Sammlung von Newsfeeds

Stichwort »Kompetenzen«

Weiterbildungsblog - August 7, 2014 - 06:34

Eigentlich müsste ich den gesamten Artikel hier zitieren. John Erpenbeck, der schon im Rahmen des Projekts Lernkultur Kompetenzentwicklung (ABWF/ QUEM) die Diskussion um den Kompetenz-Begriff maßgeblich geprägt hat, gibt hier einen kurzen und komprimierten Überblick. Er schreibt vom “Siegeszug des Kompetenzdenkens” und: “Selbstorganisation”, “Konstruktivismus”, “Ermöglichungsdidaktik”, “Kompetenz” wurden die Kernbegriffe einer neuen, zukunftsweisenden Pädagogik.” Wenn wir heute davon sprechen, dass es wichtiger ist, den selbstorganisierten Wissensaufbau der Lernenden zu unterstützen als der Illusion nachzujagen, Wissen irgendwie weiterzugeben, dann spiegelt sich darin die hier beschriebene Entwicklung.

Nur am Rande: Der Artikel leitet ein Themenheft zu #PIAAC (Programme for the International Assessment of Adult Competencies) ein und spannt auch abschließend einen (ergebnisoffenen) Bogen.
John Erpenbeck, DIE Zeitschrift 2014/3 (pdf)

Serendipitous, #informal learning through some ages

Weiterbildungsblog - August 7, 2014 - 04:57

Ignatia/ Inge de Waard spielt hier mit einigen Modellen und Konzepten rund um das informelle Lernen. So erwähnt sie zum Beispiel die “Grand Tour”, die “große Reise”, auf die europäische Adelssöhne geschickt wurden, “in order to become more in touch with the most important features of their times: classic arts, becoming a worldly person”. Dann der Autodidakt. Oder “serendipitous learning”. Viele dieser Modelle und Konzepte können mit Hilfe des Internets heute natürlich ganz anders gelebt und umgesetzt werden. “The whole in the wall” und “Google view” sind hier zwei Referenzen. Vielleicht ist es auch richtig, sich dem informellen Lernen so, nämlich anekdotisch, zu nähern, weil man sich sonst schnell in den Abgrenzungen zwischen “formal & informell”, zwischen “Theorie & Praxis”, verliert.

“Where would the computer age be if self-taught learning or informal learning would not have been an option? Where would anybody be?”
Ignatia/ Inge de Waard, @Ignatia Webs, 4. August 2014

TED: Hubertus Knabe: The dark secrets of a surveillance state - Hubertus Knabe (2014)

TEDTalk - August 6, 2014 - 15:02
Tour the deep dark world of the East German state security agency known as Stasi. Uniquely powerful at spying on its citizens, until the fall of the Berlin Wall in 1989 the Stasi masterminded a system of surveillance and psychological pressure that kept the country under control for decades. Hubertus Knabe studies the Stasi — and was spied on by them. He shares stunning details from the fall of a surveillance state, and shows how easy it was for neighbor to turn on neighbor.

Auf Wanderschaft

Gabi Reinmann - August 6, 2014 - 12:59

Es gibt einige Promotionen (bzw. die dazugehörigen Doktoranden), die gewissermaßen zusammen mit mir auf Wanderschaft durch die Universitäten gegangen sind. Eine davon ist die Arbeit von Hannah Dürnberger zum forschenden Lernen – und zwar zum forschenden Lernen, das (im besten Fall) erfolgt, wenn Studierende ihre Bachelorarbeit schreiben, und das – wiederum im Idealfall – Schlüsselkompetenzen fördert, die sie auch in der Berufswelt brauchen können. Ob und wie man das Verfassen einer Bachelorarbeit als besondere Form des forschenden Lernens sehen und dann vor allem auch fördern und mit digitalen Medien unterstützen kann, sind Fragen, die Hannahs Arbeit theoretisch, empirisch und konzeptionell-praktisch behandelt hat. Und mit dieser Arbeit hat sie begonnen, als ich noch an der Uni Augsburg war, ist dann als Doktorandin mit mir an die Universität der Bundeswehr München gegangen und hat ihr Werk nun, noch kurz vor Ablauf meines ersten Jahres in Friedrichshafen, an der Zeppelin Universität erfolgreich zu einem Ende gebracht. Die Prüfung war bereits im Juli und nun ist die Arbeit online abrufbar – und zwar (vorübergehend bis die ZU dazu eigene Möglichkeiten hat) am Ort ihres Beginns: nämlich der Uni Augsburg (hier), womit sich der Kreis gewissermaßen schließt ;-).

Drei Stationen für eine Dissertation sind schon ordentlich. Zwei sind fast schon normal, wenn man die Fluktuation auf den Professuren bedenkt, die – so kommt es mir jedenfalls vor – heute zahlreicher sind als früher (was u. a. an der W-Besoldung und daran liegen dürfte, dass man versucht, sich mit jeder weiteren Berufung „hoch zu verhandeln“). Man findet dazu im Netz auch einige Tipps (z.B. hier), die zeigen, dass man in solchen Fällen des Wechsels entweder mit seinem Betreuer „mitgeht“ oder sich an der Universität, die dieser verlässt, einen neuen Betreuer sucht. Ich jedenfalls habe mich gefreut, dass immerhin fast (!) alle Doktoranden meine Wege mitgegangen sind, auch wenn das wirklich lästig ist, sich wieder in neue Promotionsordnungen einzuarbeiten und eventuell auch Neuerungen in Kauf zu nehmen.

Nun hoffe ich, dass Hannah den Startschuss für weitere baldige Promotionsabschlüsse gegeben hat – es stehen einige schon in den Startlöchern für den Endspurt und ich hoffe (optimistisch!), sie bleiben da nicht stecken!

KoA #009 – IBM auf dem absteigenden Ast?

Weiterbildungsblog - August 6, 2014 - 08:54

Dieser Link hat für mich zwei Funktionen: zum einen ist er eine Erinnerung an das Format “Podcast”, das in den letzten Jahren, zu Unrecht etwas in den Hintergrund gerückt ist; und zum anderen gibt es natürlich auch eine inhaltliche Seite, denn Simon Dückert und Ulrich Schmidt unterhalten sich in dieser 9. Episode von “Knowledge on Air” (KoA) vor allem über IBM und einen aktuellen Artikel von Steve Denning (”Why IBM Is In Decline”). Sehr informativ, mit viel Hintergrundwissen und kurzweilig.
Simon Dückert und Ulrich Schmidt, Knowledge on Air, #009, 31. Juli 2014

TED: Margaret Gould Stewart: How giant websites design for you (and a billion others, too) - Margaret Gould Stewart (2014)

TEDTalk - August 5, 2014 - 15:19
Facebook’s “like” and “share” buttons are seen 22 billion times a day, making them some of the most-viewed design elements ever created. Margaret Gould Stewart, Facebook’s director of product design, outlines three rules for design at such a massive scale—one so big that the tiniest of tweaks can cause global outrage, but also so large that the subtlest of improvements can positively impact the lives of many.

Refining the Definition of “Open” in Open Content

Weiterbildungsblog - August 5, 2014 - 06:28

Das Wort “open” begegnet uns ja auch in der Bildung auf Schritt und Tritt. So in “Massive Open Online Courses” und “Open Educational Resources”. Wer sich bereits etwas mit dem Begriff beschäftigt hat, weiß, dass “open” mehr als nur “frei” oder “kostenlos” bedeuten kann. Und hier beginnt auch die Diskussion: Was bedeutet “open”, wenn man Nutzern wirklich die größte Freiheit einräumen will, mit Inhalten, egal in welchem Medium oder Format, alles tun und lassen zu können? An dieser Stellen greifen die bekannten “5R activities”, für die David Wiley wirbt. Aber was ist mit Lizenzmodellen wie Creative Commons? Hier rät David Wiley ab: “The inclusion of requirements and restrictions in open licenses make open content less open than it would be without these requirements and restrictions.” Ein Thema mit mehr Facetten und Perspektiven, als es auf den ersten Blick scheint!
David Wiley, iterating toward openness, 1. August 2014

Klausuren am Computer: Durch die Prüfung klicken

Weiterbildungsblog - August 5, 2014 - 05:14

Ich verlinke diesen Artikel mit einem Augenzwinkern. Es geht um die “Zukunft der Universitätsprüfung”, die in Mainz offensichtlich schon begonnen hat. Seit zehn Jahren werden dort Prüfungen am Computer geschrieben. Derzeit sind es ca. 18.000 Klausuren im Semester, das entspricht etwa 25 Prozent aller schriftlichen Prüfungen. 14 Fragetypen stehen zur Verfügung. Die meisten schwärmen. An den letzten offenen Fragen wird gearbeitet.

“Um die elektronischen Prüfungen noch sicherer zu machen, plant das Zentrum für Datenverarbeitung Notebooks mit Blickschutzfiltern auszustatten. Das sind Kunststoffscheiben, die vor den Laptop-Monitor geklemmt werden und den Blickwinkel einschränken. Wer von der Seite auf die Lösungen seines Nachbarn schielt, erkennt nichts. Und die Software lässt sich so programmieren, dass jeder die Fragen in einer anderen Reihenfolge vorgelegt bekommt. Aber kann man wirklich die absolut schummelfreie Klausur schaffen?”
bildungsklick, 31. Juli 2014

TED: Shai Reshef: An ultra-low-cost college degree - Shai Reshef (2014)

TEDTalk - August 4, 2014 - 15:08
At the online University of the People, anyone with a high school diploma can take classes toward a degree in business administration or computer science — without standard tuition fees (though exams cost money). Founder Shai Reshef hopes that higher education is changing "from being a privilege for the few to a basic right, affordable and accessible for all."

Der Wertbeitrag von e-Learning

Weiterbildungsblog - August 4, 2014 - 10:30

Der Deutsche Tischtennisbund (DTTB) ist auf dem besten Weg, eine “lernende Organisation” zu werden, meint Frank Vohle (Ghostthinker) und zählt einige Projekte auf, die er in den letzten Jahren begleiten durfte. Und doch tut man sich schwer, diese Projekte und die mit ihnen verbundenen Anstöße und Veränderungen einzuordnen. Betriebswirtschaftlich ist es halt schwer zu fassen. Also helfen nur der Blick über den Tellerrand (Wissensbilanzen!?), ein ganzheitlicher Ansatz (Wissensmanagement”) sowie der Change als Daueraufgabe.
Frank Vohle, Spurensuche, 3. August 2014

Why lectures are dead (or soon will be)

Weiterbildungsblog - August 4, 2014 - 10:04

Man kann es auch etwas diplomatischer formulieren: Geht es um die Vermittlung von Informationen, gibt es heute viele Alternativen zur Vorlesung (und die meisten davon sind kostengünstiger). Wird es Vorlesungen in Zukunft also noch geben? Das hängt vom Beharrungsvermögen der einzelnen Bildungsinstitution und ihrer Leistungsträger ab. Dabei sieht Tony Bates auch für Vorlesungen durchaus einen Platz:

“This does not mean that lectures will disappear altogether, but they will be special events, and probably multi-media, synchronously and asynchronously delivered. Special events might include a professor’s summary of his latest research, the introduction to a course, a point mid-way through a course for taking stock and dealing with common difficulties, or the wrap-up to a course. A lecture will provide a chance for an instructor to makes themselves known, to impart their interests and enthusiasm, and to motivate learners, but this will be just one, relatively small, but important component of a much broader learning experience for students.”
Tony Bates, e-learning and distant education resources, 27. Juli 2014

The New and Improved Trainer Toolbox: Part 1/2

Weiterbildungsblog - August 4, 2014 - 09:03

Wenn sich Trainer mit den neuen Tools und Medien im Netz beschäftigen, bleibt es leider oft bei taktischen Fragen und Antworten: Was steckt hinter E-Learning? Oder: Wie funktionieren eigentlich Webinare oder die neue Lernplattform? Wenn Shannon Tipton hier von einer “Trainer Toolbox” spricht, dann geht es mehr um den Alltag des Trainers, um Dinge, die heute an vielen Stellen in der Bildung und Weiterbildung selbstverständlich sind, und um Kompetenzen, die jeder Trainer besitzen sollte. Vor diesem Hintergrund ist diese Liste zu lesen: von “1. blog” bis “10. subscribe to and manage Slideshare, YouTube, or other dynamic digital media”. Was diese (und andere) Einladungen jedoch nicht leisten können, ist eine Sortierung der unterschiedlichen Welten, in denen sich Trainer häufig bewegen: in Unternehmen, in Bildungsinstitutionen, als Selbständige. Das bestimmt natürlich, wie man diese Tools und Medien strategisch, professionell und ressourcenschonend einsetzt.
Shannon Tipton, ATD/ Learning Technologies Blog, 21. Juli 2014 (Part 1)
Shannon Tipton, ATD/ Learning Technologies Blog, 29. Juli 2014 (Part 2)

Learning theories and online learning

Weiterbildungsblog - August 1, 2014 - 09:10

Tony Bates schreibt gerade ein Buch (”Teaching in the Digital Age”) und stellt dieses Kapitel schon einmal zur Diskussion. Es beschreibt kurz die üblichen Verdächtigen, von Behaviourism bis Connectivism, bleibt aber in einigen grundsätzlichen Fragen sehr vage: zum Beispiel, was das Nebeneinander dieser vielen Theorien betrifft, ihre Bedeutung in der Praxis bzw. ihre Abgrenzung zu didaktischen Fragen. Das Foto, das diesen Beitrag einleitet und das eine Gruppe von Erwachsenen diskutierend an runden Tischen zeigt, bringt in der Bildunterschrift diese Fragezeichen ungewollt, aber sehr schön auf den Punkt: “Figure 3.3. Adults learning in groups in a constructivist manner - and assisted by technology” (!?)
Tony Bates, e-learning and distant education resources, 29. Juli 2014

MOOCs4D: Potential at the Bottom of the Pyramid

Weiterbildungsblog - August 1, 2014 - 07:58

Am 10./ 11. April 2014 fand die “MOOCS4D” an der University of Pennsylvania in Philadelphia statt. Wie der Titel der Konferenz andeutet, standen die Herausforderungen, Bedürfnisse, aber auch Bedenken der “developing world” im Vordergrund: “With such a rapid worldwide expansion, there are concerns about the relevance of content offered, languages of instruction, how to meet diverse learning needs, cultural differences in teaching, and accessibility in various regions with poor telecommunications infrastructure.”

Der Report zeichnet die Diskussionen und Beiträge der Plenary Sessions und Panels ausführlich nach. Das eröffnet Einblicke in das, was heute schon in vielen Projekten weltweit mit Hilfe von Online-Medien umgesetzt wird, aber auch, vor welchen Herausforderungen und Grenzen die Initiatoren solcher Projekte häufig stehen. (via Inge Ignatia de Waard)

Penn University, Juli 2014 (pdf)

Den Anforderungen an eine Professur nicht gewachsen

Gabi Reinmann - August 1, 2014 - 05:41

Forschendes Lernen im Studium“ – das Buch mit diesem Obertitel, herausgegeben von Ludwig Huber, Julia Hellmer und Friederike Schneider, ist bereits fünf Jahre alt (erschienen 2009 im UniversitätsVerlagWebler Bielefeld). Ich hatte mich damals sehr gefreut, einen Beitrag beisteuern zu dürfen, nämlich den Text „Wie praktisch ist die Universität? Vom situierten zum Forschenden Lernen mit digitalen Medien“. Nun habe ich das Buch wieder mal in der Hand gehabt und nochmal den Beitrag von Stefan Kühl gelesen. Der Titel lautet: „Forschendes Lernen und Wissenschaftsbetrieb. Zur Erfahrung mit einem soziologischen Lehrforschungsprojekt“ (S. 99-113). Ich möchte auf diesen noch einmal aufmerksam machen, weil er aus meiner Sicht sehr gut auf ein paar grundlegende Probleme aufmerksam macht, die aufwändige didaktische Szenarien in der Hochschullehre mit sich bringen – und dazu zählt auch das forschende Lernen im Sinne der Integration von Forschungsprojekten in die Lehre.

Kühl beschreibt in dem Text sein „hochschuldidaktisches Experiment“, das er „Lehrforschung extrem“ genannt hat. Gemeint ist damit, dass hier tatschlich versucht wurde (Kühl spricht von „Radikalisierungen“), ein typisches Forschungsprojekt mit Forschungsantrag und Finanzierungsbemühungen, mit einer Präsentation der Ergebnisse auf einer Tagung und mit abschließenden Publikationen in Form von Artikeln in der Lehre umzusetzen, was dank einer Stiftung auch annähernd gelungen ist.

Auf den ersten Blick, so Kühl, könne man das Experiment sogar für gelungen halten: Es wurden von allen studentischen Kleingruppen Berichte erstellt, die Ergebnisse wurden vor Fachpublikum vorgetragen, Review-Prozesse zu den Artikeln zeigten, dass gar Publikationswürdiges dabei war. Trotzdem hält Kühl das Projekt für weitgehend gescheitert. Warum?

Zunächst einmal habe die Veranstaltung polarisiert wie keine andere: Sehr arbeitsintensiv, aber auch sehr lehrreich fanden die einen die Veranstaltung, extrem unzufrieden äußerten sich die anderen – auch mit fast schon beleidigenden Kommentaren nach dem Motto „der Lehrende ist den Anforderungen an eine Professur nicht gewachsen“. Des Weiteren kostete das Experiment viele Ressourcen bei den Studierenden, die Kühl aber als nicht sinnvoll investiert einschätzt: „Die Auseinandersetzung mit den ungewohnten Lehr-, Lern- und Beurteilungsformen absorbierten bei einigen Studierenden im Laufe der Lehrforschung deutlich mehr Energie als in den üblichen Seminaren“ – zu Lasten der Auseinandersetzung mit der Sache, wie Kühl (S. 106) deutlich macht. Interessanterweise korrelierten auch die Vorkenntnisse und Vorerfahrungen der Studierenden nicht mit der Qualität der resultierenden Leistungen. Schließlich war auch der Aufwand für den Lehrende immens – bei gleichzeitig geringen eigenen Lerneffekten, so Kühl.

Der Autor selbst erklärt sich das aus seiner Sicht vorliegende Scheitern mit drei grundlegenden Schwierigkeiten oder besser Spannungsmomenten, die entstehen, wenn man forschendes Lernen in Form von möglichst authentischen Forschungsprojekten in heutigen Bachelor- und Masterstudiengängen umsetzen will:

Erstens die Spannung zwischen wissenschaftlichem Peer Review-Wesen und Benotung von Studienleistungen: Kühl macht deutlich, dass es hier vor allem deswegen zu Schwierigkeiten kommt, weil die „Währung“ unklar ist. An sich müsste die kollegiale Kritik die Währung sein, ist es doch auch die im Wissenschaftssystem. Es schiebt sich aber die Notenwährung dazwischen, denn Noten sind nötig (z.B. wegen der Prüfungsordnung) und/oder werden von den Studierenden eingefordert, weil sich die Mühe ja lohnen muss. Allerdings werden Noten, wenn sie denn sachlich begründet vergeben werden und das ganze Spektrum ausschöpfen, als zu streng kritisiert – so die Erfahrung des Autors.

Zweitens die Spannung zwischen kooperativen Produktionsformen im wissenschaftlichen Kontext und individueller Zurechnung von Leistungen: Forschung vollzieht sich oft in kooperativen Settings, in denen entsprechend auch „Kollektivgüter“ erbracht werden. „Die interessante Erfahrung dieser Lehrforschung war, dass ein Teil der Studierenden die Erstellung dieser von allen zu nutzenden Kollektivgüter …nicht als Teil der Projektarbeit betrachtete, sondern als eine individuell in Notenform zu vergütende Leistung“ (S. 110).

Drittens die Spannung zwischen selbstorganisierter Wissensproduktion und Zwangszuweisung zu Seminaren. Dies war zumindest bei dieser Veranstaltung der Fall, was zur Folge hatte, dass es von Anfang an Studierenden gab, die ihren Unwillen und ihre Unzufriedenheit auch offen zur Schau gestellt hätten.

Kühls Fazit: „Je stärker eine Veranstaltung in Richtung wissenschaftliche Forschung getrieben wird, desto stärker gerät sie mit einer zunehmend verschulten, durch verpflichtende Veranstaltungen und permanente Benotung geprägten Studienstruktur in Konflikt“ (Kühl, 2009, S. 112).

Ich mache hier noch einmal auf diesen schon etwas älteren Beitrag aus zwei Gründen aufmerksam: Zum einen finde ich es sehr wichtig, Erfahrungen dieser Art öffentlich zu machen – auch mit der subjektiven Deutung der Ergebnisse. Es ist hilfreich, nicht nur Erfolge, sondern auch weniger erfolgreiche Ausgänge von didaktischen Experimenten zu teilen! Zum anderen kenne ich selbst sehr gut, was Kühl hier schreibt. Im Prinzip gilt das keineswegs nur für Szenarien forschungsorientierter Lehre, sondern für alle didaktischen Szenarien, die neue und damit oft erwartungswidrige Wege beschreiten und auf Seiten der Lehrenden und Studierenden besonderen Aufwand und Offenheit erfordern. In meinen eigenen „Lehrexperimenten“ (in Augsburg und München) habe ich ganz ähnliche Erfahrungen gemacht und ich kann Kühl daher sehr gut verstehen, wenn er dem eigenen Versuch im Nachhinein skeptisch gegenübersteht.

Die mich interessierende Frage ist: Was folgt daraus? Sollte man forschungsorientierte Lehre im Sinne der Integration von Forschungsprojekten (es gibt noch andere Varianten forschungsorientierter Lehre) einfach bleiben lassen oder allenfalls auf die Bachelorarbeit (oder Masterarbeit) begrenzen? Oder sollte man eine forschungsorientierte Lehre einfach mal gegen alle Widerstände „durchziehen“, um einen Unterschied universitärer Lehre zu anderen Bildungsinstitutionen deutlich zu machen und zu „verteidigen“? Oder sollte man Studierenden verschiedene Pfade anbieten und z.B. zu Beginn des Studiums eine Entscheidung einfordern: „forschungsorientiert oder nicht“? Oder welche anderen Möglichkeiten gäbe es? Ich habe noch keine klare Position, bin hier schwankend, tendiere mal zum einen, mal zum anderen, komme dann auf komplizierter Differenzierungen und ende meist bei der Erkenntnis, dass wir hier eine mehrfaktorielle Herausforderung haben. Um dieser er verantwortungsvoll zu begegnen, wären wohl viel mehr Aufmerksamkeit und Ressourcen erforderlich als wir es bisher gemeinhin dafür aufbringen.

How to Conduct a Learning Audit

Weiterbildungsblog - Juli 31, 2014 - 14:21

“A learning audit”, so Will Thalheimer, “is a systematic review of a learning program to determine the program’s strengths and weaknesses”. Learning Audits finden immer wieder mal statt, werden aber selten beim Namen genannt. Oft heißt es eher formlos: “Bitte schauen Sie sich doch unser Programm an und sagen Sie uns, was wir verbessern können!” In der Regel sind Audits, die den Namen verdienen, systematische und standardisierte Prozesse, die in einem Qualitätssiegel, einer Akkreditierung oder einer Zertifizierung münden. Solche Qualitätssiegel sind jedoch in Corporate Learning rar. Um das Thema E-Learning herum sind beispielsweise vor zehn Jahren einige Initiativen entstanden, von denen die meisten längst eingeschlafen sind. Andere Audits sind Angebote einzelner Standesorganisationen und Bildungsträger wie z.B. CLIP/ EFMD.

In diese Gemengelage fällt also die vorliegende Handreichung. Sie beschreibt in 19 ausführlichen Schritten den Prozess eines Learning Audits und unterstreicht die Bedeutung eines systematischen Vorgehens. Das Thema verdient in jedem Fall Aufmerksamkeit.
Will Thalheimer, LearningAudit.com, 30. Juli 2014

Preparing your workforce for tomorrow

Weiterbildungsblog - Juli 31, 2014 - 06:30

Ein kurzer Beitrag mit einer einfachen, aber treffenden Frage bzw. Botschaft: Wie sieht eigentlich das Problem aus, das gelöst werden soll? Geht es darum, Sicherheit in der Anwendung eines Systems oder Prozesses zu gewinnen und Fehler zu vermeiden? Dann sind Training und Schulungen, wie wir sie kennen, wahrscheinlich die richtige Antwort. Oder geht es darum, komplexe Probleme zu lösen, die es so in der Vergangenheit noch nicht gab? Dann benötigen wir flexible Instrumente, um neue Wege zu finden, neue Erfahrungen zu sammeln und uns über diese Erfahrungen auszutauschen. Harold Jarche:

“As more work becomes customized, traditional training and  performance improvement that supported standardized work need to be heavily reinforced with social, collaborative, knowledge-sharing structures.”
Harold Jarche, Blog, 21. Juli 2014

The case for Guided Social Learning Experience Design

Weiterbildungsblog - Juli 30, 2014 - 15:48

Jane Hart geht auf die Schwierigkeit ein, Social Learning in Unternehmen einzuführen und zu unterstützen. Denn es geschieht, so die Beobachtung, nicht einfach so; es braucht ein gemeinsames Thema oder Projekt, an dem Mitarbeiter oder Teams arbeiten. Dafür schlägt sie L&D einen “semi-structured way” vor, den fünf Merkmale kennzeichnen. Zwei davon möchte ich hier kurz festhalten:

“1. scaffolding a learning framework where both planned and serendipitous learning can take place through the sharing of ideas and knowledge – rather than “packaging” up a comprehensive, “all-singing, all-dancing” learning solution

3. supporting the activities with content (both expert- and user-generated) – rather than the content being the focus and driving force”.

Jane Hart, Learning in the Modern Social Workplace, 29. Juli 2014

The Knowledge Management Genius of Amazon.com

Weiterbildungsblog - Juli 29, 2014 - 20:26

Amazon als Modell? Ich glaube, Amazon lebt heute vor allem als Marke, der man vertraut (Sicherheit, Zuverlässigkeit, Service), und von dem Umstand, dass man bei Amazon inzwischen fast alles findet. Einige der Punkte, die Marc Rosenberg als “advanced knowledge-management (KM) techniques” aufzählt, sehe ich zum Teil zwiespältig, wie z.B. eine “almost magical personalization”. Trotzdem setzt Amazon Maßstäbe, an denen sich auch Lernumgebungen orientieren können. Marc Rosenberg zählt auf:

- One portal, one interface
- Consistent presentation
- Modular content
- Distributed upstream content creation
- Almost magical personalization
- Crowdsourcing
- Insanely easy and consistent transactions
- Subscriptions, alerts, and reminders
- Feedback
- Reduced servicing
- Performance-centered
- Great online help
- Mobility
Marc Rosenberg, Learning Solutions Magazine, 29. Juli 2014

Rückblick auf das Sommersemester 2014: Forschungswerkstatt Schulentwicklung

head.zblog - Juli 29, 2014 - 19:44

Mit den heutigen mündlichen Prüfungen ist für mich nun das Sommersemester 2014 – zumindest in der Präsenzeit – fast vorbei. Zeit, ein wenig zurück zu schauen. Das letzte Semester stand dabei vor allem im Zeichen von Schulentwicklung und forschendem Lernen, und dies auf ganz unterschiedlichen Ebenen. Neben Input im Fernstudiengang Schulmanagement zu dieser Thematik hat mich vor allem die Forschungswerkstatt Schulentwicklung beschäftigt, die ich an mein Seminar „Aktuelle Trends und Herausforderungen der Schulentwicklung“ angedockt hatte.Im Gegensatz zu Forschungswerkstätten, die man aus der Lehrerbildung kennt, forschen aber in dieser nicht die Lehramtsstudierenden zu Themen aus dem Bereich Schulentwicklung, sondern die Schülerinnen und Schüler. Zusammenfassen kann man die Idee der Forschungswerkstatt folgendermaßen:

In der „Forschungswerkstatt Schulentwicklung“ erforschen Schülerinnen* in kleinen Forschungsgruppen die eigene schulische Praxis. Die Forschungsgruppen bieten den Schülerinnen Raum, um eigene Fragen zu stellen und Phänomene zu untersuchen. Sie lernen so Methoden der Sozial- und Bildungswissenschaften in der Schule kennen und erwerben dabei propädeutische und forschungsorientierte Kompetenzen. Gleichzeitig werden die Schülerinnenbefähigt, eine reflektierte Haltung gegenüber der Institution Schule zu entwickeln und sie sozialwissenschaftlich zu erforschen, aber auch mit zu gestalten.
Unterstützung erhalten die SchülerInnen durch Masterstudierende des Seminars „Schulentwicklung“. Die Studierenden bieten zunächst Grundlagen zum Einstieg in Schulentwicklung und das Forschen an und stehen während des Forschungsprozesses als Coach für Fragen und Probleme zur Verfügung. Studierenden erhalten so einen Blick in die (Schul-)Praxis und erweitern ihr Wissen sowohl im Bereich Schulentwicklung aber auch hinsichtlich sozialwissenschaftlicher Forschungsmethoden sowie deren Umsetzung.
 Die Funktion als Lernbegleiter ermöglicht es den Studierenden ihr didaktisches Repertoire zu erweitern sowie bisherige Methoden und Kompetenzen weiterzuentwickeln und zu festigen.

Da die Pilotschule des ersten Durchgangs in Landau war, musste das Coaching auf elektronischem Wege geschehen, was sich als nicht ganz einfach herausstellte. Es war doch mehr Einarbeitung nötig als erwartet. Gespannt war ich vor allem, welche Themenbereiche Schülerinnen untersuchen wollten. Folgende Themen haben sich die einzelnen Schülergruppen dann ausgesucht: Mittel und Methoden zur Stärkung des Zusammengehörigkeitsgefühls am Beispiel von Schulkleidung, Auswirkungen von Mitbestimmung im Unterricht auf das Klassenklima, Fragen zur Integration von Allgemeinwissen in den Unterricht, Fragen zur Überlastung im Unterricht sowie Fragen zur Motivation von Schülerinnen im Unterricht. Zu den einzelnen Themen planten die Schülerinnen dann Umfragen an der Schule, die sie im Anschluss mit Studierenden auswerteten. Ich freue mich schon, wenn die Schülerinnen ihre Ergebnisse dann auf der Tagung im Oktober auch mit der Öffentlichkeit teilen. Ebenso bin ich gespannt, welche Auswirkungen die Forschungswerkstatt an der Pilotschule hat, dazu vielleicht später mehr. Doch wie ist dieses Format eingeschätzt worden?

Die Rückmeldungen der Schülerinnen zur Forschungswerkstatt waren durchaus ambivalent: So haben viele auf der einen Seite das Forschen an eigenen Themenstellungen genossen. Auf der anderen Seite gestaltete sich aber neben der Forschungstätigkeit  die Zusammenarbeit mit den Studierenden als herausfordernd, angefangen von Austauschzeiten bis hin zur Kommunikationsform. Die unterschiedlichen Schul- und Unilogiken waren dabei auf vielen Ebenen spürbar.

Aber auch die Studierenden erlebten das Seminar als Herausforderung, brach es doch mit Vorstellungen und bisherigen Erfahrungen universitärer Lehre, die die Studierenden in der gemeinsamen Nachbesprechung als „Referate-Absitzen“ bezeichneten. In diesem Seminar mussten sie Verantwortung sowohl für die inhaltliche Ausgestaltung als auch für Schülerinnen übernehmen und waren konfrontiert mit einem Projekt, in dem nicht immer alles rundlief. Umso erfreulicher eine Rückmeldung aus dem Seminarbogen: „Im Seminar habe ich gelernt, wie man mit Problemen umgeht”.

Und nicht zuletzt für mich war das Seminar eine Herausforderung, zum einen im Handeln an der Schnittstelle zwischen Schule und Hochschule, zum anderen war ich auch immer wieder hin- und hergerissen zwischen Offenheit und Kontrolle, zwischen Laufenlassen und Einfangen – ein Balanceakt, der aber auch nochmals die Chance bot, mit den Studierenden, immerhin angehenden Lehrpersonen, quasi am Modell zu reflektieren.

Umso mehr freue ich mich daher, dass ich die Forschungswerkstatt im Wintersemester fortsetzen werde und die Anregungen zu Verbesserung von Schülern und Studierenden mitnehmen und umsetzen kann – mit einer neuen Gruppe Schülerinnen und Schüler, neuen Lehrpersonen und neuen Studierenden. Die Vorbereitungen laufen so langsam an.

*Es war in der Tat eine reine Mädchenklasse – auch eine neue Erfahrung für mich.

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