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The jobs we'll lose to machines -- and the ones we won't | Anthony Goldbloom

TEDTalk - August 8, 2016 - 14:51
Machine learning isn't just for simple tasks like assessing credit risk and sorting mail anymore -- today, it's capable of far more complex applications, like grading essays and diagnosing diseases. With these advances comes an uneasy question: Will a robot do your job in the future?

Sommersemester und Sendepause

Sandra Hofues - August 3, 2016 - 14:44

Mit dem Zurückdatieren von Beiträgen habe ich es nicht so. Aber eigentlich wäre es dafür an der Zeit, denn: Das Semesterende liegt inzwischen zwei Wochen zurück. Dennoch will ich an dieser Stelle eine kurze Notiz zum Sommersemester hinterlassen, war es doch für mich ein abwechslungsreiches zweites Semester in Köln. Gerade die Lehrveranstaltungen haben mich in diesem Semester herausgefordert. U.a. galt es, zwei komplexe inhaltliche Überlegungen ins Korsett einer semesterweisen Lehrveranstaltung zu gießen und zu planen. Herausgekommen sind eine problem- und eine forschungsorientierte Veranstaltung. Beide mit Fokus Medien, klar.

Die Seminare hätten unterschiedlicher kaum ausfallen können, da in der problemorientierten Variante primär offene Bildungsressourcen (OER) produziert werden sollten. Das Setting war entsprechend so angelegt, dass am Ende „etwas rauskommt“ (siehe OER-Blog). In der forschungsorientierten Veranstaltung ging es darum, eigenen Forschungsfragen innerhalb zweier (formaler und informeller) Kontexte nachzugehen (siehe Kontexte-Blog). Das Ende war hier, wenn man so will, offen: Natürlich kann ich Forschungsergebnisse nicht in gleicher Form vordefinieren, wie dies bei Medienprodukten der Fall ist. Dennoch haben beide Lehrveranstaltungen eine Gemeinsamkeit: Sie haben Studierende dazu angeregt, sich selbst Gedanken zu machen, ihrer Kreativität freien Lauf zu lassen und ihre Ergebnisse selbst zusammenzustellen und schließlich zu präsentieren. Kein Wunder, dass es für viele Studierende im OER-Seminar als riesige Wertschätzung empfunden wurde, dass gleich sechs Jury-Mitglieder „für sie“ zu Gast waren. Dass mir solche Veranstaltungen mit anderen auch viel Spaß machen, sei nur nebenbei bemerkt. Ein großer Dank daher an alle Mitwirkenden.

Auch sonst laufen die Aktivitäten in Köln langsam an. Projekte und Projektvorhaben mehren sich genauso wie die internen Aufgaben. Aber das ist auch ganz normal, denn die „Schonfrist“ des ersten Semesters ist lange passé. Besonders freue ich mich daher, dass ich im Sommersemester viele weitere Kolleg*innen kennenlernen konnte und sich so manche Idee für Kooperationen ergeben hat – nicht zuletzt im Forschungskolloquium Medienpädagogik, dass ich grandios fand und wo ich auf Weiterführung mit den Kolleg*innen der TH hoffe.

Ganz praktisch werde ich ab dem nächsten Semester an der Universität zu Köln u.a. die Online-Vorlesung Unterrichten übernehmen, die – unter mediendidaktischen Gesichtspunkten – einer dringenden Rekonzeption bedarf. Grund hierfür ist die Abschaffung der Anwesenheitspflicht in Köln/NRW, die massive Auswirkungen auf Prüfungen bzw. erlaubte Assessmentformen hat. Aktuell werden noch zwei Artikel finalisiert, bis ich dann endlich in die Sommerpause gehen darf.

Mit der GMW’16 melde ich mich Ende August aus Innsbruck zurück. Bis dahin habe ich (vielleicht ;-)) auch den Tagungsband gelesen.

Almaty, Kasachstans heimliche Haupstadt am Fuße des Tien Schan Gebirge

Tamara Specht - Juli 31, 2016 - 16:56

Nach Astana, Alexejewka und Borowoje steht noch ein letztes Ziel auf unserer Kasachstan-Reise: Almaty, die alte und bis heute heimliche Hauptstadt am Fuße des nördlichen Tien Schan Gebirges. Als Kind bin ich hier leider nie gewesen. Kein Wunder, Almaty liegt rund 1300 Kilometer von meiner alten Heimatstadt entfernt. Da wir aber unbedingt das Tien Schan Gebirge sehen wollen, steht außer Frage, dass wir nach Almaty müssen. Da man selbst mit dem schnellsten Zug über 12 Stunden für die Strecke braucht, entscheiden wir uns, von Astana aus zu fliegen, zumal die Flüge auch sehr günstig sind. Und schon der Anflug auf Almaty ist beeindruckend. Denn direkt hinter der Stadt erhebt sich die gewaltige Kulisse der Bergriesen, die bis über 4.000 Meter hoch sind.

Wir verlieben uns sofort in diese Stadt. Im Gegensatz zu Astana spürt man in Almaty das Leben, mit rund 1,7 Millionen Einwohnern ist sie die größte Stadt Kasachstans. Und sie blickt auf eine lange Geschichte zurück. Sie wurde nicht innerhalb der letzten zehn Jahre komplett neu erbaut und das sieht man auch. Alte und neue Gebäude prägen das Stadtbild, unterschiedlichste Architekturstile treffen hier aufeinander. Als Almaty noch Hauptstadt war, hieß die Stadt Alma Ata, was übersetzt in etwa “Vater des Apfels” heißt. Denn von hier kommt ursprünglich der Apfel und auf ihn trifft man überall in der Stadt.

Ein berühmtes Wahrzeichen der Stadt ist der 1.130 Meter hohe Hausberg Kök Töbe mit dem Fernsehturm. Mit der Seilbahn fahren wir auf den Berg, genießen die wundervolle Aussicht und ein leckeres kasachisches Abendessen. Insgesamt können wir über das Essen nicht klagen. In Kasachstan kriegt man fast überall sehr gutes Essen zu meist mehr als akzeptablen Preisen. Wenn es mal etwas mehr kostet, so liegt das eher daran, dass das Restaurant etwas teureres Geschirr besitzt. An der Qualität des Essens ändert der Preis nichts.

Während wir oben auf dem Kök Töbe den Abend ausklingen lassen und den Sonnenuntergang über der Stadt genießen, braut sich ein gewaltiges Gewitter auf. Wir schaffen es gerade noch rechtzeitig, uns ins halbwegs Trockene zu retten und warten das Gröbste ab, bevor wir wieder die Seilbahn nach unten nehmen. Dort müssen wir uns von Wladimir, dem Betreiber des Gasthauses, in dem wir untergekommen sind, abholen lassen. Denn an diesem Abend waren wir auf Gewitter mit Regen nicht eingestellt. ^^

In den nächsten Tagen erkunden wir den Grünen Markt sowie einen der größten Basare Zentralasiens, Baracholka. Es gibt quasi nichts, was man hier nicht kaufen könnte. Für mich ist besonders der Stoffmarkt ein Paradies, denn ich nähe unheimlich gerne. Direkt an der alten Seidenstraße kann man sehr gute und preislich attraktive Stoffe kaufen. Jedoch setzt mir das Höchstgewicht, das unser Gepäck haben darf, dann doch Grenzen. ^^

Neben den Märkten schauen wir uns die anderen Sehenswürdigkeiten der Stadt an: das Haus der Stoffe, das seit 1896 besteht, den Park der 28 Panfilov-Gardesoldaten, die Himmelfahrtskathedrale, den Platz der Republik, den Zentralen Kultur- und Erholungspark, auch Gorkij-Park genannt.

Doch am meisten freuen wir uns auf den Ausflug in das Gebirge. Wie praktisch, dass wir bei der Autovermietung statt des bestellten Kleinwagens einen Geländewagen bekommen. Den hätten wir in Astana und Alexejewka zwar deutlich besser brauchen können, denn in Almaty und auch im Gebirge sind die Straßen in erstaunlich gutem Zustand. Aber praktisch ist der Wagen schon. Und so fahren wir zunächst raus zur berühmten Eisschnellaufbahn Medeo. Von dort geht es mit mehreren Seilbahnen ganz nach oben auf 3.200 Meter Höhe, auf den Shymbulak – im Winter ein beliebtes Skigebiet. Aber auch jetzt im Sommer immer einen Ausflug wert. Hier im Gebirge bietet sich uns ein atemberaubender Blick. Wir schauen auf ganz Almaty und das dahinterliegende Umland. Und hinter uns erheben sich noch höhere Berge. Und dann entdecken wir auf einer Anhöhe einige Yaks! Egal, wie dünn die Luft hier oben ist, Flo und ich lassen es uns nicht nehmen, uns diese Tiere aus der Nähe anzuschauen. Wann hat man denn jemals wieder eine Gelegenheit dazu?

Der Ausflug in die Berge ist ein wirklich tolles Erlebnis, das wir drei sicherlich nicht so schnell vergessen werden und das nur schwer zu beschreiben ist. Das tröstet auch darüber hinweg, dass ausgerechnet an diesem Tag sowohl mein Vater als auch ich unsere Ersatzakkus für die Kameras vergessen haben. Für die wichtigsten Aufnahmen reicht es zum Glück noch.

Und weil es so schön ist in den Bergen, fahren wir am Tag darauf zum großen Almatiner See auf 2.500 Metern Höhe. Diesmal sind die Kameras geladen. Leider gelingt es mir trotzdem nicht, den kasachischen Steinadler, der über uns seine Kreise dreht, zu erwischen. Bin wohl zu sehr mit Starren beschäftigt, so eindrucksvoll ist es, diesen riesigen Vogel in freier Wildbahn zu erleben. Bislang kannte ich ihn lediglich aus dem Münchner Zoo. Der See ist aber auch beeindruckend. Entstanden ist dieser See wohl vor rund 2.000 Jahren durch Spaltenbildung nach einem Erdbeben. Folgt man der Straße, die am See vorbeiführt, kommt man schnell an die kirgisische Grenze. Da wir dafür aber kein Visum haben, fahren wir wieder zurück und genießen einen sonnigen Abend in der Stadt. Nachdem wir schon einige der kasachischen Nationalspeisen wie Beschbarmak, Plow, Manti, Lagman und Baursaki probiert haben, trauen Flo und ich uns am letzten Abend noch, das Nationalgetränk Kumys zu probieren – vergorene Stutenmilch. Sagen wir mal, es war ein spezielles Erlebnis, der Geschmack ist doch sehr gewöhnungsbedürftig. Da bin ich nicht traurig, dass Papa den Rest von meinem Kumys trinkt.

Und schon geht unser Urlaub zu Ende. Die Reise in die Vergangenheit war aufregend, anstrengend, schön und sehr erlebnisreich. Mehr hätten wir in den zwei Wochen wohl kaum machen können. Aber es gibt noch so vieles in diesem großen Land, dass wir noch sehen wollen. So befindet sich der zweitgrößte Canyon “nur” rund 250 Kilometer östlich von Almaty im Scharyn Nationalpark. Nur um mal eines der Ziele zu nennen, die noch auf uns warten. Daher steht am Ende für uns fest: Dieses Land hat uns nicht zum letzten Mal gesehen!

Blogpause – wie jedes Jahr

Gabi Reinmann - Juli 30, 2016 - 08:57

Auch im August 2016 ist wieder Blogpause. Im September 2016 geht es weiter. Bis dahin allen noch schöne Tage!

Eine zu respektierende Entscheidung

Gabi Reinmann - Juli 28, 2016 - 15:10

Ich bin Psychologin – „von Haus aus“, wie man so schön sagt. 1990 habe ich mein Diplom gemacht. Und sogar meine Habilitation fand immerhin (2000) noch in der Psychologie statt. Aber von einer „theoretischen Psychologie“ hatte ich nie (bewusst) gehört. Psychologie war für mich immer eine „empirische Wissenschaft“. Und heute ist sie eine naturwissenschaftlich-empirische Wissenschaft, und den Dr. phil. (wie meiner noch lautet) gibt es vermutlich auch kaum noch irgendwo in der Psychologie. Und jetzt, 2016, lese ich dieses Buch von Uwe Laucken mit dem spröden Titel „Theoretische Psychologie“ – und von einem spröden Text kann nicht die Rede sein. 434 Seiten – unscheinbar gedruckt an der Universität Oldenburg, gebunden wie eine Dissertation, die vor allem dazu bestimmt ist, im Regal zu stehen. Wie schade! Denn dieses Buch hat mich beeindruckt; dieses Buch sollte genau nicht im Regal verstauben, sondern gelesen werden; dieses Buch hat mir „meine“ Psychologie wieder ein bisschen zurückgegeben.

Aber von vorne. Worum geht es? Der Kern des Buches dreht sich um drei Denkformen: die physische, die semantische und die phänomenale; dazu gehören drei verschiedene Sozialpraxen. Erklärt und erläutert werden die drei Denkformen und Sozialpraxen nicht nur, aber vor allem anhand des Gebiets „Gefühle“ – einem Gebiet, das insbesondere um die Jahrtausendwende zunehmend durch die Neuropsychologie und Neurowissenschaften unter Beschuss geraten ist (prominentes Beispiel: die neuwissenschaftliche Entlarvung des freien Willens als Illusion).

Interessant ist schon mal die Entstehungsgeschichte des Buches: „Der Inhalt dieses Buches ist über Jahre hinweg entstanden. Gedanken- und texterzeugender Motor waren Seminare, die ich im Rahmen des Grundlagenvertiefungsfaches ´Emotion und Kommunikation´ abgehalten habe.“ (S. 11)*. Den Aufbau seines Buches umschreibt Laucken so: (1) gedankliche Unordnung zeigen – (2) Ordnung durch Unterscheiden schaffen – (3) das Unterschiedene aufeinander beziehen – (4) Unordnung klären (S. 13). Das heißt: Es geht in diesem Buch viel darum, Begriffe zu klären und zu sortieren, logische Ebenen auseinanderzuhalten und konsistente Argumentationen aufzubauen. Das also muss man schon gutheißen, wenn man zu diesem Buch greift.

Bevor Laucken zum Kern – zu den drei Denkformen – kommt, liefert er erstens exemplarisch Belege für seine These, dass eine theoretische Psychologie notwendig ist. Zweitens unternimmt er ein paar Setzungen zu der Frage, was genau wissenschaftliches Erkennen ist, und stellt angesichts der „forschungspraktischen Unbekümmertheiten“ (S. 52), die allenthalben zu beobachten sind, klar: Auseinanderzuhalten sind Objekte des Erkennens (Gegenstände), Mittel des Erkennens (Methoden) und Ergebnisse des Erkennens – und zwar als „basissemantische Leerstellen“. Strukturierender Kern einer jeden Denkform sei der sie kennzeichnende Gegenstand des Erkennens; die Mittel und Ergebnisse unterscheiden sich ebenfalls, entfalten sich aber vorrangig um den Gegenstand herum (S. 46 f.). Die praktische Relevanz der drei Denkformen berücksichtig Laucken über drei dazugehörige Sozialpraxen.

Der Kern des Buches ist entsprechend in drei große Teile untergliedert: (1) die physische Denkform der Naturwissenschaften, deren gemeinsamer Gegenstand(smodus) die materielle Welt (Dingwelt, Körperwelt) bzw. das physische Sein ist, innerhalb dessen man etwas berechnet und misst, Vorhersagen trifft und herstellt; (2) die semantische Denkform, deren Größen in Bedeutung, Sinn und Inhalt liegen, und die in das semantische Sein mündet, innerhalb dessen man inhaltliche Differenzen feststellt, gestaltet, beeinflusst und regelt; (3) die phänomenale Denkform, die in der Formulierung „erlebend-gelebtes In-der-Welt-Sein“ (S. 320) sicher erst einmal am schwersten nachzuvollziehen ist (doch verständlich wird das, wenn Laucken diesen „Kosmos“ anhand von Gefühlen als phänomenale Einheiten aufzeigt); hier geht es um erlebte und gelebte Sinneinheiten, um reflexives Begreifen bzw. Verstehen.

Jede Denkform verfolgt nach Laucken eigene Formen von Zusammenhängen und Erkenntnisergebnissen: bedingungskausale Zusammenhänge in der physischen Denkform (z.B. Ursache-Wirkungsbeziehungen zwischen neuronalen Erregungen) mit dem Ziel Gesetzesordnungen zu erstellen; verweisungskausale Zusammenhänge in der semantischen Denkform (z.B. Wenn-Dann-Beziehungen zwischen psychischen Zuständen und Handlungen) mit dem Ziel, Verweisungsordnungen zu erstellen; und sinnkausale Zusammenhänge in der phänomenalen Denkform (z.B. Beziehungen zwischen Situationen und dem Erleben von Handlungen) mit dem Ziel, Sinnordnungen herzustellen. Die Erkenntnismittel sind in allen drei Denkformen vielfältig, bisweilen auch ähnlich oder gar gleich. Und immer wieder weist Laucken darauf hin, dass die Mittel nicht mit dem Gegenstand gleichgesetzt werden dürfen. Am Ende des Buches diskutiert Laucken die möglichen Beziehungen zwischen den drei Denkformen.

Ich habe das Buch einmal in der Gänze gelesen. Ich werde es sicher nochmals zur Hand nehmen, denn die Ausführungen zur physischen, semantischen und phänomenalen Denkform inklusive der damit verbundenen Sozialpraxen scheinen mir auch für die Hochschuldidaktik fruchtbar zu sein, denn: Zum einen haben Lehren und Lernen selbstverständlich immer auch mit psychologischen Faktoren zu tun, auf die Laucken sich konzentriert. Zum anderen sind seine Ausführungen ohnehin grundlegender Natur und keineswegs nur auf die Psychologie zu beziehen. Was mir fehlt, ist eine Verknüpfung der Sozialpraxen mit den Denkformen im wissenschaftlichen Kontext – so wie das etwa im Rahmen von entwicklungsorientierter Bildungsforschung (siehe hier) nötig wird und eine neue Forschungsqualität erzeugt. Hier aber läge denn eben auch die Herausforderung einer Übertragung von Lauckens Überlegungen und Erkenntnisse auf das Gebiet der Didaktik.

Leider hat sich Uwe Laucken aus der Wissenschaft zurückgezogen – das jedenfalls hat er mir geschrieben, nachdem ich ihm meinen Gewinn aus seinem Buch einfach mal  versuchsweise via E-Mail mitgeteilt hatte. Das ist ein großer Verlust, aber eine zu respektierende Entscheidung, die ihre Gründe haben wird.

* Laucken, U. (2003). Theoretische Psychologie. Denkformen und Sozialpraxen. Oldenburg: Bibliotheks- und Informationssystem der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg (BIS).

Weg aus der schulpädagogischen Engführung

Gabi Reinmann - Juli 23, 2016 - 12:30

Vor einiger Zeit habe ich das Buch „Allgemeine Didaktik. Ein erziehungstheoretischer Umriss“ von Rotraud Coriand gelesen (Kohlhammer Verlag 2015). Von besonderem Interesse war für mich, wie die Autorin die Allgemeine Didaktik konzipiert und in den erziehungs- und bildungswissenschaftlichen Gesamtzusammenhang einordnet, denn: Auch die Hochschuldidaktik ist in weiten Teilen eine allgemeine Didaktik und ist die Auseinandersetzung mit eben dieser ganz besonderes wichtig.

Vorweg: Das Buch fällt aus dem Rahmen im Vergleich zu anderen Büchern zur Allgemeinen Didaktik (z.B. das von Kron oder von Terhart). Coriand – das zeigt ein Blick in das Publikationsverzeichnis – ist Expertin für Johann Friedrich Herbart und leitet auch ihre Vorstellungen von Allgemeiner Didaktik aus dieser für die Pädagogik wichtigen historischen Person und ihren „Schülern“ ab. Hängen geblieben bin ich vor allem bei einem dieser Schüler, nämlich bei Otto Willmann (1839-1920).

Willmann argumentiert stellenweise ähnlich wie Klaus Prange (in seiner operativen Pädagogik) und versteht aber vor allem die Didaktik als eine eigenständige Bildungswissenschaft. Für die Hochschuldidaktik ist dieser historische Vorstoß interessant, weil eine Eingliederung in die Erziehungswissenschaft an vielen Stellen immer noch Probleme bereitet. Willmann untersuchte zu seiner Zeit auch schon die Beziehung der Allgemeinen Didaktik zu den Fachwissenschaften und Fachdidaktiken und bemühte sich darum, eine individuelle und eine Sicht auf das Verhältnis von Lehren und Lernen (= Gegenstand der Didaktik) zu etablieren. Die Inhalte der Didaktik als Wissenschaft sind laut Willmann (a) die Prinzipien der Inhaltsauswahl und -verbindung, (b) die sachlogische Strukturierung des Lernprozesses und (c) die Art und Weise der Vermittlung (Coriand, 2015, S. 29 f.); als Ziel gehe es am Ende vor allem darum, das Denken zu lehren. Laut Coriand eröffnet Willmanns Ansatz einen Weg aus der schulpädagogischen Engführung hin zu einer Allgemeinen Didaktik im eigentlichen Sinne. Und eine solche sei auch dringend nötig. So gesehen kann man Willmann als eine Art Begründer der Hochschuldidaktik sehen, zumal da er auch für eine Verbindung von Forschungsmethoden und Lehrmethoden plädierte (und das Anfang des 20. Jahrhunderts).

Was ist noch über das Buch zu sagen? Coriand strukturiert es nach einführenden Kapiteln anhand von drei Ebenen der Theoriebildung in Anlehnung an Erich Weniger, wobei keine der Ebenen theoriefrei existiere: Theorien ersten Grades umfassen die subjektiven, persönlichen Theorien, die jemand hat, um praktische pädagogische Anforderungen zu bewältigen. Theorien zweiten Grades haben Konzeptcharakter und umfassen entsprechend auch Einsichten, Regeln, Erfahrungssätze. Theorien dritten Grades sind – um es plakativ zu sagen – Theorien des Theoretikers. Mir kommt diese Einteilung ähnlich vor wie Flechsigs Unterscheidung von Praxisbeschreibungen (Theorien ersten Grades), Unterrichtsmodelle (Theorien zweiten Grades) und Kategorial-Modelle (Theorien dritten Grades).

Was Coriands Buch aus meiner Sicht vorrangig lesenswert macht, ist der Versuch einer Emanzipation der (Allgemeinen) Didaktik als einer eigenen Wissenschaft. Auch wenn sie nicht so weit wie Willmann zu gehen scheint, plädiert sie doch ganz deutlich für eine Befreiung der Didaktik aus den Fängen der Schulpädagogik. Mir persönlich ist Willmanns weitergehendes Konzept sehr sympathisch, scheint es mir doch gerade für die Hochschuldidaktik ein geeignetes Vorbild zu sein.

Sommerpause

Weiterbildungsblog - Juli 22, 2016 - 21:53

Der Weiterbildungsblog macht wieder Sommerpause. Mitte August geht es weiter. Bis dahin wünsche ich allen eine schöne und erholsame Zeit!

JR

Quelle: Brooklyn Morgan/ Unsplash

How trees talk to each other | Suzanne Simard

TEDTalk - Juli 22, 2016 - 15:11
"A forest is much more than what you see," says ecologist Suzanne Simard. Her 30 years of research in Canadian forests have led to an astounding discovery -- trees talk, often and over vast distances. Learn more about the harmonious yet complicated social lives of trees and prepare to see the natural world with new eyes.

Baby diapers inspired this new way to study the brain | Ed Boyden

TEDTalk - Juli 21, 2016 - 15:14
Neuroengineer Ed Boyden wants to know how the tiny biomolecules in our brains generate emotions, thoughts and feelings -- and he wants to find the molecular changes that lead to disorders like epilepsy and Alzheimer's. Rather than magnify these invisible structures with a microscope, he wondered: What if we physically enlarge them and make them easier to see? Learn how the same polymers used to make baby diapers swell could be a key to better understanding our brains.

7 Fragen an Prof. Jürgen Handke: “Digitales Lernen und Lehren: Davor kann man sich nicht mehr wegducken”

Weiterbildungsblog - Juli 20, 2016 - 20:47

Johannes Zeh (Pink University) hat Jürgen Handke (Universität Marburg) sieben Fragen gestellt: von “1. Herr Professor, was genau ist Ihr Forschungs-, Lehr- und Aufgabenbereich an der Universität Marburg?” bis “7. Ein Gedankenexperiment: Wenn Sie verantwortlich wären für die „digitale Lehre“ in ganz Deutschland, welche 3 Maßnahmen würden Sie als erstes umsetzen?” Seine wichtigste Empfehlung: Bitte keine Vorlesungsaufzeichnungen! Die Antworten gibt es bei Jürgen Handke, natürlich, im Videoformat.
Johannes Zeh, Interview mit Jürgen Handke, Pink University, 20. Juli 2016

How the Panama Papers journalists broke the biggest leak in history | Gerard Ryle

TEDTalk - Juli 20, 2016 - 15:19
Gerard Ryle led the international team that divulged the Panama Papers, the 11.5 million leaked documents from 40 years of activity of the Panamanian law firm Mossack Fonseca that have offered an unprecedented glimpse into the scope and methods of the secretive world of offshore finance. Hear the story behind the biggest collaborative journalism project in history.

Is Instructional Design Dead?

Weiterbildungsblog - Juli 20, 2016 - 12:06

Die Frage “Is Instructional Design Dead?” ist sicher berechtigt, wenn alle Welt vom informellen Lernen und den Grenzen formaler Lernangebote spricht. Helen Blunden hat lange Zeit im Bereich Learning & Developement von Unternehmen gearbeitet, ist jetzt selbstständige Beraterin und blickt zurück. Interessant ist ihre Aufzählung, welche Fähigkeiten sie als Instructional Designer entwickelt hat. “Making complex things simple” lautet ihre Kurzformel.

Und ihre Kunden? Die fragen erstaunlicherweise wieder oder immer noch danach, Inhalte und Informationen attraktiv zu verpacken und zu verkaufen. ”This is when I realised that instructional design isn’t dead. Not yet.”
Helen Blunden, Active Learning Solutions, 16. Juli 2016

A project of peace, painted across 50 buildings | eL Seed

TEDTalk - Juli 19, 2016 - 15:07
eL Seed fuses Arabic calligraphy with graffiti to paint colorful, swirling messages of hope and peace on buildings from Tunisia to Paris. The artist and TED Fellow shares the story of his most ambitious project yet: a mural painted across 50 buildings in Manshiyat Naser, a district of Cairo, Egypt, that can only be fully seen from a nearby mountain.

Die Digitalisierung als Chance für die Bildung: Interview mit Ralph Müller-Eiselt

Weiterbildungsblog - Juli 19, 2016 - 04:37

Ralph Müller-Eiselt ist Koautor des Buches „Die digitale Bildungsrevolution” und führt noch einmal aus, worin aus seiner Sicht diese Revolution besteht: “…. hin zu globalen Massenangeboten; … hin zur individuellen Förderung für jeden; … hin zu tatsächlichen Kompetenzen des Einzelnen.” Kurz: Digitalisierung nicht als Problem, sondern als Chance, Antworten auf einige drängende Fragen in Bildung und Weiterbildung zu finden.

Mit der hier vorgestellten Personalisierung des Lernens ist das so eine Sache: Im Rahmen einer Plattform kann ich mir auf Grundlage intelligenter Algorithmen vieles vorstellen (und Ralph Müller-Eiselt weist auch auf bereits bestehende Beispiele hin). Doch wie funktioniert eine Personalisierung, die auf den wechselnden Kontexten des Lerners und den im Netz verstreuten Lernressourcen aufbaut? Sind wir hier doch wieder bei der individuellen Kompetenz, bei der Web Literacy des Einzelnen?
Michael Lindner, Interview mit Ralph Müller-Eiselt, Digitalistbesser.org, 15. Juli 2016

A forgotten Space Age technology could change how we grow food | Lisa Dyson

TEDTalk - Juli 18, 2016 - 15:06
We're heading for a world population of 10 billion people -- but what will we all eat? Lisa Dyson rediscovered an idea developed by NASA in the 1960s for deep-space travel, and it could be a key to reinventing how we grow food.

Immer einen Plan B zur Hand #innolehre

Sandra Hofues - Juli 18, 2016 - 15:05

Mal fällt spontan der Beamer aus, wie beim Symposium zu Innovationen in der Lehre an der Universität zu Köln (Programm-Flyer). Mal möchte die Blogfarm nicht, wie ich es für meine aktuellen Seminare gerne hätte. Beides zeigt exemplarisch, was im Kontext von (digitaler) Lehre besonders wichtig ist: nämlich immer einen Plan B zur Hand zu haben. Beim Symposium bestand dieser in der vorgezogenen Pause, um der internen Vernetzung von Lehrenden besonders viel Raum zu geben, vor allem aber das Beamer-Problem zu lösen. Im Seminar poste ich stellvertretend für die Studierenden ihre Blogbeiträge, was nicht ganz im Sinne der Erfinderin ist. Immerhin erhalten die Studierenden so aber Einblick in die Arbeitsstände der anderen Gruppen, was Ziel der Aufgabe der Berichterstattung war/ist. Wim Gijselaers von der Universität Maastricht sprach in seiner Keynote übrigens auch von der Notwendigkeit eines Plan Bs: Mit der Lehre sei es ähnlich wie mit der Deutschen Bahn. Man verfolge einen Plan und doch komme es zu Verzögerungen. Auch wenn an der einen oder anderen Stelle die Analogie mit der Bahn hinkte (z.B. als es um die Zweiklassengesellschaft in Bezug auf Präsenz- und Online-Lehre ging), funktionierte sie für den Vortrag und das Symposium prächtig. Im Verlauf des Nachmittags bis zur anschließenden Podiumsdiskussion wurde sie immer wieder bemüht oder dankend aufgegriffen.

Studie Digitales Lernen

Weiterbildungsblog - Juli 18, 2016 - 12:01

114 Unternehmen in Europa haben 2015 an dieser Benchmark-Studie teilgenommen. 2011 wurde sie schon einmal durchgeführt. Allerdings wurde damals noch nach “E-Learning” gefragt, jetzt also nach “Digitalem Lernen”. Und die wichtigste (?) Botschaft lautet: Es ist “angekommen”. Auf den folgenden Seiten folgen die vertrauten Informationen über Zielgruppen, Themengebiete usw. Bei den Lernformen und der Frage “Welche Digital Learning Methoden werden Sie die nächsten zwei Jahre häufiger einsetzen?” habe ich noch einmal genauer hingesehen.
Haufe Akademie und CrossKnowledge, Juli 2016 (Registrierung erforderlich)

10 ways Pokemon Go portends AR in learning

Weiterbildungsblog - Juli 18, 2016 - 04:41

Natürlich ist Pokemon Go (hier der ausführliche Wikipedia-Artikel) auch ein Beispiel für Augmented Reality. Und natürlich zeigt es uns, was eLearning und Mobile Learning wirklich sein könnten. “Let’s identify some species of learning that can be enhanced or augmented by AR”, fordert uns Donald Clark auf und wirft in den Ring: 1. Explanations, 2. Problem solving, 3. Learn by doing, 4. Social learning, 5. Tutor-led, 6. Habitual learning, 7. Deliberate practice, 8. Simulations, 9. Assessment, 10. M-learning.

“Nevertheless, it is the deeper implications of AR in terms of adoption, mainstreaming and behaviours, that we want to watch. They signal a future where AR and VR are not just games and gadgets but new media in themselves.”
Donald Clark, Donald Clark Plan B, 17. Juli 2016

Blockchain for education … the „next big thing“?

head.zblog - Juli 17, 2016 - 20:33
Es gibt einen neuen Hype, der die Technologiewelt begeistert und – möglicherweise – auch den Bildungsbereich erfassen wird, ohne dass er in den meisten Trendberichten zu aktueller Bildungstechnologie je Erwähnung gefunden hat (Ausnahmen gibt es natürlich immer, siehe hier): Blockchain (Erklärung z.B. hier, hier). Es zeigt, dass Prognosen in der heutigen Zeit schwierig sind und der Bildungsbereich (mehr und […]

In den Ring steigen

Gabi Reinmann - Juli 17, 2016 - 15:21

Üblicherweise bezeichnet man eine Vortragsreihe dann als Ringvorlesung, wenn sich verschiedene Dozenten ein Semester lang (in der Regel im wöchentlichen Rhythmus) einem Thema widmen. Im Rahmen des neuen Master of Higher Education nun bemühen wir den Begriff, obwohl wir ein wenig davon abweichen und erst einmal „nur“ zwei Vorträge pro Semester (zu Beginn und am Ende jedes Semesters) zum akademischen Lehren und Lernen (mit allen dazu passenden Aspekten bzw. Themen) anbieten. Den Auftakt macht Rolf Schulmeister, was mich ganz besonders freut, ist er doch der Urheber des deutschlandweit einzigen Masterstudiengangs zur Hochschuldidaktik. Am Donnerstag, den 6. Oktober 2016 um 18:00 Uhr s.t. (Schlüterstraße 51, 2. OG.) wird er über „Workload, Motivation und Studierverhalten im Bachelor. Eine empirische Annäherung“ sprechen (siehe auch hier). Für den zweiten Vortrag haben wir bereits von Peter Baumgartner eine Zusage, dass er mit „in den Ring“ hochschuldidaktischer Vorträge steigt.

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