Sammlung von Newsfeeds
TED: Ken Jennings: Watson, Jeopardy and me, the obsolete know-it-all - Ken Jennings (2013)
Inside the Learning Brain
Ich habe häufig die Tendenz, Artikel, die sich mit neuro- und kognitionswissenschaftlichen Erkenntnissen befassen, zu übersehen. Vielleicht zu Recht. Vielleicht macht es aber auch Sinn, an einige Erkenntnisse des “emergent field of neuroeducation” zu erinnern, wie es Nick van Dam, immerhin CLO bei Deloitte, hier tut. Die Überschriften seines Artikels lauten u.a.:
“- Active engagement is necessary for learning …
- All learning has an emotional base …
- Deployment of short learning sessions will increase knowledge retention …
- Use it or lose it …
- Multitasking slows down learning …”
Viel Alltagswissen. Das Ganze schließt mit einigen Zeilen über die praktische Anwendung dieser Erkenntnisse im Rahmen des “Brain-Based Learning at Deloitte”.
Nick van Dam, T+D Magazine, 8. April 2013
“Fancy Hands” Human Based App for Support and Assistance
Sieht so die Zukunft aus? Ich schreibe hier ja regelmäßig über Wissensarbeit und welche Tools uns helfen, produktiver zu werden. Newsreader zum Beispiel. Aber daran habe ich noch nicht gedacht, obwohl es doch auf der Hand liegt: Eine App auf dem Smartphone, die mir 24/7 hilft, Aufgaben zu erledigen. Okay, es ist nicht die App, die hilft, sondern ein “crowd-sourced” set of workers, armed with internet search capabilities and the ability to telephone key contacts.” Für umgerechnet einen Dollar am Tag (der Dienst “Fancy Hands” kommt aus den USA) werden Termine koordiniert, Informationen gesucht … und hier sind einige weitere Beispiele, die Elliott Masie gleich erfolgreich ausprobiert hat:
“- Schedule a good time for a conference call with these 3 people at work. The assistant emailed, called and then added to my schedule the meeting.
- Please proofread this article and send me any edits. Back the article came in about an hour.
- Can you change the mailing addresses for these 6 magazine subscriptions. Done!”
Und er spekuliert gleich weiter: “The service … provides me with an additional level of personal assistance and also a performance support model. We may see several of these mobile based personal assistance services pop up - including a fully in-house version for a corporation’s workforce.” Ob das Ganze auch hierzulande funktionieren würde?
Elliott Masie, Learning TRENDS, 4. April 2013
TED: Skylar Tibbits: The emergence of "4D printing" - Skylar Tibbits (2013)
Rosetta Stone Acquires Online Language Company Livemocha
Wenn man wissen will, wie Lernen 2.0 aussehen kann und wohin sich das Online-Lernen bewegt, lohnt der Blick auf die Sprachlernangebote im Netz. Zum einen gilt hier längst: “Anything goes”. Natürlich gibt es noch den klassischen Fernunterricht, z.B. über das Institut für Lernsysteme (ILS) oder die Studiengemeinschaft Darmstadt (SGD), mit Kursen und Materialien auf CD-ROM. Aber daneben stehen heute attraktive Community-Angebote wie z.B. Livemocha, babbel und busuu.com. Hier haben sich übrigens auch die Zahlungsmodelle komplett verändert: Als Lerner in einer Community zahle ich nicht mehr für einen Kurs, sondern werde Mitglied mit einem monatlichen Beitrag! Und dann gibt es weitere Plattformen, die sich als Marktplätze geben, die mal Lerner mit Lernern und mal Lerner mit Sprachtrainern zusammenführen.
Aber zur Meldung: Einer der großen und etablierten Sprachlernanbieter, Rosetta Stone, hat jetzt eine spannendsten Online-Communities, Livemocha, übernommen. Hier ein Ausschnitt aus der Pressemeldung: “Livemocha will enable us to quickly migrate our legacy products to a future-proof technology stack with a modern, cloud-based architecture and contemporary means of distribution,” said Rosetta Stone Chief Product Officer West Stringfellow. “But even more exciting, it gives our customers more choice. Livemocha presents us with a low-cost or even free alternative product to offer learners around the world. It becomes a ‘ladder of learning and value’ for our customers.” (via Stephen Downes)
Business Wire, 2. April 2013
Dossier: Wikipedia
Geht Wikipedia eigentlich noch als Beispiel für die Social Media-Prinzipien durch? Oder erdrücken inzwischen die administrativen Strukturen und Prozesse das, was einmal als Paradebeispiel für “user-generated content” und die “wisdom of crowds” galt? Antworten auf diese Fragen finden sich z.B. in der Sektion “Machtstrukturen” dieses Dossiers der Bundeszentrale für politische Bildung/bpb. Aber was heißt hier “Dossier”? Das Ganze ist ein umfangreiches eBook, dem nur einige Erfahrungsberichte erfolgreicher und gescheiterter Autoren fehlen.
Bundeszentrale für politische Bildung/bpb, April 2013
Folgen einer völlig misslungenen Hochschuldidaktik?
Gestern habe ich in der Online-Ausgabe der FAZ einen Artikel von Magnus Klaue gelesen – der wurde schon vor einem Monat veröffentlicht. Unter dem Titel „Lebenslanges Feedback“ behandelt der Beitrag genau genommen drei Themen in einem (Evaluation – Kompetenzorientierung – Hochschuldidaktik), vermengt diese auch und hat bei mir beim Lesen an einigen Stellen zustimmendes Nicken, an anderen ungläubiges Kopfschütteln und am Ende einen tiefen Seufzer bewirkt. Aber der Reihe nach:
Den Anfang des Textes macht ein kritischer Blick auf die allgegenwärtige Evaluation (zu diesem Thema kann ich auch einen Text von Gunter Dueck empfehlen). Interessanterweise wird die Evaluation hier mit der Prüfung verglichen und dargelegt, dass und warum Evaluationen (anders als Prüfungen) vordergründig auf flache Hierarchien setzen, am Ende aber (wie auch Dueck meint) zu einer „totalen Evaluation“ führen und alle unter Kontrolle stellen. Hier bin ich noch nickend mitgegangen – da ist was dran. Stutzig bin ich allerdings bereits beim Übergang zum zweiten Thema geworden, nämlich zum Thema „Kompetenzorientierung“; an diesem Übergang wird „das Evaluierungswesen als Symptom einer Pädagogisierung des Wissenschaftsbetriebs“ bezeichnet. Wieso? Ich habe trotzdem weitergelesen. Klaue geht im weiteren Verlauf auf den Verlust der Gegenstände im universitären Lehr-Lernbetrieb ein. Diese Passagen kann ich ebenfalls gut nachvollziehen und haben mich an eigene Blogbeiträge (z.B. hier) und an einen SZ-Beitrag von Christoph Türcke erinnert. Aber auch da taucht schnell wieder die Pädagogik als Schuldige auf: Dass leerer Pluralismus in Lehrveranstaltungen den Meinungsstreit und objektloses Lernen des Lernens (für den Erwerb beliebig einsetzbarer Kompetenzen) das exemplarische Lernen ersetzen, haben wir, so Klaues Ansicht, der Pädagogik zu verdanken. Ich vermute, er meint die Didaktik (und nicht die Pädagogik) bzw. genauer: die Hochschuldidaktik. Das jedenfalls wird dann am Ende des Beitrags klar, an dem er die „Totalisierung der Pädagogik“ beklagt: „Für alles, was früher von Studenten und Lehrenden in spontanem Zusammenspiel einfach nur getan wurde, muss es heute eine eigene Didaktik geben, während der Gegenstand, um dessentwillen die pädagogische Bemühung geschieht, als störend oder überflüssig erscheint“. Das war dann die Stelle mit dem tiefen Seufzer und der Frage: Sind das die Folgen einer völlig misslungenen Hochschuldidaktik und/oder einer völlig misslungenen Kommunikation, was Hochschuldidaktik leisten kann und will? Kann man diesen Karren noch irgendwie aus dem Dreck ziehen? Oder ist Klaues Ansicht nur eine Einzelmeinung? Ich fürchte, Letzteres ist nicht der Fall ….
Wer bin ich – und wenn ja wie viele?
TED: Lawrence Lessig: We the People, and the Republic we must reclaim - Lawrence Lessig (2013)
Vorträge vom SAP-Forum für Personalmanagement 2013
Wenn ich es richtig sehe, stehen hier alle vorhandenen Unterlagen des SAP-Kongresses online. Geordnet nach den Forentiteln “HR im Wandel”, “Technik für Menschen”, “HR Core”, “Öffentlicher Dienst”, “Effiziente Prozesse”, “Talentmanagement”, “Recruiting”, “Learning” und “Analysen, Berichte, Kennzahlen”. Inklusive auch der Keynotes von Luisa Deplazes Delgado (SAP) und Thomas Sattelberger.
SAP-Forum für Personalmanagement, 19./ 20. März 2013
Social media and employee voice: the current landscape
“Enterprise 2.0″ und “Social Business” bilden den großen Rahmen. Partizipation, Engagement und Empowerment konzentrieren die Aufmerksamkeit auf den Mitarbeiter und seine Beteiligung am Spiel. Hier nun eine weitere Perspektive auf das Thema “Social Media”: “employee voice”. Das Gegenstück, an dem sich die Autoren folgerichtig “abarbeiten”, ist die klassische Mitarbeiterbefragung. Denn Social Media bieten ja ganz andere Möglichkeiten, den Mitarbeiter an den Prozessen und Entscheidungen des Unternehmens zu beteiligen - und auf diese Weise zu erfahren, was gerade läuft …
Leider ist “Learning and training” nur ein kurzes Kapitel dieser Literaturstudie, in dem die unternehmensinternen Einsatzfelder von Social Media kurz aufgezählt werden (und es wird zudem etwas unglücklich mit “delivering training” skizziert). Im Kapitel “Barriers to using social media for employee voice” wird u.a. auf die zentrale Rolle des Managements hingewiesen (”digital era leadership”). Die Schlussfolgerung ist jedenfalls eindeutig: “… there is little organisations can do to stem the rise of social media. Organisations should be designing their future in employee voice, before it designs them.”
Chartered Institute of Personnel and Development (CIPD), März 2013
Lernen 2.0 - Zukunftsperspektiven des E-Learnings
Den Einstieg in diesen Artikel kann man sicher unterschreiben: “Social Media haben in der Ausbildung und der Personalentwicklung noch nicht richtig Fuß gefasst.” Daniel Stoller-Schai, in der Schweiz gerade von der UBS zur LerNetzAG gewechselt, beschreibt deshalb ausführlich, wie der Übergang von E-Learning zu Lernen 2.0 aussehen könnte. Er bietet uns drei Schritte an:
- Im ersten Schritt (”Woher kommen wir?”) zeichnet er vier Entwicklungslinien nach: E-Learning als Modul (asynchrones E-Learning), E-Learning und Wissensmanagement, E-Learning als Ereignis (synchrones E-Learning) und E-Learning als Beziehung (social learning).
- Im zweiten Schritt (”Wo stehen wir?”) geht es um die aktuelle Übergangsphase, die sich aus seiner Sicht vor allem durch ein starres Gegenüber von E-Learning und Social Media, mangelnde Erfahrungen des Lehrpersonals sowie, folgerichtig, fehlende innovative Lehr-/Lernkonzepte auszeichnet.
- Im dritten Schritt (”Wohin gehen wir?”) werden die Trends beschrieben, die das Lernen 2.0 ausmachen: Auf strategischer Ebene sind das “Lernen als Dienstleistung” sowie “Lernen im Prozess der Arbeit”; auf methodischer Ebene eine längere Reihe didaktischer Wegmarken - von Blended Learning bis Lernen durch Events; und auf technologischer Ebene finden wir Cloud Learning, Augmented Reality und Mobiles Lernen.
Lesenswert sind diese Ausführungen, weil sich Daniel Stoller-Schai nicht an gerne benutzten Einteilungen (z.B. formell und informell) und Schlagworten (z.B. “social”, “open”, MOOCs) orientiert, sondern versucht, das Lernen 2.0 neu zu sortieren. Das führt zu interessanten Ergebnissen, wie z.B. die Aufzählung von Trends auf methodischer Ebene. Aber bei allem 2.0 mahnt er natürlich abschließend, auch “konkrete, manuelle Lernerfahrungen anzubieten, die alle Sinne ansprechen, damit die »Bodenhaftung« nicht verloren geht”.
Daniel Stoller-Schai, in: Hohenstein, Andreas/Wilbers, Karl (Hrsg.): Handbuch E-Learning, Deutscher Wirtschaftsdienst (Wolters Kluwer Deutschland), Köln, 46. Erg.-Lfg., April 2013 (via scribd)
TED: Sanjay Dastoor: A skateboard, with a boost - Sanjay Dastoor (2013)
Lesenswert: “Halbmedienkompetenz”
Viel zu selten verweise ich im Blog noch auf Fundstücke, die ich lesenswert finde. In diesem Fall will ich es aber doch machen, nämlich auf den Beitrag zur “Halbmedienkompetenz” von Thomas Damberger. Der Autor nimmt im Beitrag in Anlehnung an Adornos (2006) Wortschöpfung der Halbbildung grundlegend an, “(…) dass wir bei unserem Vorhaben, Menschen zu einem kompetenten Umgang mit Medien zu führen, in der großen Gefahr stehen, sie zur Halbmedienkompetenz zu verführen. … Und die Hälfte, um die es mir geht, ist die kritische Dimension” (Damberger, 2013, S. 2).
Am Beispiel problemorientierter Konzeptionen im Bereich Medien wird diese Grundannahme deutlich:
“Ein Problem, das es zu lösen gilt, muss als Problem erkannt werden. Lediglich zu lernen, wie man Probleme löst, die andere vorgeben, erinnert an eine naturwissenschaftliche Vorstellung von Kompetenz und ist weit davon entfernt, einen Menschen zu befähigen, in Situationen Probleme als solche (für sich) zu bestimmen. Im Gegenteil, eine solche Kompetenz ist affirmativ, also das Gegenteil von Kritik.” (ebd., S. 3)
In der Diskussion stellt der Autor heraus, das mediale Handlungspraktiken nicht nur von Fähigkeiten des Einzelnen bestimmt werden, sondern insbesondere von seinem Willen zur Auseinandersetzung mit/über Medien abhängen. Auch illustriert er, dass Medien häufig eigene Probleme “praktisch werden lassen” (ebd., S. 4) und Angst im Umgang mit Medien darin begründet liegen bzw. daraus resultieren könnte. Unter didaktischen Gesichtspunkten ist zu ergänzen, dass daran vor allem funktionale, meist eindimensionale Konzepte zur Entwicklung (technisch-instrumenteller) Medienkompetenzen anschließen. Dieser Perspektive sei aber keine pädagogische Sichtweise inhärent, sondern allenfalls ein naturwissenschaftlicher Kompetenzbegriff (ebd., S. 2). Werde aber Mündigkeit als Bildungsziel anvisiert, müsste nach Ansicht Dambergers (2013) “[d]em ‘Freisein-von’ […] ein ‘Freisein-für’ gegenüberstehen, und dieses Andere der Autonomie ist nichts Geringeres als ihr Ziel, man könnte auch sagen: ihre regulative Idee” (ebd., S. 7).
Ausgehend von dieser normativen Grundannahme kommt der Autor zu folgendem Schluss:
“Wenn die kritische Dimension von Medienkompetenz in der Medienmündigkeit liegt und Mündigkeit einer die Menschlichkeit bedenkenden und evozierenden Bildung bedarf, dann ist derjenige, die über die kritische Dimension der Medienkompetenz nicht verfügt und damit halbmedienkompetent ist, im pädagogischen Sinne medieninkompetent.” (ebd., S. 7)
Fazit. Der Beitrag greift insgesamt ein höchst aktuelles Charakteristikum derzeitiger Konzeptionen von Medienkompetenzen auf: nämlich die grundsätzlich zu begrüßenden Förderbemühungen im Kontrast zu aktuellen Umsetzungsbeispielen, die sich nicht nur durch eine didaktisch vermittelnde Position auszeichnen, wie Sesink (2008, S. 13f.) sie nennt, sondern mit der Dimension der Medienkritik zugleich einen wesentlichen Bereich eines kompetenten Umgangs mit Medien unterschlagen. Diese Auslassung mag vielleicht nicht gleich zu einer “Halbmedienkompetenz” führen, wohl aber zu einer konzeptionellen Schieflage im Mainstream mediengestützten Lehrens und Lernens, die für alle Bildungskontexte bedenkenswert ist.
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- Adorno, T. W. (2006). Theorie der Halbbildung (Erstauflage: 1959). Frankfurt: Suhrkamp.
- Damberger, T. (2013). „Halbmedienkompetenz?“ – Überlegungen zur kritischen Dimension von Medienkompetenz. medienimpulse. Beiträge zur Medienpädagogik. http://www.medienimpulse.at/articles/view/496
- Sesink, W. (2008). Bildungstheorie und Medienpädagogik – Versuch eines Brückenschlags. In J. Fromme & W. Sesink (Hrsg.), Pädagogische Medientheorie (S. 13–35). Wiesbaden: VS.
Neue Herausforderung
Im Fachgebiet Pädagogik der TU Kaiserslautern haben wir mit dem heutigen Tag eine neue berufliche Herausforderung angetreten: Mandy Rohs als Juniorprofessorin für Pädagogik mit dem Schwerpunkt Schulentwicklung und Matthias Rohs als Juniorprofessor für Erwachsenenbildung mit dem Schwerpunkt Fernstudium und E-Learning. Wir freuen uns auf eine spannende Zeit.
TED: Kees Moeliker: How a dead duck changed my life - Kees Moeliker (2013)
In die schönen Räume hochdienen
Raumvergabe an Universitäten – das ist an fast allen mir bekannten Unis ein echtes Problem: Zum Kern des Problems könnte gehören, dass viele hier ein Eldorado für geheime Absprachen oder verborgene Regeln erahnen oder vermuten. Aber das stimmt natürlich nicht. Klaus Arnold von der Uni Trier stellt (in einem Artikel in der duz) klar: „Die Planung erfolgt nach rationalen Kriterien, und alle Dozenten haben die gleiche Chance auf ihre Wunschräume und Wunschtermine. Los geht es mit der Zeitplanung der einzelnen Studiengänge. Jeder gibt erst einmal an, wann er denn gerne seine Kurse halten will. Aber schon bald tauchen die ersten Probleme auf: ´Nein, Herr Kollege, der Dienstagnachmittag, das tut mir leid, das geht wirklich nicht, das ist schon seit vielen Jahren mein Vorlesungstermin.´ Also kein Dienstagnachmittag, dann vielleicht Mittwochnachmittag. ´Nein, Herr Kollege, der Mittwochnachmittag muss freigehalten werden, da sind doch die Gremien.´ Wie konnte ich das vergessen, an fast jeder Uni ist der Mittwochnachmittag streng geschützt für das kollektive Sitzfleisch-Training. Da finden die Institutskonferenzen statt, es tagen die Fachbereiche, der Bologna-Arbeitskreis, die Projektgruppe Internationalisierungs-Audit, der Prüfungsausschuss und nicht zuletzt die Campus-Verschönerungskommission. Nun gut, dann der Freitagnachmittag, da sind die meisten Studierenden zwar schon ins Wochenende gestartet, aber wenn es nicht anders geht. ´Nein, Herr Kollege, da finden die Blockseminare statt – Sie bekommen jetzt den Montagnachmittag für die Vorlesung und für Ihre anderen Kurse haben wir Ihnen den 7-Uhr-Slot zugeteilt. Sie haben ja kleine Kinder, da müssen Sie doch sowieso früh raus.´“
Wenn man also weit neben seinen Wunschterminen regelmäßig in alten und muffigen Seminarräumen sitzt, während andere in renovierten High-Tech-Zimmern residieren, kann einen der Glaube an eine gerechte, auch noch durch die Technik fair gestaltete Raumvergabe schon mal verlassen. Und dann kommen die Zweifel und Fragen wie sie Klaus Arnold stellt: „Hat das Programm mit seinem Zufallsgenerator wirklich alles in der Hand oder nicht vielleicht doch die Menschen in der Verwaltung, die das Ganze steuern? Na klar – auf das Beziehungsmanagement kommt es an! Ich schicke am besten der Dame aus der Raumvergabe so als kleine Aufmerksamkeit …? Oder muss man das Problem eher technisch angehen und sich irgendwie in das Programm hacken? Auffällig ist es schon, dass die Informatiker all ihre Veranstaltungen im strahlendweißen neuen Hörsaalgebäude haben. Vielleicht gilt auch das Senioritätsprinzip und der junge Dozent muss sich erst über lange Uni-Jahre mit vielen Vorlesungen und Seminaren in die schönen Räume hochdienen? Oder hängt es an den eingeworbenen Drittmitteln? Oder stehe ich auf der roten Liste des Präsidenten, weil ich den Dies Academicus geschwänzt habe?“ Das mag man jetzt für übertrieben halten, aber mal ehrlich: Wer hat sich das (auch jenseits der Raumvergabe) nicht auch schon mal gedacht, dann über seinen eigenen Verfolgungswahn gelacht und am Ende doch das seltsames Gefühl zurückbehalten, irgendeinen geheimen, aber wichtigen Mechanismus nicht erkannt und angewandt zu haben?
TED: Colin Camerer: Neuroscience, game theory, monkeys - Colin Camerer (2013)
Wege aus der „Kürsli-Denke“? – Neuorientierung betrieblicher Weiterbildung
Harvard für alle Welt
Wer die ZEIT-Ausgabe vom 14. März verpasst hat, kann jetzt noch einmal in Ruhe nachlesen, wie hier das Thema für ein großes Publikum aufbereitet wurde. “Das Internet revolutioniert die Bildung” heißt es im Vorspann, und der ganze Artikel könnte auch gut als Entdeckung des E-Learnings durchgehen. Doch warum gerade jetzt und heute? Und was ist heute anders als 2000, als die erste Welle des Online-Lernens durch das Netz ging? Ist “open” in dieser Welle eine besondere, neue Qualität oder nur Teil eines Geschäftsmodells, an dem noch gefeilt wird? Antworten auf diese Fragen fehlen leider, sicher auch, weil der Platz benötigt wird, um die verschiedenen Player auf dem MOOC-Markt vorzustellen, inklusive Salman Khan und die Khan Academy. Schön, dass hier wenigstens die Aussprache geklärt werden konnte: “Mooc (sprich: “Muhk”)”.
Christoph Drösser und Uwe Jean Heuser, ZEIT Online, 21. März 2013