Sandra Hofues
Wildes Votieren
Wer in den letzten Tagen Facebook und Twitter verfolgt hat, dem sind bestimmt all die Postings und Tweets zur Hochschulperle aufgefallen. Etwa zwei Wochen lang wurde vom Stifterverband die Hochschulperle des Jahres 2011 gesucht. Da die student.stories als ein Projekt für die Hochschulperle 2011 nominiert waren, haben wir (d.h. das alte Augsburger Team) uns kräftig um Stimmen bemüht. Man könnte auch sagen, wir haben die Werbetrommel gerührt.
Was nach außen nach wildem Votieren aussah, hatte auch einen tieferen Grund: Es gab die Möglichkeit, jeden Tag für eines der 12 Projekte zu abstimmen. Nun mag es eine Frage der Ehre sein, nur einmal für das Projekt seiner Wahl abzustimmen, aber: Der Wettbewerbscharakter sorgte bei vielen Projektverantwortlichen dafür, sich um neue und alte Stimmen aktiv zu bemühen.
Entsprechend klasse ist jetzt das Ergebnis aus Sicht der student.stories: Das Projekt schaffte es auf Platz 3 und ich freue mich für die beteiligten Studierenden sehr über diese Platzierung. Kritisch anzumerken ist aber, wie bei Wettbewerben dieser Art Ergebnisse beeinflusst werden (können). Hier würde ich mir aus Fairnessgründen ein anderes Abstimmungssystem wünschen. Dass auf diese Weise Komplexität von Wettbewerben steigt, ist klar. Aber der Preis würde aus meiner Sicht nochmals an Güte gewinnen, zumal die erste Auswahl der Projekte auch vom Stifterverband vorgenommen wurde.
Call for Presentations: Nachwuchstagung von DGHD und GMW
Mit diesem Post möchte ich nochmals auf die Nachwuchstagung von DGHD und GMW (“Junges Forum Hochschul- und Mediendidaktik”) aufmerksam machen, die am 29. und 30. Mai 2012 an der Universität Hamburg stattfinden wird. Die Tagung richtet sich an Hochschuldidaktiker und Mediendidaktiker gleichermaßen und versucht, Perspektiven von Nachwuchswissenschaftlern mit Praxisperspektiven zu verknüpfen. Auf das Vorhaben bin ich sehr gespannt.
Auch möchte ich die Gelegenheit nutzen, insbesondere Doktoranden aus dem Umfeld von Medienpädagogik- und -didaktik zur Einreichung zu ermuntern. Wir freuen uns auf eine große Vielfalt an Beiträgen, die auch unterschiedliche organisationale Bezüge erlauben – medienpädagogische/-didaktische Fragen und Herausforderungen stellen sich ja nicht nur in der Hochschule, sondern können genauso gut aus dem frühkindlichen Bereich, der Schule oder aus Weiterbildungskontexten stammen. Zugleich ist es kein Nachteil, wenn die eine oder der andere bereits bei einem der letzten Doktorandenforen präsentiert hat, im Gegenteil: Wenn man das Gefühl hat, der Austausch mit anderen würde zu einem bestimmten Zeitpunkt der Doktorarbeit helfen, dann halte ich eine erneute Einreichung für sinnvoll. Auch kann ich mir vorstellen, dass es von Nachwuchstagung zu Nachwuchstagung leicht regionale Unterschiede geben wird: angefangen bei den Teilnehmern und Referenten über Themen und Inhalte bis hin zu Spezifika, die in Hamburg sicher in der gezielten Vernetzung der Beteiligten zu suchen sind.
Der Call for Presentations endet am 31. Januar 2012. Der inzwischen knappe Zeithorizont sollte aber nicht abschreckend wirken: Die Hürden zur Einreichung sind überschaubar und lassen sich (hoffentlich!) auch kurzfristig in den Arbeitsalltag integrieren. Bei Fragen stehe ich natürlich – wie alle anderen Organisatoren auch – gerne zur Verfügung. Über eine Verbreitung des Calls würden wir uns ebenfalls sehr freuen.
PS: Wer es mit einer Einreichung nicht schafft, dem sei gesagt, dass man auch ohne diese zur Tagung kommen kann. Die Keynotes und Workshops versprechen schon jetzt viel Abwechslung und die Möglichkeit, über die eigenen offenen Fragen mit anderen ins Gespräch zu gelangen. Die Anmeldung ist (voraussichtlich) ab Ende Februar möglich.
Wie die Zeit vergeht
Nein, zum Jahreswechsel werde ich nicht melancholisch, auch wenn ich über die freien Tage auf Empfehlung von Frank Peter Bieris neues Buch “Wie wollen wir leben?” gelesen habe. Das Buch regt an vielen Stellen zum Nachdenken an und will entsprechend kognitiv verarbeitet werden. Von daher an dieser Stelle keine Rezension zum Buch (allenfalls ein Verweis zum Feuilleton der FAZ).
Vielmehr fällt mir zum Jahresende auf, wie schnell die Zeit vergeht. Ich weiß, Eltern und Großeltern haben das schon immer verlautbart und mit dem Alter vergeht die Zeit noch schneller. Dennoch fällt es mir in diesem Jahr ganz besonders auf, da 2011 Vieles für mich verändert hat. Die beiden wichtigsten Meilensteine waren wohl der Umzug nach Hamburg und die Abgabe der Diss. Obschon letzteres von langer Hand geplant war, war der Endspurt im Herbst nochmals stressig. Denn ausgerechnet in der Phase der letzten Überarbeitungen habe ich das Angebot erhalten, nach Hamburg zu gehen. Entsprechend galt es Umzug und Diss gleichzeitig zu managen, was eine echte Herausforderung war und nicht unbedingt zu empfehlen ist.
Mit dem Umzug und der Abgabe der Diss einher geht eine neue Lebensphase, die man gemeinhin als PostDoc-Zeit bezeichnet und – in meiner freien Interpretation – vor allem dafür steht, sein Leben in Teilen neu zu organisieren. Immerhin sind die Abende wieder frei, die Wochenenden auch. Doch was sich zeitlich wie eine neu gewonnene Freiheit anhört, kann eine eigene Herausforderung sein, denn: Womit will ich meine Zeit verbringen? Was sind Themen oder Projekte, die mich weiterhin beschäftigen? Nun habe ich das Glück, mit meiner Tätigkeit in Hamburg eine ganz neue Herausforderung gewonnen zu haben. Ich spreche hier meistens von der “grünen Wiese”, die ich bei meiner Ankunft an der HAW Hamburg vorgefunden habe und die ich jetzt zusammen mit Kolleginnen und Kollegen einsähen darf – damit kleine und große Projekte aus dem Boden sprießen und der Strauß der medialen Möglichkeiten an einer Fakultät für Wirtschaft und Soziales deutlich wächst. Das ist in jedem Fall eine anspruchsvolle Aufgabe “für nach der Diss”. Gleichzeitig freue ich mich, 2012 wieder selbstbestimmter mit meiner Zeit umgehen zu dürfen, d.h. mich neben der Arbeit nur für solche Projekte und Ideen zu engagieren, die mich “packen”. Das ist der wohl größte Luxus, den man nach Abgabe der Diss wieder für sich erreicht (siehe hierzu auch den ZEIT-/WiWo-Artikel “Plädoyer für mehr Leidenschaft”).
Zu diesem Blogpost kam ich allerdings aus anderem Grund: So möchte ich mit Abschluss der Projektförderung nochmals die Chance ergreifen, die wunderbaren student.stories vorzustellen. In den letzten 1,5 Jahren hat allem voran Caro dafür gesorgt, dass das Projekt nach Bekanntgabe der Förderung so toll umgesetzt wurde, wie es jetzt im Netz nachzuvollziehen ist. Auch der DAAD wird vermutlich begeistert sein, welch vielfältigen Medienangebote in der Augsburger Schmiede entstanden sind und welche Kreise die student.stories gezogen haben (besonders erwähnenswert ist wohl die Hochschulperle des Stifterverbands im Juli). Die student.stories selbst erleichtern ausländischen Studierenden den Einstieg in Leben und Studieren in Augsburg und setzen dabei auf ein Modell, das wir schon beim KaffeePod praktiziert haben: In gemischten Teams werden (insbesondere) Podcasts produziert und die Anbindung an Augsburger Zertifikatsprogramme hilft bei der formalen Anerkennung des Engagements. Auch wenn ich es sehr bedauerlich finde, dass Caro mit dem Projektende das imb der Universität Augsburg verlässt, hinterlässt sie doch ein nachhaltig verankertes Projekt, das seinem Namen alle Ehre macht. Entsprechend stolz bin ich aus der Ferne, dass wir dieses Projekt Anfang 2010 auf den Weg bringen konnten und was daraus über die Zeit entstanden ist.
Weihnachtslektüre: neue w.e.b.Square-Ausgabe online
Passend zu Weihnachten ist gestern die neue Ausgabe der studentischen Online-Zeitschrift w.e.b.Square erschienen. Die aktuelle Ausgabe 5.11 widmet sich Themen aus dem Bereich der Computer-vermittelten Kommunikation (CvK), wobei fachdisziplinär unterschiedliche Perspektiven eingenommen werden. D.h. es finden sich sowohl Arbeiten, die mit kommunikationswissenschaftlichem Fokus geschrieben wurden, als auch Arbeiten, die eher mediendidaktischen/bildungswissenschaftlichen Fragestellungen nachgehen. Über die aktuelle w.e.b.Square-Ausgabe freue ich mich aus zwei Gründen ganz besonders: Zum einen ist es die erste Ausgabe, die ohne meine Mithilfe entstanden ist. Zum anderen stehen erstmals Abschlussarbeiten online, die von mir betreut wurden. Beides fühlt sich gut an, denn: Ohne ein lebendiges Projektteam, das auch in der Lage ist, Personen zu ersetzen und eine Idee weiterzuführen, würde es Initiativen wie w.e.b.Square über einen längeren Zeitraum nicht geben. Gleichzeitig ist es toll zu sehen, wie aus vagen Gesprächen über mögliche Fragestellungen Abschlussarbeiten entstehen, die inhaltlich höchst anspruchsvoll sind und es verdient haben, einem breiteren Publikum zur Verfügung gestellt zu werden. Ich werde die freien Tage in jedem Fall dazu nutzen, in w.e.b.Square zu stöbern.
Fröhliche Weihnachten!
Lesenswert: “Media Studies 1.0: Back to Basics”
Ich möchte die Gelegenheit nutzen, um auf einen interessanten Artikel im Media Education Research Journal (MERJ) hinzuweisen. Unter dem Titel “Media Studies 1.0: Back to Basics” fragt Dan Laughey kritisch nach dem Neuen an den digitalen Medien und den daraus resultierenden Umstrukturierungsversuchen von Medien(wissenschaftlichen)studiengängen. Das finde ich aus verschiedenen Gründen spannend, besonders interessant aber wohl deshalb, weil ich
- selbst erhebliche Diskrepanzen in der Beschäftigung mit dem Web 2.0 als Container für mediale Veränderungen der letzten fünf bis zehn Jahre in den unterschiedlichen Fachwissenschaften festgestellt habe und
- der Beschäftigung mit diversen Medien und Formaten (sowohl singulär als auch gekoppelt bzw. crossmedial) Bedeutung einräume.
Abgesehen davon schreibt der Autor etwa von der Wiederentdeckung von McLuhan (“The Medium is the Massage.”) und rekurriert auch sonst auf die eine oder andere ältere Schrift. Das finde ich als frühere Studentin der Medien und Kommunikation per se lesenswert. Aber der Reihe nach.
Zu Beginn des Artikels stechen provokante Bemerkungen wie diese besonders heraus:
“Media Studies 2.0 claims to live in the post-broadcast era of wise crowds, mass collaboration and unfiltered creativeness. In this whole new era anyone can tweet, blog, tag, poke, upload videos to YouTube or photos to Flickr. But the question rarely addressed is: who cares? Who really cares if joeblogga94 posts his ‘Hey Dude’ movie – at the same time several thousand other nobodies do likewise? Is anybody watching? Highly unlikely. What the post-broadcast era amounts to, in quantifiable terms, is one huge and collective exercise in vanity publishing.” (Laughey, 2011, pp. 58-59)
Eine solche Position ist spannend, weil sie in den Mund nimmt, was viele, vor allem kommunikations- und medienwissenschaftlich geprägte Autoren denken:
- Welche Rolle spielen digitale Medien in der Auseinandersetzung mit Medien als allumspannendes Phänomen?
- Welche Bedeutung nehmen digitale Medien wie die oben genannten für den Meinungsbildungsprozess in Gesellschaft und Öffentlichkeit ein?
Aus meiner Sicht können Twitter, Blogs und sonstige Formate diesen Fragen nicht standhalten – die Frage ist aber: Müssen sie das? Mit der Medienentwicklung geht immerhin eine erhebliche Diversifizierung in der Nutzung einher, die Laughey zwar im Großen hinterfragt, die aber doch deutlich zu beobachten ist und in Langzeitstudien zur Mediennutzung mit Nachdruck unterstrichen werden.
Dagegen trifft folgende Aussage durchaus ein Kernproblem in der Auseinandersetzung mit digitalen Technologien:
“What Media Studies 2.0 suffers from, above all else, is a technologically deterministic fallacy of revolutionism.” (Laughey, 2011, p. 59)
Denn bei vielen medialen Entwicklungen ist zu lesen, dass sich mit ihnen die Welt gewissermaßen neu dreht. Dass dem nicht so ist, wurde ja an vielen Stellen eindrucksvoll gezeigt. Von daher nutze ich diesen Hinweis gerne auch selbst zur kritischen Reflexion, die bei aller Neugier hinsichtlich neuer Fragestellungen und Möglichkeiten des Technologieeinsatzes mitunter in den Hintergrund rückt.
Abschließend leitet Laughey fünf Prinzipien ab, die Medienwissenschaft für sich begreifen sollte:
- Methodenvielfalt: Im ersten Prinzip bittet Laughey darum, auch andere Methoden als die (für Medienwissenschaftler) gängigen in Betracht zu ziehen.
- Internationalität: Im zweiten Prinzip geht es vor allem darum, unterschiedliche Zugänge zu Phänomenen zuzulassen und auch den Blick über den nationalen Tellerrand zu wagen.
- Theoriebezogenheit: Im dritten Prinzip wird nochmals auf die Güte von Theorien verwiesen, à la “die besten Theorien bestehen den Test der Zeit”.
- Mediengeschichte: Im vierten Prinzip wird auf die Bedeutung historischer Zusammenhänge und der Genese von Produkten und Diskussionen verwiesen.
- (Anti-)Diskriminierung: Im fünften und letzten Prinzip wird vor allem Offenheit für andere Stimmen als den Mainstream proklamiert.
Er kommt zu dem Schluss:
“These five basic principles, taken together, supply a vital antidote for Media Studies 1.0 detractors of all persuasions.” (Laughey, 2011, p. 63)
Auch oder gerade weil der Autor keinen medienpädagogischen/-didaktischen Hintergrund aufweist, sind die Ausführungen aufschlussreich und regen zum Nachdenken an. Etwas kurz kommt – speziell bei den fünf Prinzipien – die Perspektive der Gestaltung und/oder des praktischen Medienhandelns. Hier müssten nun andere Fachwissenschaftler gewissermaßen das Denken, z.B. unter Bezugnahme auf das dritte Prinzip der Theoriebezogenheit, übernehmen.
Quelle:
Laughey, D. (2011). Media Studies 1.0: Back to Basics. Media Education Research Journal. 2(2). http://merj.info/wp-content/uploads/2011/12/MERJ_2-2-p57-64.pdf (17.12.2011).
Schneller als gedacht
Auf der letzten GMW-Jahrestagung wurde das Thema “Nachwuchsarbeit” intensiv diskutiert: zunächst auf der Preconference, die wir erstmals zum Anlass für ein länger andauerndes Doktorierendenforum genommen haben, später dann auf der Hauptkonferenz, in der die Bedeutung der Nachwuchsarbeit auch von Mitgliedern und Vorstand bekräftigt wurde. Seitdem habe ich den Nachwuchshut auf, was einerseits für eine (Ver-)Mittlerfunktion steht, die ich zwischen Nachwuchswissenschaftlern und Vorstand einnehme. Andererseits wurde mir mit dem Hut auch Verantwortung für das Thema übertragen, denn die Erwartungen an eine Nachwuchsarbeit sind vielfältig und individuell durchaus unterschiedlich.
Umso glücklicher bin ich, dass wir – schneller als gedacht – erstmals eine Nachwuchstagung auf die Beine stellen werden (zum Call for Presentations). In Kooperation der beiden Gesellschaften DGHD und GMW werden wir uns Ende Mai 2012 in Hamburg treffen und dem Nachwuchs ein Forum geben, wie es so schön heißt. Das Besondere an der Veranstaltung ist dabei, dass die Interessen und Fragen des Nachwuchses im Mittelpunkt stehen und sich auch auf die Konferenzorganisation auswirken werden. Gleichzeitig wird mit der Veranstaltung ein Spagat gewagt, nämlich sowohl Nachwuchswissenschaftler (sog. Young Scientists) als auch Nachwuchspraktiker (sog. Young Professionals) anzusprechen. Auf dieses Vorhaben bin ich persönlich besonders gespannt, da es sicher ähnliche Herausforderungen in der Phase des Hineinwachsens in neue Gemeinschaften gibt, die Herausforderungen sich aber im Prozess durchaus stark unterscheiden können. Eine weitere Herausforderung sehe ich darin, die unterschiedlichen organisationalen Zugänge zu Wissenschaft und Praxis miteinander zu vereinen. Immerhin wird die Konferenz auch über den Tellerrand der Hochschule blicken, insbesondere durch die Einreichungen der Nachwuchswissenschaftler aus dem Schul- oder Weiterbildungskontext ist das zu erwarten.
Bei allen Herausforderungen und potenziellen Unwägbarkeiten freue ich mich riesig darüber, dass wir durch die Initiative der Hamburger so schnell eine Nachwuchstagung auf die Beine stellen konnten. Die Nachwuchstagung gliedert sich insgesamt in die Nachwuchsarbeit der GMW ein, die demnächst um weitere Elemente ergänzt wird.
Online Educa 2011
Nachdem ich kürzlich zum ersten Mal auf der Campus Innovation war, war ich in der vergangenen Woche ebenso erstmals auf der diesjährigen Online Educa zu Gast. Die Konferenz hat nach außen eine große Strahlkraft, weswegen ich sehr gespannt auf die Veranstaltung war. Gleichzeitig hatte ich noch zu Augsburger Zeiten ein Konzept eingereicht, das eine Neusortierung von studentischen Medienprojekten vor dem Hintergrund von Crossmedia vorschlägt. Die Einreichung basiert dabei auf vielen Unterhaltungen mit Christian Joe Geier, der wie ich in einigen (Medien-)Projekten aktiv ist und eine zunehmende Konvergenz der verwendeten Medien auch in der medienpraktischen Auseinandersetzung der Studierenden festgestellt hat. Durch die Einbettung der Projekte in das Augsburger Begleitstudium sind es allerdings weniger die Medienentwicklungen, die von den Studierenden hinterfragt und/oder (kritisch) reflektiert werden. Stattdessen fokussieren diese ihre überfachlichen Lernerfolge in den Medienprojekten und im Speziellen das Lernen im Team. Im Abstract heißt es daher:
“Media education as a theoretical framework tries to unify the demand for comprehensive media competencies among learners and teachers, based upon goals orientated on constructivistic learning settings. This understanding is often linked to action-based concepts of the early 1980s. In Germany, typical practical projects were the well-known open channels. Until today, media practice should enable self-organized learning by using media and integrating process-oriented reflection on media. But the open channels as an analogous phenomenon are now gone, the World Wide Web has absorbed them. Instead of them, digital media is ubiquitously part of everyone’s daily life – also when learning. Media literacy is a claim of the present and will be a claim of the future. The (net) citizen today and tomorrow should be one capable of responsible active use of media (analogue as well as digital), reflecting in an independent way about media, its use and changes. Accordingly, the importance of media education in formal educational contexts becomes obvious. But the question is to what extent the traditional concept of media education allows a broader understanding of media. Our idea is to expand the traditional concept of media education, so that crossmedia strategies (e.g. Schuegraf, 2008; Sjurts, 2002) will find their own place in dealing with media.”
Wie wir uns im Detail die Neusortierung vor dem Hintergrund crossmedialer Entwicklungen vorstellen, geht – so hoffe ich – aus meiner Präsentation hervor:
Auch wenn ich nicht mehr in Augsburg beschäftigt bin, werden Joe und ich sicher weiter an dem Thema “denken”. Von daher freue ich mich sehr über die positiven Rückmeldungen am Ende der Session, die unsere pädagogisch-didaktischen Überlegungen zur Crossmedia Education zwar sehr ungewöhnlich, aber nicht selten interessant fanden. Ich hoffe daher, dass ich nicht nur einige Impulse in Berlin hinterlassen konnte, sondern sich aus den netten Gesprächen auch Möglichkeiten der Kooperation im europäischen Raum ergeben werden.
Literatur
- Schuegraf, M. (2008). Medienkonvergenz und Subjektbildung. Mediale Interaktionen am Beispiel von Musikfernsehen und Internet. Wiesbaden: VS.
- Sjurts, I. (2002). Cross-Media Strategien in der deutschen Medienbranche. Eine ökonomische Analyse zu Varianten und Erfolgsaussichten. B. Müller-Kalthoff (Hrsg.), Cross-Media Management. Content-Strategien erfolgreich umsetzen. (pp. 3–18) Heidelberg: Springer.
Auf der Suche nach dem Neuen
Am letzten Donnerstag und Freitag fand zum wiederholten Mal die Campus Innovation in Hamburg statt. Aus der Ferne hatte ich die Veranstaltung schon länger beobachtet, leider ging es sich nie aus, ihr zu Augsburger Zeiten auch beizuwohnen. Das war in diesem Jahr anders, denn für Hamburger Hochschulen ist die Campus Innovation eine Art Klassentreffen. Jedenfalls gewinnt man schnell diesen Eindruck, wenn man sich im sehr hübschen Curio-Haus für die Tagung tummelt und auf viele Hamburger E-Learning-Akteure, Hochschuldidaktiker und Unternehmensvertreter trifft.
Ich selbst war vor allem neugierig auf den Aspekt der Innovation, immerhin nennt sich die Tagung Campus Innovation und lässt darauf hoffen, dass jeder Tagungsbeitrag auch etwas Innovatives mit Hochschulbezug aufweist. Für mich selbst war (und ist) der Innovationsbegriff dabei vage besetzt, denn hochschulbezogene Innovationen können einen ganz unterschiedlichen Charakter aufweisen, der sich auch in den themenbezogenen Tracks zu E-Learning, Studium und Lehre sowie E-Campus widerspiegelte. Entsprechend begab ich mich in den Beiträgen auf die Suche nach dem Neuen, unabhängig vom Track, in dem ich mich gerade befand.
Dabei erwies sich der Innovationsbegriff, der die Tagung rahmt, durchaus als wichtige, aber hohe normative Setzung, denn: Viele Beiträge waren interessant und spiegelten den aktuellen Stand der hochschul- und mediendidaktischen Diskussionen. Suchen musste man allerdings das Innovative, was keineswegs ein Problem der Veranstaltung war, sondern mir typisch für die inhaltliche Auseinandersetzung mit Hochschul- und Mediendidaktik scheint. Das ganz Neue, also Ideen und Projekte, die sich vollständig vom bisher gewesenen absetzen, ist nicht zu finden. Vielmehr ist zu beobachten, dass sich Innovationen eher in der (sinnvollen!) Vernetzung älterer Ideen und Konzepte auf struktureller Ebene identifizieren lassen. Ebenfalls zu beobachten sind fachspezifische Innovationen, deren Bedeutung für die Akzeptanz und damit für die Durchdringung des “Neuen” auf personaler Ebene als wichtig einzuschätzen ist. Oder, um es mit Drucker (1994) zu formulieren: “Effective innovations start small” (ebd., S. 24).
Alles in allem also eine interessante Konferenz mit starkem Hamburg-Bezug, die allerdings das Neue ein wenig vermissen ließ, sofern man den Innovationsbegriff als tagungsleitend empfand.
Quelle:
Drucker, P. F. (1994). Innovation and Entrepreneurship: Practice and Principles. 2., überarbeitete Auflage. Oxford: Butterworth Heinemann.
Zu Gast im virtuellen Klassenzimmer
Technisch gesehen ist ein virtuelles Klassenzimmer nichts Neues. Didaktisch muss man den Innovationswert auch hinterfragen, da dort – wie in vielen herkömmlichen Lehr-Lernsettings – meist mit einer Frontalsituation gekämpft wird. Es ist deswegen ein Kampf, weil die Lethargie der Teilnehmer im virtuellen Klassenzimmer noch herausfordernder ist als in der realen Situation, wo ich als Lehrende zumindest sehe, wann und wo Lernende abgelenkt sind etc. Dies lässt sich im virtuellen Klassenzimmer nur eingeschränkt nachvollziehen. Um Leitungen nicht zu überlasten, gibt es eingeschränkte Rederechte; Möglichkeiten der Kollaboration sind ebenfalls beschränkt, zumindest dann, wenn man im virtuellen Klassenzimmer mit großen Gruppen “hantiert”. D.h. die Herausforderungen, die sich in der Präsenzlehre mit vielen Teilnehmern stellen, stellen sich gleichermaßen im virtuellen Klassenzimmer und werden dort oft noch verstärkt. Aber wem sage ich das! Die Auseinandersetzung mit den Chancen und Grenzen des virtuellen Klassenzimmers sind ja fast schon ein alter Hut. Allerdings sind didaktische Szenarien, die den synchronen Austausch über das Internet unterstützen, nach wie vor selten. Dies mag an kulturellen Hürden liegen, da Präsenzlernen an Präsenzhochschulen strategisch verankert ist. Es mag auch an Herausforderungen bei der Planung solcher Szenarien liegen, die sich im Vorfeld, in der Durchführung und bei der Nachbereitung/Dokumentation stellen. Eine Hürde kann auch die mangelnde technische Verfügbarkeit von virtuellen Klassenzimmern sein.
Umso schöner ist es, dass mich Timo am vergangenen Mittwoch eingeladen hatte, mich mit einem kurzen Impulsvortrag über “Selbstorganisation und Kollaboration im Netz” aus Hamburg in seine Düsseldorfer Lehrveranstaltung einzuklinken (zu meinen Folien). Bei aller Ähnlichkeit zum realen Lehrveranstaltungssetting ist ein solcher Vortrag, der medienvermittelt erfolgt, bis auf Weiteres ungewohnt. So bin ich jedes Mal auf’s Neue irritiert, primär mit mir und mit dem Computer zu sprechen und Rückmeldungen vorwiegend über den Chat zu erhalten. Gleichzeitig finde ich es großartig, von welchen Orten sich die Studierenden in ihre Seminare schalten und damit Lernorte deutlich erweitern um neue Komponenten (z.B. den Kölner Hauptbahnhof ). In seinem Blogbeitrag führt Timo ein weiteres Potenzial für virtuelle Klassenräume an, nämlich die Chance für einen fachlich-inhaltlich und/oder didaktisch-methodisch orientierten Austausch zwischen Kollegen und Studierenden. So regt das virtuelle Klassenzimmer immer wieder zur Reflexion über Lernen, Fähigkeiten in der Selbstorganisation und Formen von Kooperation zwischen Hochschulen an (siehe dazu auch unseren Beitrag für die Wissensgemeinschaften 2011). Alles in allem war ich daher gerne zu Gast im virtuellen Klassenzimmer und bin schwer dafür, solche “Einsätze” häufiger und hochschulübergreifend zu planen und damit letztlich die Chancen für sinnvolle Vernetzungselemente zu nutzen, die sich technisch seit längerem ergeben.
Wissensmanagement im Promotionsprozess
An Hochschulen wird gerne und viel analysiert, evaluiert und begleitend erforscht. Das wird jeder Hochschulbeschäftigte kennen. Es liegt auch in der Natur der Sache, geht es doch an Hochschulen neben Lehre auch um Forschung. Für viele ist Forschung sogar bedeutsamer als Lehre, aber das wäre jetzt ein anderer Blogbeitrag zur Profession des Wissenschaftlers. Bei der Vielzahl an Untersuchungen stechen allerdings manche heraus, an denen man lieber teilnimmt als an anderen: Sie weisen einen Bezug zum eigenen Arbeitsbereich oder Forschungsinteresse auf, sie sind nah an der eigenen Lebenswelt oder aus weiteren Gründen interessant. Manchmal nimmt man auch aus Verbundenheit zum Forschenden teil, das will ich nicht verschweigen.
Eine solche Verbundenheit ergab sich neulich auch für mich, als ich nach meinem Weggang aus Augsburg von Augsburger Promotionsstudierenden zum Thema “Wissensmanagement im Promotionsprozess” befragt wurde. Immerhin war ich den überwiegenden Teil meiner Promotionszeit an der Universität Augsburg beschäftigt; etwa die Hälfte der Zeit war ich sogar davon ausgegangen, meine Promotion dort abzuschließen. Unter Samplinggesichtspunkten war vielleicht sogar der Hochschulwechsel ausschlaggebend für die Anfrage an mich, vielleicht war es aber auch der inhaltliche Bezug zum Wissensmanagement oder schlicht meine positive Reaktion auf eine Rundmail an alle verzeichneten wissenschaftlichen Mitarbeiter.
Im Interview selbst wurde der Fokus auf den Promotionsprozess gelegt, insbesondere auf die Interaktion zwischen den Doktoranden und zwischen Doktorand(en) und Betreuer. Den Fragen lagen dabei einige Defizitannahmen zugrunde, wie mir im Verlauf des Gesprächs immer klarer wurde. Es mangelt an Austausch, es mangelt an Zeit, es mangelt mitunter auch an Wissen der (angehenden) Doktoranden über ihr Vorhaben und mögliche Konsequenzen ihres Tuns (siehe hierzu auch Mandys Bericht vom Doktorandenforum der Sektion Medienpädagogik). Dazu gehören auch all die Höhen und Tiefen, die einen während der Promotion ereilen und von denen ich mich gar nicht ausnehmen will. Die normative Setzung zu Beginn war nicht zuletzt durch die persönlichen Erfahrungen der Interviewer bedingt: Sie selbst sehen Verbesserungsbedarf in der Gestaltung der Promotion im Allgemeinen und bei der Unterstützung ihres Promotionsfortschritts im Besonderen. Gleichzeitig liefern die Defizitannahmen gute Möglichkeiten zur Verankerung des Themas im Wissensmanagement, das ja (unter anderem) auf die Verbesserung von Kommunikation und Kollaboration zwischen Individuen abzielt.
Das Interview selbst hatte ich schon fast wieder verdrängt, kam mir aber nochmals in den Sinn, als ich den heutigen Blogbeitrag auf der Doktorandenseite der UniBW München gelesen habe. Denn interner wie externer Austausch mit Gleichgesinnten oder weiteren Interessierten – das wurde als eine zentrale Anforderung an die (bessere) Gestaltung des Promotionsprozesses offenbar. Zugleich kamen wir (und damit meine ich alle Doktoranden, die bei Gabi promovieren) hinsichtlich des Wissensmanagements “gut weg”: Bei uns gibt es formale Strukturen und informelle Bande für den Austausch, alle Beteiligten interagieren bedarfsorientiert miteinander und Präsenzphasen wechseln sich mit virtuellen Phasen ab.
Ein Schmankerl existiert neuerdings mit den Videofeedbacks, die kurz vor der Disputation stehende Doktoranden auf ihren Disputationsvortrag erhalten (können). Das ist aus räumlicher Sicht interessant, wenn man wie ich nicht (mehr) am eigenen Hochschulort lebt bzw. arbeitet; zugleich wird man als Doktorand gezwungen, sich frühzeitig mit dem Disputationsvortrag auseinanderzusetzen, bevor einen etwa neue Projekte einholen oder man die Prüfungssituation zu wenig ernst nimmt (soll vorkommen ). Unter der Perspektive des Wissensmanagements ist diese (neue) Maßnahme ebenfalls interessant, da speziell die weniger erfahrenen Doktoranden Einblicke in weitere Stadien der Promotion erhalten.
Für mich persönlich war es etwas stressig den Vortrag aufzunehmen, da er genau in den Stellenwechsel fiel. Im Nachhinein hat es sich aber gelohnt und Zeitmanagement ist ja auch etwas, das man im Zuge der Promotion lernen kann und soll.
Sachen gibt’s
Es gibt Fundstücke im Netz, da kommt man (frau auch) aus dem Staunen nicht heraus. Dies gilt speziell dann, wenn man selbst einen engen Bezug zum Thema aufweist und auch emotional involviert ist. So stieß ich gestern auf eine Seite im Netz, auf der ich einen Doktortitel kaufen kann. Vermutlich ist dies nicht die einzige Seite dieser Art, verwundert bin ich aber doch ob der Offenheit, mit der ein solches Inserat auch in deutscher Sprache geschaltet wird. Denn faktisch scheint es den einen oder anderen Abnehmer zu geben – oder Schenkenden, immerhin wurde die Offerte offiziell unter “Geschenkideen” angepriesen. Dass dabei im Text darauf hingewiesen wird, dass es sich nicht um einen akademischen Titel handele, macht die Sache nicht besser. So ist meine Meinung zu solchen Geschenken klar: Finger weg davon! Aber ich habe das Prozedere ja auch “in Echt” (so gut wie) hinter mir.
Alles neu
… macht Hamburg! Mein Blog ist umgezogen und ab sofort erreichbar unter http://www.sandrahofhues.de/ Ich würde mich freuen, wenn viele von Euch auch an anderer Stelle vorbeisurfen oder die Feeds abonnieren (zum Artikel-Feed, zum Kommentar-Feed). Bald gibt es dann auch wieder inhaltliche Beiträge. Stay tuned :-)
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Moin Moin
Jetzt bin ich also Hamburgerin. Um ehrlich zu sein, das klingt noch etwas komisch für mich. Das hat vielleicht auch damit zu tun, dass ich mich erst einmal neu orientieren muss. Das gilt für meinen neuen Job an der HAW, aber auch für Hamburg als Stadt, die ich bisher „nur“ als Touristin kannte. Momentan scheint es so, als könnte ich mich an beides schnell gewöhnen: Ich treffe hier auf viele interessierte und engagierte Lehrende, die Lust darauf haben, ihre Lehre neu zu denken, diese durch Medieneinsatz anzureichern und persönlich miteinander zu kooperieren. Allerdings gibt es bisher wenig Erfahrungen mit E-Learning- oder Blended-Learning-Szenarien, geschweige denn mit dem Web 2.0. Umso gespannter bin ich, wie sich diese sehr unterschiedlichen Voraussetzungen mit den neuen mediendidaktischen Konzepten vereinbaren lassen, die ich nach und nach entwerfen werde. Unterschiedliche Voraussetzungen bringen übrigens nicht nur die Lehrenden mit, auch die Studierenden unterscheiden sich mitunter deutlich darin, welche Medienkompetenzen sie mitbringen und wohin sie sich entwickeln (sollen). Da trifft es sich ganz gut, dass ich in diesem Semester spontan in der Lehre eingesetzt werde und einen Teil der Studierenden im Studiengang BABE näher kennenlernen darf. Und Hamburg als Stadt, mei, des passt scho
Mein Name ist Frank Vohle. In meinem Blog halte ich Gedanken fest, die sich um die Themen Didaktik, Bildung, Innovation & digitale Medien (mediengestützte Wissens- und Lernprozesse) drehen. Derzeit bin ich in folgenden Organisationen aktiv: