Kriterien können jeweils voll erfüllt bis hin zu gar nicht erfüllt werden, wobei im beschriebenen Fall bei der Interaktion der Studierenden untereinander die größte Schwierigkeit bestand. In diesem Punkt werden wir für den nächsten Durchlauf der Veranstaltung nachbessern und noch expliziter auf die Bedeutung der Kollaboration eingehen. Zu dem neuen Konzept dann bei Zeiten mehr ;-)
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Ab ins Internetkaffee!
Zugegeben, ein Internetcafé ist schon etwas old-school, wenn man sich überlegt, dass das iPhone bald (heute?) in die vierte Runde geht und sich auch sonst jede Menge internetfähige, mobile Endgeräte um uns herum befinden. Trotzdem hat ein Internetcafé was Schönes; gerade die Geschichten, die sich dort auftun, sind spannend und manchmal auch zum Schreien. Nun haben sich auch Julia und Martin das Internetcafé ausgesucht, um „laut“ über den KaffeePod nachzudenken – sicher aus anderen Gründen, denn ihr „Internetkaffee“ ist ein Weblog, der über das Web zugänglich ist. Was die beiden vorhaben und warum es den Blog Internetkaffee neuerdings gibt, hat Tamara schon berichtet und ich will mich daher hier kurz fassen. Was ich aber spannend finde, ist die halb-externe Brille, mit der die beiden Augsburger Studierenden auf den KaffeePod gucken. Selbst wenn wir als KaffeePod-Team einigermaßen reflektiert sind, gibt es doch viele Aspekte, die sich bei der Medienproduktion schnell einschleifen und, einmal gelungen, nicht weiter hinterfragt werden. Da das narrative Element im KaffeePod so zentral ist, bin ich froh, dass Julia und Martin genauer hinschauen, inwiefern man die Geschichten weiter verbessern kann. Und das ist eine große Herausforderung, denn: Der informierende Charakter des KaffeePod soll auf keinen Fall verloren gehen.
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Einzelleistungen vs. Gruppenleistungen
Inzwischen lehre ich schon im siebten Semester, wenn man das so sagen will, und die meisten Dinge, die in direktem Zusammenhang mit der Lehre stehen, gehen mir gut von der Hand. Da ich prinzipiell problemorientierte Lehrveranstaltungen anbiete, gelange ich aber immer wieder an einen herausfordernden Punkt, nämlich der Bewertung von (Gruppen-)Leistungen. Lässt man Referate einzeln halten oder Hausarbeiten allein schreiben, wird man sich nie mit diesem Aspekt auseinandersetzen müssen – Feedback und auch Noten sind eindeutig zu vergeben. Lässt man hingegen aus Prinzip in der Gruppe arbeiten, kommt man manchmal an den Punkt, wo die Einzelleistungen völlig anders ausfallen, als dies eine Gruppen- und damit Gesamtnote spiegeln kann. Ich tue mich sehr schwer damit, die Gruppenleistungen in Teilleistungen aufzudröseln – es passt an sich auch nicht gut in problemorientierte Lehr-Lernkonzepte, da die unterschiedliche Bewertung störend wirken kann (z.B. Neid oder Unmut hervorruft); außerdem wird es zu Beginn anders gegenüber den Seminarteilnehmern kommuniziert und die Gruppen arbeiten in der Regel arbeitsteilig. Umgekehrt kann und will ich nicht unbeachtet lassen, wenn Leistungen extrem differieren – auch dies würde für ein ungutes Klima in der Gruppe sorgen und den weiteren Seminarprozess stark belasten. Ich habe mich daher in besagtem siebten Semester erstmals dazu entschlossen, in einem Fall von den Gruppennoten abzuweichen und einzelne Noten für die Referenten zu vergeben. Noch weiß ich nicht, wie die Gruppe darauf reagiert, da sich der Versand des Feedbacks verzögert (der Digicampus ist wegen Wartungsarbeiten offline). Dennoch hoffe ich darauf, dass die betreffende Gruppe ihre Bewertung nachvollziehbar findet und sich so im Gesamten gerecht behandelt fühlt. Auch wenn man als Lehrende natürlich nie bis ins Letzte transparent und fair sein kann, ist es mir doch wichtig, entsprechende Entscheidungen, die auch Einfluss auf die Note haben, allen Gruppenmitgliedern gegenüber offenzulegen und (im Bedarfsfall) der Gruppe das Gespräch anzubieten.
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„Praxis als eigenständiges Lernfeld begreifen“
Seit einer ganzen Weile wollte ich schon auf einen Themenschwerpunkt hinweisen, den das Bundesinstitut für Berufsbildung (BiBB) in der BWP-Ausgabe 2/2010 anbietet. Dieser nennt sich „Bachelor und Berufsbildung“ und beinhaltet, wie man es sich bereits denken kann, aktuelle Überlegungen zur Bologna-Reform. Leider sind die aktuellen Hefte kostenpflichtig, sodass ich bisher nur auf Ausführungen von Fritz Böhle verweisen kann, die er uns (d.h. den Mitgliedern des Netzwerks Ökonomie & Bildung e.V.) dankenswerterweise zur Verfügung gestellt hat. In seinem Aufriss des Themenfelds fragt er: „Kann die höhere Bildung von der beruflichen Bildung lernen?“ Da ich selbst eine Berufsausbildung absolviert habe (Industriekauffrau), finde ich diese Frage naturgemäß sehr spannend und halte sie angesichts des typischen Vorwurfs an die Bologna-Reformen, eine Ausbildungsgesellschaft zu produzieren (siehe dazu auch ein etwas älteres Essay von Preisendörfer), für durchaus aktuell.
Nun versucht Böhle in seinen Überlegungen die Brücke zu schlagen zwischen dem, wie man in der (dualen) Ausbildung lernt und dem, was Ziel eines universitären Studiums sein soll. Eingangs betont er dabei, dass „[d]ie Forderung nach mehr Anwendungsbezug höherer Bildung beispielsweise im Rahmen der Umstellung auf Bachelorstudiengänge [...] nicht schlicht dadurch einlösbar [ist], dass allgemeines, wissenschaftlich begründetes Wissen auf bestimmte Anwendungsbereiche hin konkretisiert und spezifiziert wird“ (ebd., S. 6). Im Gegenteil: Vielmehr sei es wichtig, wissenschaftlich begründbares Wissen um solches Wissen zu ergänzen, was zur Re-Kontextualisierung von Fachwissen befähige und über Disziplinenwissen hinausgehe.
Diesem Kontext- oder auch Handlungswissen wird in der beruflichen Bildung seit längerer Zeit hohe Bedeutung zugemessen (z.B. im Rahmen der Kompetenzdebatte), sodass sich der Seitenblick der höheren (akademischen) Bildung auf die Berufsbildung durchaus lohnt und sich für die höhere Bildung ergibt: „An die Stelle einer immer stärker anwendungsorientierten Ausrichtung höherer Bildung müsste das Schwergewicht eher auf einer Ergänzung durch die Konfrontation mit konkreten Problemstellungen in der Praxis liegen.“ (ebd., S. 7) Um auch für den Wissenschaftsbetrieb entsprechende Relevanz zu erreichen, komme dem Prozess der Objektivierung und der Reflexion eine entsprechend hohe Rolle zu.
Nimmt an diese Überlegungen zum Ausgang, ist es nicht weiter verwunderlich, dass dem Erfahrung-Machen innerhalb und außerhalb der Institution Hochschule ein höherer Stellenwert beigemessen wird. Interessant und insofern anders als in gängigen Publikationen zum Kompetenzerwerb in Bachelorstudiengängen ist allerdings der Schluss, der hieraus gezogen wird: Nach Ansicht von Böhle geht es nicht darum, universitäre Lehre praxisorientierter zu gestalten. Vielmehr fordert er ein, „die“ Praxis als eigenständiges Lernfeld zu begreifen, um das erfahrungsgeleitete Lernen an der Hochschule zu fördern und gleichzeitig die Kernmerkmale von Hochschule beizubehalten, denn: „Der von Unternehmen und Politik geäußerte Wunsch, durch das Studium dem Arbeitsmarkt möglichst passgenau berufliche Qualifikation zur Verfügung zu stellen, ist im Rahmen des Lern- und Bildungsorts Hochschule nicht möglich und verkennt zugleich dessen zentrale Aufgabe und Möglichkeit: die Vermittlung wissenschaftlich fundierten Wissens sowie die Entwicklung von Reflexionsfähigkeit und der Fähigkeit zu wissenschaftlich orientierter Analyse.“ (ebd., S. 9)
Wer sich intensiv mit den Reformen von Bologna auseinandersetzt, dem sei die Lektüre des gesamten Artikels empfohlen; die Ausführungen sind mitunter komplex, aber dennoch sehr gut nachvollziehbar. Natürlich könnte man jetzt neue „Fässer“ aufmachen, nämlich z.B. die Frage stellen, ob die duale Ausbildung tatsächlich ein System mit Vorbildcharakter sei. Dieses Fass möchte ich aber nicht aufmachen – nur so viel sei gesagt: Das duale System funktioniert prinzipiell gut und aus meiner Sicht müsste man – im Falle der Übertragung der zentralen Prinzipien auf die Hochschule – vor allem eine gute Anbindung beider Kontexte (Theorie/Praxis) gewährleisten. Hierzu wäre die Hochschule mit den ihr innewohnenden Akteuren prinzipiell in der Lage, dennoch müsste auf Seiten der Lehrenden (wie auch auf Seiten der Studierenden) wohl einiges an Umdenken stattfinden. Denn Konflikte um das Verhältnis von Theorie und Praxis an der Hochschule sind ja nicht gerade neu oder erst mit Bologna auf den Tisch gekommen.
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Böhle, F. (2010). Kann die höhere Bildung von der beruflichen Bildung lernen? Die Verbindung von institutionalisiertem Lernen und praktischen Tun eröffnet neue Lernfelder und -orte. BWP, 2010 (2), 6-9.
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„Bologna nicht nur langweiliges Strukturmonster“
Am vergangenen Mittwoch war ich zusammen mit Hannah bei einer hochschuldidaktischen Tagung in Bielefeld, die neben Spezialfragen zu Gesundheitstudiengängen und -berufen auch einen allgemeinen Teil zu Herausforderungen der Bologna-Reform und Überlegungen zum forschenden Lernen beinhaltete. Wir selbst haben (auf Einladung) einen Workshop zu Anforderungen an E-Learning gehalten, der ein paar Basics vermitteln und in einem Anforderungskatalog münden sollte.
Besonders aufschlussreich fand ich die einführenden Ausführungen von Dr. Peter Zervakis, der in seiner Keynote eine Zwischenbilanz der Umsetzungsfortschritte der Bologna-Reform aus Sicht der HRK, für die er tätig ist, zog. Ganz generell gesprochen, sieht Zervakis 2010 als Durchgangsstation zu einem gemeinsamen europäischen Hochschulraum, da bisher noch weit über 60 Prozent der Studierenden in den „alten“ Studiengängen studierten und große Absolventenjahrgänge erst demnächst auf den Arbeitsmarkt kämen. Wenn man selbst einen Bachelor- und Masterstudiengang studiert hat, kommen einem solche Aussagen zunächst fremd vor – immerhin wurde der MuK bereits 2001 reformiert umgesetzt; erste Absolventinnen und Absolventen gibt es seit etwa 2005. Trotzdem leuchtet es ein, dass vor allem die Studiengänge mit dem Abschluss Staatsexamen, das Lehramt und auch die Medizin nicht flächendeckend umgestellt sind und insofern einen erheblichen Anteil nicht umgestellter Studiengänge bzw. -fächer ausmachen.
Abseits von rein strukturellen Fragen des Umsetzungsprozesses sieht Zervakis die Bologna-Reform derzeit in einem inhaltlichen Veränderungsprozess, in dem die Studierendenperspektive eine gewichtigere Rolle einzunehmen scheint. Ein Paradigmenwechsel oder auch der „Shift from teaching to learning“ sei allerdings noch am Laufen, da viele Lehrende lieber „Althergebrachtes“ voranbrächten als sich auf das „Abenteuer des Neuen“ in der Lehre einzulassen. Gründe dafür lägen unter anderem in der mangelnden Reputation, die sich aus vorbildlicher Lehre ergibt. Auch gibt er zu Bedenken, dass die Ziele von Bologna nicht erreicht werden könnten, solange eine Reihe an Voraussetzungen nicht erfüllt sind, wozu unter anderem die schlechte Ressourcenlage an deutschen Hochschulen zu zählen ist, aber auch die Form der Prüfungen. Gerade in der Studieneingangsphase plädiert Zervakis dafür, den Prüfungen weniger Gewicht beizumessen, denn: Die Studieneingangsphase sei für Studienanfänger essentiell für Motivation und Weitermachen in einem Fach.
Grundsätzlich befürwortet er auch, Studierende an der Basis viel stärker einzubinden und vermehrt die Kultur der einzelnen Hochschule vor Ort zu betrachten, um die Kompetenzen der Studierenden gezielt zu fördern. Abschließend fordert er, an Hochschulen eine Lehrstrategie aufzubauen, die gute Lehre zum Inhalt hat und Bologna nicht zum „langweiligen Strukturmonster“ macht. Angesichts dieser Ausführungen bin ich in jedem Fall gespannt, welche Rolle diese Position der HRK in der bildungspolitischen Debatte künftig einnehmen wird. Sollte sie sich durchsetzen, scheint sich die (berechtigte) Aufruhe rund um Bologna möglicherweise bald zu legen.
PS: Links und Literaturhinweise der HRK sind online zu finden unter http://www.hrk.de/bologna/de/home/1952.php
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Bloggen, Twittern und Co.: Was bringt’s wirklich?
Dass Studierende ihre studentischen Wissensprodukte bei w.e.b.Square veröffentlichen können, dürfte in der Zwischenzeit hinreichend bekannt sein. In regelmäßigen Abständen von ca. zwei Monaten kommen neue Ausgaben heraus, die jeweils einem spezifischen Thema unterliegen. Etwas ungewöhnlicher dagegen ist, dass wir einmal im Jahr einen offenen Aufruf zur Einreichung von Beiträgen starten. Auf diese Weise haben auch Studierende anderer Universitäten bzw. Hochschulen die Chance, ihre Artikel bei w.e.b.Square zu veröffentlichen. Um die Qualität der Beiträge wie bei allen anderen Ausgaben zu gewährleisten, durchlaufen die Einreichungen ein Review-Verfahren. Der aktuelle Call for Papers widmet sich nun der höchst interessanten Frage „Bloggen, Twittern und Co.: Was bringt’s wirklich?“ und stammt, wie sonst auch, aus der Mitte der Augsburger MuK-Studierenden. Insofern hoffe ich sehr, dass sich neben den Studentinnen und Studenten anderer Hochschulen auch MuK-Studierende zu Einreichungen „berufen“ fühlen – immerhin werden sie in mehreren Lehrveranstaltungen mit den unterschiedlichsten digitalen Werkzeugen konfrontiert und sind nicht immer überzeugt davon (ohne dies näher auszuführen).
Abschließend noch der Hinweis an alle Lehrenden, die meinen Blog verfolgen: Es wäre klasse, wenn Ihr unseren Aufruf an Eure Studierenden weiterreichen und sie zur Teilnahme motivieren könntet – vielleicht lässt sich die Einreichung sogar mit dem Assessment verknüpfen? ;-)
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Mein Name ist Frank Vohle (Impressum s.u.). In meinem Blog halte ich einige Gedanken fest, die sich um die Themen Didaktik, Lernen, Bildung & digitale Medien drehen. Derzeit bin ich in folgenden Organisationen aktiv: