Sammlung von Newsfeeds

Prüfungen – ernsthaft …

Gabi Reinmann - Januar 2, 2015 - 15:35

Das Thema Prüfungen beschäftigt mich immer wieder: Ich bin davon überzeugt, dass hier ein rechtliches, politisches und didaktisches Problem gleichermaßen vor uns liegt. Und so lange wir uns mit diesem nicht ernsthaft beschäftigen (und sei es “nur” in Gedankenexperimenten – siehe hier -, die ernsthafter sind als mancher vielleicht meint) und auch ins Kalkül ziehen, Grundlegendes zu verändern, werden wir es mit didaktischen Konzepten jenseits der Vorlesung und des Referat-Seminars weiterhin schwer haben. Im Herbst/Winter 2014 habe ich das Prüfungsthema gleich zweimal in Form von zwei Artikeln (für Herausgeberbände, die 2015 erscheinen) bearbeitet: einmal grundsätzlich mit Fokus auf der “Kompetenzorientierung” (dem ging ein Vortrag in Berlin voraus) und einmal spezifisch im Hinblick auf forschendes bzw. forschungsnahes Lernen. Aus diesem Grund möchte ich auch beide an dieser Stelle noch einmal zusammen als Preprint online verfügbar machen, weil sie gewissermaßen aufeinander aufbauen.

Artikel_Pruefungen1_Berlin_Okt_14_Preprint

Artikel_Pruefungen2_ForschendesLernen_Dez14_Preprint

 

Zeit für … das Zeitpolitische Magazin

Sandra Hofues - Dezember 27, 2014 - 11:18

Über die Feiertage hat sicherlich so mancher Zeit. Auch Zeit dafür, um das Zeitpolitische Magazin zu lesen. So widmet sich die jüngste Ausgabe der privaten Kommunikation und wie sich diese in unterschiedlichen Lebensbereichen durch digitale Medien verändert hat. Das Heft „Privat kommunizieren – digital vernetzt“ macht dabei das breite Spektrum auf: von den Chancen und Möglichkeiten des Mediengebrauchs über den Einfluss der Mediatisierung auf unser soziales Zusammenleben bis hin zu Fragen der Entgrenzung mit/durch Medien. Ich selbst bin mit einem Beitrag zu „digitalen Papierfliegern“ vertreten. Darin stelle ich die Frage danach, wie digitale Medien weniger als Störfaktor in Unterrichtssettings, sondern als (sozialer) Raum für Wissen und Erkenntnis wahrgenommen werden könnten. Dass ich mit diesem Beitrag für eine jüngere Generation von Hochschullehrenden stehen sollte, wurde mir erst durch die Lektüre des Editorials so richtig bewusst (S. 5). Aber damit kann ich ganz gut leben, denn: Medien sind nicht per se gut oder schlecht. Es gilt vielmehr Folgen des Medieneinsatzes abzuschätzen und sie bedacht in vielerlei Settings einzusetzen.

Wir sind angekommen

Gabi Reinmann - Dezember 25, 2014 - 15:36

Ertappt: Ich mag das Warten nicht, ich ärgere mich, wenn ich mal wieder viel zu lange auf den Zug, auf die S-Bahn oder auf eine Entscheidung warten muss, bis ich in einem Vorhaben den nächsten Schritt gehen kann. „Was gibt es Nutzloseres als Warten?“ (Dörpinghaus & Uphoff, 2012, S. 115) Genau! Aber: Wenn man Zeit und Bildung zum Gegenstand eines Buches macht (Quelle: Dörpinghaus, A. & Uphoff, I. K. (2012). Die Abschaffung der Zeit. Wie man Bildung erfolgreich verhindert. Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft.), dann kommen eben doch andere Sichtweisen zum Vorschein:

Warten sehen wir heute als Zeitverschwendung an, was konsequent ist, wenn in unserem „Lebenszeitorganisationssystem“ Zeit nur noch als Ressource gilt. Man könne, so die Autoren, Warten aber auch als Entlastung deuten, was keineswegs einfach ist: „Gerade weil das Warten gegen den Druck der Zeit gerichtet ist, widerstrebt es mehr, als auf den ersten Blick angenommen und ist womöglich deshalb so wenig erwünscht. Der Wille will nichts und dadurch werden wir in unserem Denken freigestellt.“ (S. 117). Warten, Pausen, Wiederholung – alles, was sich dem Zeitregime von heute entgegenstellt, kann eine Bedingung für Bildung sein: „Im Moment der Verzögerung – im Warten, Pausieren und Wiederholen – entstehen Spielräume für Bildungsprozesse …“ (S. 123).

Im Verlauf des Buches greifen Dörpinghaus und Uphoff immer wieder auf die Antike zurück – und des Öfteren „zu Wort“ kommt Seneca, der sich bekanntlich (unter anderem) mit der rechten Lebensführung beschäftigt hat. „Es sei töricht, so Seneca, dass wir unser Leben verplanen, ohne dass wir des nächsten Tages Herr sein können. Wie weit reicht denn unsere Zukunft? Wir verschieben unser Leben.“ (S, 133). Zeit solle man stattdessen gestalten, was ausschließt, dass man ihr Sklave ist. „Sklaven werden wir vor allem, wenn wir uns der Illusion hingeben, Herr der Zeit zu sein. Freiheit ist die beste Tarnung der Unfreiheit“ (S. 133). Und aus den „epistulae morales“ zitieren Dörpinghaus und Uphoff: „ …manche Zeit wird uns entrissen, manche gestohlen, manche verrinnt einfach. Am schimpflichsten dennoch ist ein Verlust, der aus Lässigkeit entsteht. Und, wenn du darauf achten wolltest: der größte Teil des Lebens entgleitet unvermerkt, während man Schlechtes tut, ein großer Teil, während man nichts tut, das ganze Leben, während man Belangloses tut“ (S. 134). Das heißt: „Es kommt nicht auf die Frist des Lebens an, sondern vor allem darauf, was wir tun, was wir mit diesem Leben anfangen, welche Dinge uns wichtig sind, ob wir unsere Zeit erfüllen können“ (S. 134). Wie viel Belangloses tun wir in unserem Leben? Ich vermute mal, sehr viel. Und man kann wohl im Vorhinein nicht immer wissen, was genau von Belang ist. Manchmal aber weiß man es, und man handelt dennoch „aus Lässigkeit“ so, wie man meint, handeln zu müssen – etwa unter dem Zeitdiktat einer Institution.

Zeitdruck und Zeitkontrolle identifizieren die beiden Autoren als diejenigen Bedingungen, unter denen Bildung nicht gelingt. „Das Gegenteil der Kontrolle ist die Gelassenheit … Sie bedingt die Klugheit und Besonnenheit. Unter Zeitdruck und in Bedrängnis wird es uns schwerfallen, kluge und wohl abgewogene Entscheidungen zu treffen. In der Gelassenheit verabschieden wir uns von dem Anspruch, alles kontrollieren zu müssen …“ (S. 135). Gelassenheit aber sei nicht mit Ruhe oder Passivität zu verwechseln. „Gelassenheit ist eine Form der Erkenntnis! Sie ist als Haltung der erkennende Umgang mit dem, was nicht in unserer Macht steht, der Umgang mit der Zeit als dem Unverfügbaren schlechthin. Nur in der Gelassenheit sind wir weder Herr noch Knecht der Zeit, können wir sie gestalten, weil sie sich zeigt“ (S. 136).

Gestaltung wiederum verlangt nach der Fähigkeit, das Mögliche zu denken: „Wir brauchen eben nicht allein den Wirklichkeitssinn, der das Faktische nur bejahen kann, sondern vor allem den Möglichkeitssinn, der erfinderisch ist, kritisch und spielerisch. Es kommt doch darauf an, im Wirklichen das Mögliche zu sehen, und diesem Möglichen eine Wirklichkeit zu geben“ (S. 37 f.).

In einem auch online (hier) zugänglichen Artikel aus Forschung & Lehre vom Juli 2014 macht Dörpinghaus klar, dass er der heutigen Hochschulbildung nicht (mehr) zutraut, einen solchen Möglichkeitssinn zu erarbeiten und bei den Studierenden zu entfachen. Stattdessen konstatiert er eine Post-Bildung – quasi eine Steigerung der Halbbildung, die Adorno vor mehr als einem halben Jahrhundert beschrieben hat. Die Post-Bildung selbst sei Kontrolle. Der Bologna-Prozess habe die Universität an die Struktur einer alles verwaltenden Kontrollgesellschaft angepasst. Das Konstrukt „Workload“ – also eine fiktive Zeiteinheit – strukturiere das Studium, nicht mehr aber die Wissenschaften oder ihr Zugang zum Wissen.

Im letzten Kapitel ihres Buches (Wider die Verdummung), findet die Kritik an der Kontrollgesellschaft mit ihrem Zeitregime ihren Höhepunkt – auch in der Sprache (aber wahrscheinlich braucht man drastische Bilder dann, wenn kritische Aussage in gemäßigterer Form einfach nicht gehört werden): „Scheinbar gänzlich frei, sind wir Geiselnehmer und Geisel der Zeit in einem. Satt Lösegeldforderungen gibt es das Versprechen auf Heil. Die Ökonomie tritt in der Moderne als Ökonomie der Zeit das Erbe der Religion an, um die Unsicherheit und Unvorhersehbarkeit berechenbar zu machen. Das Heilsversprechen – Wachstum, Wohlstand und Erfolg – wird zum Symbol quasi-göttlicher Gnade und des Wohlwollens. Es geht um die bestmögliche Ausnutzung von Zeit, um Zeitmanagement und Lebenszeitoptimierung. Dass der Begriff des Nutzens sich gänzlich aus ethische-humanitären Lesarten löst, fällt in quantitativ formalen Zeitkontexten nicht ins Gewicht“ (S. 144). „Wir werden nicht mehr in Räume, sondern in Zeiten gesperrt, unmerklich, als seien wir in der Zeitgestaltung frei. Von diesem Gedanken lebt die kleine Freiheit des großen Zwanges, seine Zeit gewinnbringend zu managen“ (S. 145). Aber wie unterscheidet sich das nun genau: die Zeit zu gestalten und die Zeit zu managen?

Ich denke, eine Antwort auf diese Frage steckt in der Transformation vom Subjekt zum Objekt: War in der Antike die „Selbstsorge“ noch so gemeint, dass man sich um das Leben sorgte, um die Anderen, um das rechte Haushalten und eben auch um die Zeit, so hat die christliche Deutung und Umsetzung von Selbstsorge stets mit Unterwerfung unter eine vorgegebene Ordnung zu tun (S. 145) – ähnlich wie im gegenwärtigen Lebenszeitregime wurde der Mensch Objekt der Sorge. Und so kann man für heute festhalten: „Der nach außen getragene (dann auch ritualisierte, inszenierte) Wille zur Selbstverbesserung gehört zur modernen Zeittechnologie“ (S. 146).

Aber zielt nicht Bildung gerade auch auf eine Selbstverbesserung oder Selbstvervollkommnung ab? „In der Tat verbinden wir mit Bildung auch eine Verbesserung, aber diese geht gerade nicht in der Effizienz auf, sondern betrifft unser Menschsein. […] Das Ziel ist, dass wir die Welt mit anderen Augen sehen, kluge Entscheidungen treffen und in der Lage sind, unser Leben nach vernünftigen Gesichtspunkten zu führen, Bescheid zu wissen.“ (S. 147) Und genau dieses Bildungsverständnis werde mit der Kontrollgesellschaft auf den Kopf gestellt: Bildungssysteme mutieren zu „Zeitdisziplinaranstalten“ und an die Stelle von Mündigkeit tritt blinder Gehorsam – im Gewand der flexiblen Anpassungsleistung. „Mit der Kontrollgesellschaft […] hat sich die Halbbildung zur Verdummung perfektioniert“ (S. 149).

„Nietzsche hat prophezeit, dass eine Zeit kommen wird, in der nicht mehr verstanden werden kann, was Bildung für den Menschen und sein Menschsein bedeutet. Wir sind angekommen“ (S. 149).

TED: Michael Rubinstein: See invisible motion, hear silent sounds. Cool? Creepy? We can't decide - Michael Rubinstein (2014)

TEDTalk - Dezember 23, 2014 - 16:31
Meet the “motion microscope,” a video-processing tool that plays up tiny changes in motion and color impossible to see with the naked eye. Video researcher Michael Rubinstein plays us clip after jaw-dropping clip showing how this tech can track an individual’s pulse and heartbeat simply from a piece of footage. Watch him recreate a conversation by amplifying the movements from sound waves bouncing off a bag of chips. The wow-inspiring and sinister applications of this tech you have to see to believe.

Erschienen: Gerüstet fürs Studium? Lernstrategien und digitale Medien

head.zblog - Dezember 23, 2014 - 12:36

Kurz vor Jahresende ist auch das Buch von Damian Miller zu Lernstrategien im Studium und digitale Medien erschienen; als vorgezogenes Weihnachtsgeschenk lag eine Ausgabe nun in meinem Postfach. Im Verlagstext heißt es dazu:

Dieser Band unterbreitet ausgewählte Resultate der Studie »Lernstrategien und digitale Medien; eine explorative Langzeitstudie« und beschäftigt sich mit den Fragen: Wie nutzen die Studierenden ihre Lernstrategien und die digitalen Medien? Inwiefern verändern sie deren Nutzung im Verlauf des Bachelorstudiums? Gibt es Zusammenhänge? Die Ergebnisse der Studie wurden Expertinnen und Experten aus den Bereichen Lernen, Lernstrategien und digitale Medien zur Interpretation und Diskussion vorgelegt. (Inhaltsverzeichnis und Vorwort)

Im Theorieteil habe ich einen Beitrag zur Bedeutung der Mediennutzung an der Hochschule beisteuern dürfen. Hier habe ich mir Gedanken gemacht, welche Bereiche an der Hochschule eigentlich für die Mediennutzung relevant sind: Bei näherer Betrachtung können vielfältige Bedeutungen ausgemacht werden, abhängig davon, welche Ebene man betrachtet und welchen (disziplinären) Blickwinkel man einnimmt. Diese Perspektiven werden vorgestellt und hinsichtlich Potenzial und Lücken der Betrachtung bewertet. Der Beitrag wollte Bedeutungszuschreibungen aufzeigen und am Schluss unter der Zielperspektive der Gestaltung von Medienbildungsräumen an der Hochschule zusammenführen.

Der zweite Beitrag widmete sich dann der Interpretation und Bewertung der Langzeitstudie. Das Anliegen der vorliegenden Untersuchung bestand neben der Analyse von Lernstrategien Studierender im Laufe des Studiums auch in der Analyse der Medien und Mediennutzung. In meinem Statement habe ich vor allem diesen Teil beleuchtet und gefragt, wie sich die in der Studie erhobene Mediennutzung der Studierenden in die Diskussion von Hochschule und Medien einpassen. Nach der Beleuchtung der allgemeinen Mediennutzung bin ich auf die Veränderungen im Laufe des Studiums eingegangen, bevor ich anschließend daran Medien- und Informationskompetenz als wichtige Aufgabe von Schule und Hochschule aufgrund der Daten begründe sowie auf Anforderungen im Studium hervorgehoben habe.

Ich bin nun gespannt, wie die Studie und die damit zusammenhängende Einordnung eingeschätzt werden, ich jedenfalls werde über die Tage einen vertieften Blick ins Buch werfen.

Erschienen: Grenzenlose Medienbildung in der Schule? in merz Wissenschaft

head.zblog - Dezember 23, 2014 - 12:33

Zum Jahresende erscheint in gewohnter Manier die merz Wissenschaft, dieses Jahr unter dem Thema Bildung mit und über Medien – Perspektiven von Bildungsforschung und Medienpädagogik.  Thematisiert werden in diesem Heft das Feld Medien und Bildungsprozesse aus ganz unterschiedlichen Perspektiven. Rudolf Kammerl fasst es in seinem Editorial wie folgt zusammen

Insgesamt betrachtet eröffnen die Beiträge einen multiperspektivischen Zugang auf das Zusammenspiel von Sozialisation, Bildungsprozessen und (insgesamt wenig vorhandenen) Medienbildungsangeboten in der mediatisierten Gesellschaft. Das Wechselspiel zwischen informellen und formalen Lerngelegenheiten wird deutlich. Die zentrale Rolle der Lehrkräfte für die Umsetzung schulischer Medienbildung und den Einsatz digitaler Medien wird in mehreren Beiträgen gewürdigt und es können internale und externale Gründe für deren Handeln benannt werden. Zusammengeführt werden konnten Beiträge aus unterschiedlichen (Teil-)Disziplinen und forschungsmethodischen Traditionen. Unseres Erachtens werden einerseits Anschlussmöglichkeiten für Zugänge medienpädagogischer Forschung aber auch Impulse für die theoretische und konzeptionelle Weiterentwicklung der Medienpädagogik deutlich.

Auch ich habe einen Artikel besteuern dürfen, der Medienhandeln von Lehrpersonen zu rekonstruieren versucht und dabei auf die Einträge in Weblogs zurückgriff: Wie sehen mediale Handlungspraxen von Lehrpersonen im Institutionsgefüge Schule aus? Ausgehend vom Bloggen als spezifische Form des Medienhandelns und den in den Weblogs dokumentierten Handlungspraxen habe ich aufgezeigt, dass pädagogisches Medienhandeln auch eine verstärkte Auseinandersetzung mit der Schule als Organisation und Bildungsinstitution benötigt. Mehr Informationen und Ergebnisse finden sich auch in der Präsentation zur Herbsttagung der Sektion Medienpädagogik der DGfE.

Wir verabschieden uns für 2014

scil - Dezember 23, 2014 - 12:06
Das Jahr 2014 geht dem Ende zu – der Schreibtisch ist fast aufgeräumt und nur noch ein Türchen in unserem Weihnachtskalender ist noch geschlossen. Wir melden uns wieder Anfang 2015…

TED: Erin McKean: Go ahead, make up new words! - Erin McKean (2014)

TEDTalk - Dezember 22, 2014 - 17:47
In this fun, short talk from TEDYouth, lexicographer Erin McKean encourages — nay, cheerleads — her audience to create new words when the existing ones won’t quite do. She lists out 6 ways to make new words in English, from compounding to “verbing,” in order to make language better at expressing what we mean, and to create more ways for us to understand one another.

Weihnachten 2014

Weiterbildungsblog - Dezember 21, 2014 - 08:12

Der Schreibtisch wird langsam leerer, die letzten Deadlines sind abgearbeitet, alle noch offenen Aufgaben auf das nächste Jahr geschoben. Zeit für eine Pause, fürs Zurückblicken und Planen. Ich wünsche allen geruhsame Weihnachtstage, einen guten Start ins Neue Jahr - und auf ein Wiedersehen in 2015!
Euer/ Ihr Jochen Robes

Bildquelle: Ana Sofia Guerreirinho

Widerstand überfällig

Gabi Reinmann - Dezember 20, 2014 - 05:19

In einer aktuellen Pressemitteilung (hier) berichtet die Hochschulrektorenkonferenz (HRK) von einer gemeinsamen Erklärung der Rektorenkonferenzen aus fünf europäischen Ländern. Sie „warnen davor, das Wesen der Promotion als erster Phase forschungsbasierter Arbeit junger Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zu verwässern“. Diese Gefahr nämlich bestehe, wenn, wie offenbar geplant, die Promotionsphase im Zuge des Bologna-Prozesses nun tatsächlich als ein dritter Zyklus dem Bachelor und Master „äußerlich und strukturell“ angeglichen werden soll. Das heißt dann: Lernergebnisse operationalisieren, Credit Points vergeben, ein „Diploma Supplement“ mit einer Kompetenzbeschreibung erstellen. Parallel dazu dränge – so die Erklärung – die EU-Kommission darauf, dass Teile der Promotion darin bestehen, „arbeitsmarktorientierte Zusatzqualifizierungen“ zu durchlaufen.

Der Widerstand gegen ein solches Ansinnen ist überfällig. Die Arbeitsmarktorientierung – so meine Einschätzung – wächst sich allmählich zu einer Krake aus, die andere Zwecke und damit andere wichtige gesellschaftliche Bereiche und deren Erfordernisse sträflich missachtet.

Überfällig wäre im Übrigen auch eine Reform des European Credit Transfer System (ECTS). Nach 15 Jahren eigener Arbeit mit diesem System komme ich zu dem persönlichen Schluss, dass es nicht die erhoffte Orientierung für Fragen der Arbeitsbelastung im Studium und eine bessere gegenseitige Anerkennung von besuchten Veranstaltungen und/oder abgelegten Prüfungen gebracht hat. Eher hat es bei Studierenden ein (am Ende durchaus konsequentes!) Verhalten und eine Haltung befördert, die dazu führen, dass das strategisch klug geplante formale Erfüllen von Anforderungen die Entwicklung inhaltlicher Interessen, Fähigkeiten und Kenntnisse weit übersteigt. Für Lehrende haben sich Credit Points teilweise in eine Währung verwandelt, mit der man (analog zu anderen numerischen Darstellungsweisen von guter und wichtiger Forschung in Form von Drittmittelhöhe und Publikationsindizes) die Relevanz des eigenen Fachs oder Themengebiets demonstriert.

Das ist alles andere als überzeugend und es wäre an der Zeit, darüber nachzudenken, ob man keine andere Lösung für die Anerkennung von Studienleistungen jenseits der völlig fiktiven Zeitangaben finden könnte. Wie wäre es z.B. mit Farben statt Punkten? Man stelle sich vor, Studierende sammeln und kombinieren statt Punkten Farben und gestalten damit ihr Bild vom Studium – die einen mehr unifarben (disziplinär in die Tiefe), die anderen eher bunt (interdisziplinär in die Breite), die einen mit sichtbarer Rhythmik in der Farbgebung, die anderen assoziativ mit einer sich nur langsam erschließenden Gestalt. Was würde das aussagen im Vergleich zum Punktestand? Wie würde ein solches System das Handeln der Studierenden und der Lehrenden beeinflussen? Es ist bald Weihnachten … ich dachte, man kann sich ja mal was wünschen

The 25 Hottest Skills That Got People Hired in 2014

Weiterbildungsblog - Dezember 19, 2014 - 17:43

Es ist die Welt, wie LinkedIn sie sieht und wie sie sich in den Daten von LinkedIn widerspiegelt. Das heißt für 2014: Gefragt sind vor allem IT und Marketing Skills. Was der Autor wiederum in folgende Empfehlungen übersetzt: “Investing in STEM; Data. Data everywhere; It pays to know a second language; Rise of the technical marketer.” Noch interessanter ist aus meiner Sicht das Potenzial, das hinter diesen Auswertungen schlummert: wenn es weiter differenziert und personalisiert wird; wenn es direkt mit Bildungsangeboten wie z.B. MOOCs verknüpft wird, usw. (siehe auch Coursera Blog: “Top 2014 LinkedIn Skills That Tie Back to Top Coursera Courses”).
Sohan Murthy, LinkedIn Official Blog, 17. Dezember 2014

TED: Mundano: Pimp my ... trash cart? - Mundano (2014)

TEDTalk - Dezember 19, 2014 - 16:18
In Brazil, "catadores" collect junk and recyclables. But while they provide a vital service that benefits all, they are nearly invisible as they roam the streets. Enter graffiti artist Mundano, a TED Fellow. In a spirited talk, he describes his project "Pimp My Carroça," which has transformed these heroic workers' carts into things of beauty and infused them with a sense of humor. It's a movement that is going global.

That was the year that was for online learning: thank you and goodbye, 2014

Weiterbildungsblog - Dezember 19, 2014 - 14:51

Tony Bates wertet seine Aktivitäten sowie die Interessen seiner Leser aus. Interessant sind vor allem seine “main takeaways from 2014″, in denen ich viele Überschneidungen mit meinen eigenen Erfahrungen des laufenden Jahres sehe:
“1. Blended/hybrid learning is the future for campus-based universities. …
2. We are demanding too much of faculty. Not only must they be subject experts and top researchers, they must also now be experts in teaching methods and learning technologies. …
3. Expect a continued rough ride for open educational resources in 2015. …
4. Cost remains a major challenge for the post-secondary education system. …”

Tony Bates, e-learning and distant education resources, 19. Dezember 2014

The Position of xMOOCs in Educational Systems

Weiterbildungsblog - Dezember 19, 2014 - 12:12

Hier die Zusammenfassung: “Die Idee der xMOOCs sollte ursprünglich das US-Hochschulbildungssystem durch die kostenfreie Vermittlung von Wissen für die Massen revolutionieren. Dieses Ziel wurde aus verschiedenen Gründen nicht erreicht. Hierzu zählen u.a. die Vernachlässigung der Wichtigkeit und Vorteile des Präsenzlernens, die hohe Arbeitsbelastung der Studierenden durch einen xMOOC, die Konsequenzen der in xMOOCs üblichen didaktischen Vorgehensweise, die Finanzierung der hohen Kosten eines xMOOCs sowie der schwierigen Integration des xMOOC-Modells in die Lehrorganisation an Hochschulen. Deswegen entwickeln sich xMOOCs in der letzten Zeit zu einer Methode der professionellen Weiterbildung, mit einem dazu passenden kostendeckenden Geschäftsmodell.”

Wie es Titel und Zusammenfassung andeuten, versucht Rolf Schulmeister im Artikel (Englisch), xMOOCs im amerikanischen Bildungssystem zu verorten. Wobei seine Ausführungen zur Motivation der Lernenden und zum didaktischen Rahmen der “neuen” Online-Kurse nicht an Landesgrenzen haltmachen. Der Beitrag findet sich übrigens in eleed, jenem von der FernUniversität in Hagen herausgegebenen Online-Journal, das einmal im Jahr mit einer neuen Ausgabe überrascht.
Rolf Schulmeister, e-learning and education (eleed), Vol. 10, Dezember 2014

TED: Bruno Torturra: Got a smartphone? Start broadcasting - Bruno Torturra (2014)

TEDTalk - Dezember 18, 2014 - 16:01
In 2011, journalist Bruno Torturra covered a protest in São Paulo which turned ugly. His experience of being teargassed had a profound effect on the way he thought about his work, and he quit his job to focus on broadcasting raw, unedited experiences online. In this fascinating talk, he shares some of the ways in which he's experimented with livestreaming on the web, and how in the process he has helped to create a very modern media network.

Top Ed-Tech Trends 2014: The Indie Web

Weiterbildungsblog - Dezember 18, 2014 - 14:10

Nach einigen kritischen Beiträgen über die Schlaglichter des Jahres 2014 hatte Audrey Watters das Bedürfnis, einen “aspirational post” zu verfassen, “to write about something that gives me hope”. Und Hoffnung gibt ihr die “Indie Web”-Bewegung. Sie steht für eine “Re-Dezentralisierung des Web”, für die Lerner als die wahren Subjekte der Bildung und des technologischen Wandelns. Sie macht diese Bewegung natürlich an verschiedenen Beispielen, Projekten und Aktionen fest. Eines sticht jedoch aus ihrer Sicht heraus, weil es wie kein anderes die Idee und die Ziele des Indie Web verkörpert:

“I repeat this often: one of the most important initiatives in education technology is the University of Mary Washington’s Domain of One’s Own. The Domain of One’s Own gives students and faculty their own Web domain - not simply a bit of Web space at the university’s dot-edu, but their own domain. UMW facilitates the purchase of the domain; it helps with installation of WordPress (and other open source software); it offers support - technical and instructional; it hosts the site until graduation. And then, contrary to what happens with the LMS, the domain and its content is the student’s to take.

You can frame it as an e-portfolio, sure. Or you can frame it as an opportunity for students to “learn to code” and as such to boost their employability. Or you can frame Domain of One’s Own as a foundation for an ed-tech Indie Web Movement, and something that’s spread to multiple campuses this year - Davidson College, Emory University, the University of Oklahoma, and CSU Channel Islands are all now piloting “Domain”-like initiatives.”
Audrey Watters, Hack Education, 16. Dezember 2014

Using time and space in online learning

Weiterbildungsblog - Dezember 17, 2014 - 19:11

Wenn wir Lernaktivitäten planen, bilden Zeit und Raum wichtige Koordinaten. Tony Bates spielt hier die Vorteile durch, die wir aus medienpädagogischer Sicht mit den Optionen “live”/ “recorded” sowie “synchronous”/ “asynchronous” verbinden. Dann kommt noch das Internet hinzu, dass die Infrastruktur für fast alle Technologien und Formate bildet, die wir mit den genannten Attributen verbinden. Eine kurze Systematik, die uns allerdings noch keine abschließenden Entscheidungskriterien an die Hand gibt.
Tony Bates, e-learning and distant education resources, 16. Dezember 2014

TED: Carol Dweck: The power of believing that you can improve - Carol Dweck (2014)

TEDTalk - Dezember 17, 2014 - 16:12
Carol Dweck researches “growth mindset” — the idea that we can grow our brain's capacity to learn and to solve problems. In this talk, she describes two ways to think about a problem that’s slightly too hard for you to solve. Are you not smart enough to solve it … or have you just not solved it yet? A great introduction to this influential field.

What Are MOOCs Good For?

Weiterbildungsblog - Dezember 16, 2014 - 18:37

Große Versprechungen, dann die Ernüchterung. Und heute, still und leise, viele Experimente, Projekte und Ergebnisse, die zum einen das MOOC-Erlebnis verbessern und zum anderen anregen, auch die klassischen Hochschulformate immer wieder zu hinterfragen. Dabei nimmt der Autor vor allem Bezug auf den kürzlich erschienenen Artikel in IRRODL (”Learning in an Introductory Physics MOOC: All Cohorts Learn Equally, Including an On-Campus Class”).
Justin Pope, MIT Technology Review, 15. Dezember 2014

TED: Jeremy Howard: The wonderful and terrifying implications of computers that can learn - Jeremy Howard (2014)

TEDTalk - Dezember 16, 2014 - 15:50
What happens when we teach a computer how to learn? Technologist Jeremy Howard shares some surprising new developments in the fast-moving field of deep learning, a technique that can give computers the ability to learn Chinese, or to recognize objects in photos, or to help think through a medical diagnosis. (One deep learning tool, after watching hours of YouTube, taught itself the concept of “cats.”) Get caught up on a field that will change the way the computers around you behave … sooner than you probably think.

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