Sammlung von Newsfeeds

Massive Open Online Courses in der Krise. „Ernüchterung ist eingekehrt“

Weiterbildungsblog - August 1, 2015 - 19:03

Ich glaube, “Ernüchterung” trifft die Sache ganz gut. Die taz hat noch einmal einen amerikanischen Hochschullehrer gebeten, etwas zur Lage mitzuteilen, und da seine Hochschule gar keine MOOCs entwickelt, sagt er gleich auch etwas zu Online-Vorlesungen und Online-Bildung im Allgemeinen.

“Die Moocs waren ein Experiment. 80 Prozent aller Experimente gehen schief, aber man kann etwas daraus lernen. Wenn die Technologie besser wird, wenn die virtuellen Klassenräume mit den echten verschmelzen, wenn die Interaktion noch besser wird, wird es wahrscheinlich eine zweite Welle geben.”
Anna Lehmann, Interview mit C. L. Max Nikias, 1. August 2015

The Seven Ages of Information & Knowledge Management

Weiterbildungsblog - Juli 31, 2015 - 06:01

Schon 2004 hat David Skyrme zurückgeblickt und fünf Phasen in der Entwicklung der Disziplin “Knowledge Management” ausgemacht. Vor einiger Zeit hat er diese Chronologie aktualisiert und zwei weitere Phasen hinzugefügt: “Era 6: Social and Emotional IKM” und “Era 7: Big Data and Analytics”. Im vorliegenden Artikel stellt er diese Phasen vor und ergänzt sie um ein “7 Ages Maturity Model”. Abschließend hält er fest:

“From the early days of KM I have maintained that knowledge management and the learning organization are two sides of the same coin. As you apply KM you learn new knowledge, and as you learn your knowledge assets increase.”
Ach ja, und die letzte Referenz gilt Douglas Adams …
David J Skyrme, 2013  (via David Gurteen)

Magic Cleaning auf der Festplatte

Peter Baumgartner - Juli 31, 2015 - 05:43

Lässt sich das Erfolgskonzept von "Magic Cleaning" aus dem Bereich der realen Welt in das virtuelle Leben übertragen? Magic Cleaning ist ja nicht nur eine Strategie der Entrümpelung, sondern auch eine Vorgangsweise seinen eigenen Lifestyle zu überdenken und sich dabei selbst besser kennen zu lernen. Die Beschäftigung mit dem Gerümpel des Alltags hat Auswirkungen auf unser Denken und auf unsere Persönlichkeit. Oder wie Frau Marie Kondo es ausdrückt: Richtiges Aufräumen verändert das Leben. Stimmt das? Und wenn: Wie soll das mit dem Festplattenputz gehen? Warum sollen gelöschte Dateien mich selbstbewusster, zufriedener und ausgeglichener machen? Weiterlesen ...

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Developing a framework for teaching open courses

Weiterbildungsblog - Juli 30, 2015 - 09:11

Online-Kurse, so der Autor, spielen sich irgendwo zwischen MOOCs, universitären Kursen, die für Interessierte offen stehen (”open boundary courses”), sowie traditionellen, geschlossenen Kursen ab. Eine zentrale Herausforderung für das Design von MOOCs besteht deshalb in der Suche nach der richtigen Balance zwischen Offenheit und Struktur. Vor diesem Hintergrund und mit Blick auf seine eigenen Erfahrungen als MOOC-Facilitator, beschreibt Alec Couros, Professor an der University of Regina, sieben “challenges” und “strategies”.

Sie werden von einem schönen Zitat (Douglas Thomas und John Seely Brown) eingeleitet: “The new culture of learning actually comprises two elements. The first is a massive information network that provides almost unlimited and resources to learn about anything. The second is a bounded and structured environment that allows unlimited agency to build and experiment with things within those boundaries.” 
Alec Couros, Open Thinking, 7. Juli 2015

Booktype: gemeinsam Bücher schreiben

Peter Baumgartner - Juli 29, 2015 - 11:44

Es gibt eine Neuigkeit aus meinem Department: Ab sofort bieten wir ein neues Werkzeug zum kollaborativen Schreiben und Publizieren von Büchern an! Booktype ist eine webbasierte Open Source Plattform die nach dem Single-Source Multi-Channel Publishing funktioniert. Dabei wird von einem Ausgangsdokument in die verschiedenen gewünschten Zielformate publiziert. Kein zusätzliches Formatieren mehr, wenn Sie Ihr Printbuch als E-Book herausgeben wollen oder ihr Buch-PDF für Bildschirmbetrachtung optimieren wollen. Der Zugang zu unserer Plattform ist unter donau-uni.booktype.pro frei und öffentlich zugänglich. Weiterlesen ...

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Let’s Get Personal

Weiterbildungsblog - Juli 29, 2015 - 06:43

“Personalisierung” ist eines der Trendthemen, wenn es um die nächsten Schritte und Entwicklungen des Lernens und vor allem des Online-Lernens geht. Mal ist die Rede von individuellen Lernwegen, vom adaptiven Lernen, machmal auch schon von Learning Analytics und Algorithmen. Aber immer von Amazon. Die E-Learning-Experten von Kineo (jetzt: City & Guilds Kineo) haben auf einigen Slides diese Begriffe in einen Zusammenhang gestellt und um einige Beispiele ergänzt. Nützlich.
Stephen Foy, City and Guilds Kineo, 17. Juli 2015 (via slideshare)

Totara User Group 2015 - How To Add Personalisation In Your Learning from City and Guilds Kineo

“Wir wollen die Hochschule öffnen für alle”

Weiterbildungsblog - Juli 28, 2015 - 05:24

Ein letztes Mal “Hamburg Open Online University” vor der Sommerpause. In einem weiteren Interview versucht Sönke Knutzen (Vizepräsident für Lehre an der TU Hamburg-Harburg) herüberzubringen, was den Charme des Projekts ausmacht. Natürlich die Öffnung der Hochschulen. Aber dann auch das, was er “projektbasiertes Lernen” nennt:

“Was man in Amerika in den letzten Jahren viel gesehen hat, sind ja diese Massive Open Online Courses, das sind mehr oder weniger Vorlesungen, die ins Internet gestellt worden, wozu man Übungen machen kann. Was wir machen wollen, ist eher projektbasiertes Lernen ins Internet zu bringen. Das heißt, man wird nicht alleine gelassen, sondern man arbeitet an Projekten und man arbeitet in Gruppen und im Idealfall auch durch Mentoren oder Tutoren betreut.”
Markus Dichmann, Interview mit Sönke Knutzen, Deutschlandfunk, 27. Juli 2015

#crossposting: Offene Bildungsressourcen (OER) an Universitäten und Hochschulen: Plädoyer für eine didaktische Sicht

Sandra Hofues - Juli 27, 2015 - 08:50

Der folgende Beitrag geht auf eine Anfrage der Wikimedia zurück. Da der Artikel ohnehin frei zugänglich ist, nutze ich gerne die Gelegenheit, ihn wortgleich auch bei mir zu posten (zur Quelle im Original).

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Offene Bildungsressourcen (OER) an Universitäten und Hochschulen: Plädoyer für eine didaktische Sicht

Wie wahrscheinlich ist es, dass offene Bildungsressourcen – kurz OER – akademisches Lehren und Lernen verändern? Nach Aussage der Autoren des aktuellen Whitepapers zu „Open Educational Resources (OER) an Hochschulen“ (Deimann, Neumann und Muuß-Meerholz, 2015) unwahrscheinlich. Dennoch lohnt es sich, danach zu fragen, welche Auswirkungen die Auseinandersetzung mit und über OER im Hochschulkontext insbesondere für Studium und Lehre haben könnte. Wie lässt sich die Diskussion vor allem mit einer (hochschul-) didaktischen Sicht verbinden?

Einführung und Stand der Diskussion

Was für eine kleine Gruppe interessierter Forschender und Praktiker_innen seit über einem Jahrzehnt selbstverständlich ist, steht seit etwa drei Jahren auch auf der bildungs- und hochschulpolitischen Agenda weit oben: die Beschäftigung mit offenen Bildungsressourcen (OER). Als offen und frei zugängliches Material sollen sie den Zugang zu didaktisch aufbereiteten Inhalten erleichtern und Einblicke in Lernen und Arbeiten in Bildungseinrichtungen geben. Vorreiter für Universitäten und Hochschulen war sicherlich das Massachusetts Institute of Technology (MIT): Im MIT OpenCourseWare werden Lehr-Lerninhalte schon seit 2002 als offene Bildungsressourcen frei zur Verfügung gestellt. Mit dem Aufkommen der Massive Open Online Courses (MOOCs) wurde die Debatte um offene Bildungsressourcen in der Breite entfacht: National wie auch international stellt sich die Frage, wie man unter gegenwärtigen technischen und rechtlichen Bedingungen auf (öffentliches) Wissen zugreifen kann und welche Rolle Bildungseinrichtungen dabei spielen. Sind sie bspw. dafür verantwortlich, in ihnen entstandenes Wissen stets frei und offen zur Verfügung zu stellen? Ein Schwerpunkt in der Diskussion liegt daher im offenen Zugang zu Wissen, eine Forderung der Open Access (OA)-Bewegung, die seit ihrer Initiierung große Erfolge aufweist. So ist beispielsweise am 17. April 2015 in einem Spiegel-Artikel von einem „wegweisenden Urteil“ zu lesen: Demnach dürfen Uni-Bibliotheken alle Bücher digital anbieten. Der Weg zu einem freien und offenen Zugang zu Wissen und Informationen in Universitäten und Hochschulen ist demnach bereitet. Für offene Bildungsressourcen auch?

Die OA- und die OER-Bewegung basieren zwar auf denselben Prinzipien, die mit den Leitideen der 5R im Sinne des Open Content beschrieben werden: Es geht um

  1. das Recht, eigene Kopien von bestehenden Inhalten zu machen (Retain),
  2. das Recht, Inhalte wiederzuverwenden (Reuse),
  3. das Recht, Inhalte für eigene Zwecke anzupassen (Revise),
  4. das Recht, Inhalte unterschiedlicher Art zu vermischen (Remix) sowie
  5. das Recht, Kopien dieses neu entstandenen Inhalts wieder zu verbreiten (Redistribute).

Ein Unterschied findet sich aber doch: Während OA vor allem die Zugänglichkeit zu Büchern und anderen, textbasierten Veröffentlichungen regelt, setzt die OER-Bewegung darauf, dass didaktisch aufbereitetes Material der Gesellschaft zur Verfügung gestellt wird. Sie zeichnet an dieser Stelle ein ausgeprägter, beinahe idealistischer Gemeinwohlcharakter aus. Gleichzeitig nimmt die Bewegung durch den Fokus auf aufbereitetes Material selbst eine Einschränkung für den hier zugrunde liegenden Kontext Universitäten bzw. Hochschulen vor: In den Blick geraten vor allem solche digitalen Materialien, die für Lehre und Studium entstanden sind. Darunter fallen Lehrbücher genauso wie ganze Lehrveranstaltungen, in denen digitale Ressourcen entstanden sind oder die selbst digital z.B. in Form eines MOOCs vorliegen. Solche definitorischen Abgrenzungen sind hilfreich, um den tatsächlichen Stand von OER an Universitäten und Hochschulen zu begreifen. Sie machen beispielsweis klar, warum sich derzeit ein technischer, infrastruktureller oder auch bibliothekarischer Schwerpunkt in der Debatte ergibt: Orientiert an der Schwesterdebatte um OA wird vor allem nach nachhaltigen Möglichkeiten gesucht, didaktisch aufbereitetes Material digital zur Verfügung zu stellen. Dass hier Technologien genauso zum Einsatz kommen wie etablierte und neue Standards aus der Bibliothekswelt, dürfte klar sein und die disziplinäre Verortung der Debatte erklären.

Von dieser Schwerpunktsetzung gehen auch Deimann, Neumann und Muuß-Meerholz (2015) in ihrem kürzlich erschienenen Whitepaper zu „Open Educational Resources (OER) an Hochschulen“ aus. Sie konstatieren aber zugleich, dass sich die gesamte Debatte um OER an Hochschulen noch in den Kinderschuhen befindet. Obschon es nicht an Leuchtturmprojekten fehlt, mangelt es vor allem an dem Willen und den persönlichen wie auch technischen Ressourcen, Bildungsmaterialien in der Breite zur Verfügung zu stellen. Die Autoren des Whitepapers kommen allerdings zu dem Schluss, dass offene Fragen zu umfangreichen Infrastrukturen für digitales Bildungsmaterial oder Qualitätssicherungsinstrumente bald geklärt sein dürften. Doch so manch andere Frage bleibt nach Ansicht der Autoren unbeantwortet, darunter die Frage nach dem Einsatz von OER für das akademische Lehren und Lernen.

Leerstellen in der gegenwärtigen Diskussion

Es ist erstaunlich, dass insgesamt nur wenige normative Zielvorstellungen existieren, wozu Bildungsmaterialien digital vorliegen sollten. Zwar wird regelmäßig postuliert, „Bildung für alle“ solle ermöglicht werden. Selten werden aber weitere Szenarien für akademische Kontexte entworfen, wie man mit den frei und offen zugänglichen Bildungsmaterialien auch studieren könnte. Denn eins dürfte klar sein: Die Verfügbarkeit des Materials allein sorgt nicht dafür, dass damit auch gelernt wird. Es dient allenfalls einer kleinen Gruppe Engagierter dazu, sich im eigentlichen Sinne zu bilden. An dieser Stelle kommen Bildungsinstitutionen wie Universitäten und Hochschulen zurück ins Spiel: Sie bieten Lehr-Lernkontexte an, innerhalb derer gelernt wird – ganz gleich, ob mit OER oder mit anderen Materialien. Entsprechend stellt sich für Universitäten oder Hochschulen weniger die Frage danach, welches Material für Lernen und Bildung genutzt wird – dies wird ohnehin stark über das Fach oder die zugehörige Disziplin bestimmt. Vielmehr ist danach zu fragen, in welchen didaktischen Szenarien sich Optionen zur Nutzung, aber eben auch zur Weiterentwicklung von Bildungsmaterialien jeglicher Art ergeben.

Stellt man sich diese Frage(n), gelangt man rasch zu einer älteren didaktischen Diskussion darum, welche Rolle die eigene Wissensproduktion in Hochschulen gegenüber der Rezeption bestehenden Wissens spielt (vgl. Mayrberger und Hofhues, 2013, S. 57). Übersetzt in den Kontext der OER-Diskussion ginge es dann vor allem um offene Bildungspraktiken (OEP): Wie gestaltet sich akademisches Lehren und Lernen, wenn dort freie und offene Bildungsmaterialien zum Einsatz kommen? Welche Bedeutung haben dann Kollaboration und Vernetzung von Lernenden? Wie realistisch wären offene Curricula, wonach sich Studierende ihre Lerninhalte komplett selbst zusammenzusuchen bzw. -stellen? Welche Fähigkeiten würden bei Lernenden adressiert, wenn die Verantwortung für ihr Lernen und ihre Bildung komplett auf ihren Schultern lastet? etc.

Geht man von einer solchen durchschlagenden Kraft der OER-Bewegung aus, könnte sich auch akademisches Lehren und Lernen verändern. Dieser massive Wandel ist aber, Stand jetzt, unwahrscheinlich (Deimann et al., 2015, S. 55), denn: In Forschung und Lehre haben sich über die Jahrhunderte bestimmte Handlungspraktiken ausgeprägt, die von der Verfügbarkeit von Wissen und Information lediglich technisch-funktional beeinflusst werden. So kann man als Wissenschaftler_in bedeutend besser, schneller und umfangreicher über digitale Medien auf Wissen und Information zugreifen, die benötigten Fähigkeiten in der Recherche und der Bewertung dieser Information ändern sich aber nicht grundlegend. Kooperation und Vernetzung ist auch in der prä-digitalen Zeit für den wissenschaftlichen Diskurs von zentralem Wert gewesen – heute findet diese dann vornehmlich vermittelt über digitale Medien statt. Somit lassen sich zwei Leerstellen ausmachen, die in der bisherigen Debatte um OER wenig bearbeitet werden: 1) Vor allem wäre es wichtig, die gegenwärtige Diskussion in Richtung der OEP zu weiten. OER würden so als Grundlegung für OEP verstanden (Mayrberger und Hofhues, 2013). Auf diese Weise würde auch eine didaktische Zielrichtung für die Debatte ausgegeben, die derzeit noch nicht vorhanden ist. 2) Überdies könnte es von zentraler Bedeutung sein, sich über die Auseinandersetzung mit OER solchen Lernzielen zu nähern, die im Kontext akademischen Lehrens und Lernens seit jeher von zentraler Bedeutung sind: z.B. die Ausbildung von Medien- und Informationskompetenzen bei Lehrenden und Studierenden. Wie man Wissen und Information nämlich recherchiert, bewertet, wieder aufbereitet und (später) gegenüber der wissenschaftlichen Gemeinschaft kommuniziert, hat sich über die Jahrhunderte als ein Kern des Studiums ausgeprägt. Konstituierend sind dafür der Wissenschaft inhärente Elemente wie Kritik bzw. kritisches Denken, Austausch und Diskurs.

Mögliche Szenarien zum Einsatz von OER in Universitäten und Hochschulen

Bereits deutlich wurde, dass die Diskussion um OER eigentlich eine didaktische sein sollte, die didaktische Beschäftigung mit OER/OEP aber seit Jahren zu kurz kommt (vgl. dazu auch Zauchner und Baumgartner, 2007). Hier stellt sich dann primär die Frage, wie mit diesem Material gelernt werden kann oder bereits gelernt wird. Von daher lohnt sich der Blick auf zwei beispielhafte Szenarien, die klar machen dürften, in welche Richtung sich eine didaktisch konturierte Diskussion mit/um OER bewegen könnte.

Szenario 1: Lehrende stellen ihre Forschungstexte zur weiteren Be- und Verarbeitung in Lehrveranstaltungen zur Verfügung

Akademisches Lehren und Lernen ist zentral davon geprägt, dass Wissensvermittlung an Universitäten und Hochschulen nur unter Einbezug von Forschung stattfinden sollte und die Auseinandersetzung mit Forschung persönlich bildet. Zugrunde gelegt wird dazu die Idee der Bildung durch Wissenschaft. Übersetzt wird sie in „Spielarten“ forschenden Lernens (Reinmann, in Druck), also in didaktische Szenarien, die Studierenden ermöglichen, ihren eigenen (Forschungs-) Fragen in Vorlesungen, Seminaren oder Projekten nachzugehen. In allen Spielarten forschenden Lernens wäre es nun möglich, dass Studierende an Forschungstexten ihrer Lehrenden oder der wissenschaftlichen Gemeinschaft arbeiten und diese beginnen zu hinterfragen, eigene Fragen daran sammeln oder Artefakte mit den Lehrenden weiterentwickeln. Zumindest drei der oben genannten 5R-Prinzipien (Retain, Reuse, Revise) ließen sich durch die weitere Verarbeitung vorliegenden Forschungsmaterials problemlos umsetzen.

Erst die weitere Verarbeitung und Veröffentlichung (Remix, Redistribute) dürfte Lehrenden wie Forschenden schwer fallen, da es sich hier nicht mehr um die weitere Verwendung des Forschungsmaterials für Lernzwecke handelt, sondern deren Bewertung und Begutachtung in den Bereich der Forschung selbst fällt. Kopien haben dort aber – ebenso wenig wie Mashups – keinen Wert (Gehlen, 2011). Sie könnten allenfalls einen persönlichen Nutzen für die beteiligten Lehrenden und Studierenden erzeugen, wenn nämlich durch die gemeinsame Beschäftigung interessante neue Forschungsfragen erzeugt werden, wenn Fehler in der Forschung aufgedeckt werden oder wenn sich Studierende schlicht zu Co-Forschenden entwickeln.

Szenario 2: Lehrende produzieren mit Studierenden offene Bildungsmaterialien

Problemorientierter als Szenario 1 ist Szenario 2: Es rekurriert nur mittelbar auf die Idee der Universität und greift stattdessen eher eine praxisorientierte Sichtweise auf, die sich besonders für solche Studiengänge eignet, in denen Studierende für pädagogische Berufe ausgebildet werden. So könnte es für Studierende und spätere pädagogische Fachkräfte von zentraler Bedeutung sein, einmal selbst digitales Bildungsmaterial zu erstellen und gewissermaßen am Material ihre Medien- und Informationskompetenzen zu entwickeln. Offene Bildungsmaterialien würden dann beispielsweise an Universitäten und Hochschulen produziert und kämen jetzt oder später in anderen Bildungseinrichtungen (z.B. Schulen) zum Einsatz. Für Konzepte dieser Art gibt es bereits Namen: Sie lassen sich als medienpraktische Kurse bezeichnen oder sehen sich dem Dienst an der Gemeinschaft im Sinne des Service Learning verpflichtet. Die so entstehenden (digitalen) Ressourcen (OER) sind speziell für didaktische Kontexte gedacht und es nicht nur wünschenswert, sondern geradezu erwünscht, sie auch zu erproben, gemeinsam weiterzuentwickeln und beständig neu auf dafür gedachten Plattformen im Internet zu veröffentlichen.

Die beiden vorgestellten Szenarien könnten unterschiedlicher kaum sein, greifen sie doch eine eindeutig forschungsorientierte und eine eindeutig praxisorientierte Sichtweise auf akademisches Lehren und Lernen auf. Sie sind jedoch nicht gänzlich unvereinbar: So könnte eine forschungsorientierte Auseinandersetzung mit und über OER immer auch einen praktischen und theoretischen Gehalt haben. Auch ließen sich eher problem- und praxisorientierte Szenarien um Forschungskomponenten anreichern, wenn man bedenkt, dass die studentische Wissensproduktion für das forschende Lernen ebenfalls zentral ist.

Fazit Es dürfte von herausragender Bedeutung sein, die bisherigen Debatten um OER an Deutschlands Universitäten und Hochschulen didaktisch zu rahmen. Zwei denkbare Szenarien für den Einsatz von OER in Universitäten und Hochschulen wurden deshalb vorgestellt und in Bezug zur hochschuldidaktischen Diskussion gesetzt. Diese Bezugnahme ist wichtig, damit die OER-Diskussion in Universitäten und Hochschulen Gehör findet, aber auch zur Weiterentwicklung von Studium und Lehre beiträgt. Immerhin bietet sie das Potenzial, Studierenden und Lehrenden in forschungs- und problemorientierten Lehrveranstaltungen wichtige Studien- und Lehrerfahrungen zu ermöglichen. Literatur
  • Deimann, M., Neumann, J. & Muuß-Meerholz, J. (2015). Whitepaper Open Educational Ressources (OER) an Hochschulen in Deutschland – Bestandsaufnahme und Potenziale 2015. Berlin: Transferstelle für OER mit freundlicher Unterstützung des Stifterverband für die Deutsche Wissenschft.
  • Gehlen, D. (2011). Mashup – Lob der Kopie. Frankfurt: Suhrkamp.
  • Mayrberger, K. & Hofhues, S. (2013). Akademische Lehre braucht mehr „Open Educational Practices“ für den Umgang mit „Open Educational Resources“ – ein Plädoyer. Zeitschrift für Hochschulentwicklung, 8(4), 56–68.
  • Reinmann, G. (in Druck). Forschungs- und Berufsorientierung in der Lehre aus hochschuldidaktischer Sicht. Erscheint in P. Tremp (Hrsg.), Forschungsorientierung und Berufsbezug im Studium (Blickpunkt Hochschuldidaktik). Bielefeld: W. Bertelsmann.
  • Zauchner, S. & Baumgartner, P. (2007). Herausforderung OER – Open Educational Resources. In Merkt, M., Mayrberger, K., Schulmeister, R., u. a. (Hrsg.) Studieren neu erfinden – Hochschule neu denken. Reihe Medien in der Wissenschaft (S. 244–252). Münster: Waxmann.

Digitale Medien: Position

Weiterbildungsblog - Juli 27, 2015 - 05:10

Auch wenn es in der aktuellen Ausgabe des InfoForums des f-bb (Forschungsinstitut Betriebliche Bildung) vor allem um E-Learning 1.0 geht, kann man Einschätzung und Ausblick von Thomas Reglin teilen: “Digitale Medien sind im Alltag der beruflichen Bildung angekommen. … Bildungsanbieter werden sich künftig auch durch die Breite ihres eLearning-Portfolios zu profilieren haben.”
Thomas Reglin, InfoForum/ f-bb, Juli 2015 (pdf)

Sendepause

Gabi Reinmann - Juli 25, 2015 - 04:25

Ein bisschen früher und ein bisschen länger als üblich … wird die Sendepause 2015. Warum? Zum einen brauche ich dringend etwas Zeit zum Aufatmen, zum Nachdenken, zum Aufarbeiten, zum Planen. Es ist viel passiert seit August 2014 – das muss sich jetzt mal „setzen“. Zum anderen müssen wir noch komplett gen Norden ziehen und das kostet natürlich auch einiges an Zeit. Daher gibt es jetzt im Denkzettel-Blog eine Pause bis zum 06. September 2015. Ich melde mich dann mit hoffentlich klarem Kopf und neuen Ideen wieder – aus Hamburg. Bis dann!

Join the Nano Open Online Courses (NOOCs) Adventure!

Weiterbildungsblog - Juli 24, 2015 - 21:50

Ein Nano Open Online Course (NOOC) ist ein Massive Open Online Course, der nur eine einzige Woche dauert, um Lernende und Gastgeber zu entlasten. Zaid Ali Alsagoff schreibt: “Instead of having to do the whole course, I can now focus on the juice (I want), get assessed, and be certified (or Badged) on it. Yes, a NOOC is more granular, chunked, digestible, meaningful (evidence) and juicy!” Aber Stephen Downes fragt zu Recht: “My question is, can we build a meaningful network around a course that is an hour or two long? Or does it just become another way to present content?”
Zaid Ali Alsagoff, ZaidLearn, 24. Juli 2015

Yuval Noah Harari: What explains the rise of humans?

TEDTalk - Juli 24, 2015 - 15:16
Seventy thousand years ago, our human ancestors were insignificant animals, just minding their own business in a corner of Africa with all the other animals. But now, few would disagree that humans dominate planet Earth; we've spread to every continent, and our actions determine the fate of other animals (and possibly Earth itself). How did we get from there to here? Historian Yuval Noah Harari suggests a surprising reason for the rise of humanity.

Weil ich es will. Empfehlungen eines Autodidakten

Weiterbildungsblog - Juli 24, 2015 - 09:19

brand eins hat jetzt die Artikel ihrer Ausgabe mit dem Schwerpunkt “Talent” freigeschaltet. Es finden sich dort Berichte über das Talentmanagement bei Fresenius und zur Universität der Zukunft. Aber vielleicht ist dieser Artikel von Johnny Haeusler ein guter Einstieg.

“Die Arbeit an diesem Text, mit dem ich mich auf die Suche nach meinen eigenen Fähigkeiten und Talenten begeben wollte, begann mit Erstaunen.
„Was, würdest du sagen, ist mein größtes Talent?”
Ich stellte diese Frage im Verlauf einiger Tage einem Dutzend engerer Freunde und Familienmitglieder, und niemand antwortete sofort. Alle fingen an zu grübeln, was mich etwas irritierte. …”

Johnny Haeusler, brand eins, 06/2015

Die Schule probt den digitalen Hochsprung

Weiterbildungsblog - Juli 23, 2015 - 21:14

Ich werde jetzt nicht beginnen, auch noch in die Diskussion um die digitale Bildung in den Schulen einzusteigen. Aber es ist natürlich die gleiche Diskussion, die wir auch in der Weiterbildung führen, nur sind in der Schule mehr Emotionen, mehr Grundsätzliches, mehr Hirnforschung und Entwicklungspsychologie im Spiel. Der Autor führt die verschiedenen Positionen, Interessen und aktuellen Projekte in dieser Debatte sehr gut zusammen. Von OER, über die Geschäftsmodelle der großen IT-Anbieter bis zur “Informatik mit Holzspielzeug”. Hier ein kurzer Ausschnitt:

“Die Konsequenzen für die Rolle des Lehrers sind in jedem Fall weitreichend: Sie müssen der Technik ihren Platz im Unterrichtsgeschehen geben - und für dessen Grenzen sorgen. Sie müssen einschätzen, wann die Schüler selbst geforscht, gedacht, gelernt haben - und wo sie vielleicht doch nur rasch Material für eine Präsentation zusammenkopiert haben, die ihrem Kenntnisstand gar nicht entspricht. Und die Lehrer müssen in einem Lernfeld, das die Grenzen der klassischen Lehrbücher, -karten und -filme längst hinter sich gelassen hat, erkennen und vermitteln, welche ideologische Färbung, welche Indoktrination, welcher Eigennutz schon in frei verfügbaren Unterrichtsmaterialien liegen kann - von anderen Quellen im Internet zu schweigen.”
Fridtjof Küchemann, FAZ.net, 23. Juli 2015

The Web We Need to Give Students

Weiterbildungsblog - Juli 23, 2015 - 18:01

2013 startete die University of Mary Washington die Domain of One’s Own Initiative. Studierende erhalten hier nicht einfach eine “Ecke” im System ihrer Hochschule, die sie sich persönlich einrichten dürfen, sondern wirklich eine Domain, die sie nach Beendigung ihrer Studienzeit weiterführen können. Für Audrey Watters ein richtiger Weg, um Studierende als handelnde Subjekte ihrer Bildungsbiografie ernst zu nehmen.

“Giving students their own digital domain is a radical act. It gives them the ability to work on the Web and with the Web, to have their scholarship be meaningful and accessible by others. It allows them to demonstrate their learning to others beyond the classroom walls. To own one’s domain gives students an understanding of how Web technologies work. It puts them in a much better position to control their work, their data, their identity online.”
Audrey Watters, Bright, 15. Juli 2015

eL Seed: Street art with a message of hope and peace

TEDTalk - Juli 23, 2015 - 14:58
Born in France to Tunisian parents, eL Seed delights in juggling multiple cultures, languages and identities. Not least in his artwork, which sets Arabic poetry in a style inspired by street art and graffiti. In this quietly passionate talk, the artist and TED Fellow describes his central ambition: to create art so beautiful it needs no translation.

A Master List of 1,150 Free Courses From Top Universities: 35,000 Hours of Audio/Video Lectures

Weiterbildungsblog - Juli 23, 2015 - 08:45

“The list lets you download audio & video lectures from schools like Stanford, Yale, MIT, Oxford and Harvard. Generally, the courses can be accessed via YouTube, iTunes or university web sites, and you can listen to the lectures anytime, anywhere, on your computer or smart phone… Enough to keep you busy for a very long time.”

Eine Fleißarbeit, und sie deckt nur kleinen Teil der Schätze ab, die Open Culture verlinkt!
Dan Colman, Open Culture, 22. Juli 2015

Big Data, Learning Analytics and Distance Education

Weiterbildungsblog - Juli 23, 2015 - 05:38

Manchmal kann man die Dinge auch in wenigen Zeilen auf den Punkt bringen. Wie hier Terry Anderson, Professor für Distance Education an der Athabasca University/ Canada. Sein Standpunkt zum Thema “Learning Analytics”: Auf der einen Seite könnte Learning Analytics allen Beteiligten wichtige Informationen an die Hand geben, um Lernangebote und Lernprozesse zu verbessern. Was gerade für Distance Education einen Quantensprung bedeuten könnte. Die Fragezeichen: Wem gehören eigentlich die Daten? Was sind eigentlich Indikatoren für gute Lernprozesse?
Terry Anderson, Open Thoughts 2015, 22. Juli 2015

Wissen für alle und überall

Weiterbildungsblog - Juli 22, 2015 - 19:28

Ich muss sagen, dass mich die Vermarktungsstrategie der Hamburg Open Online University irritiert. Was ich erwarten würde, wären einladende, werbende Berichte über Bildung und Lebenslanges Lernen, die Öffnung der Hochschule, über Online-Kurse und neue Lernformate, Professoren, die jetzt online sind und sich auf neue Zielgruppen freuen, über Lern-Communities, denen man beitreten kann, wegen mir auch über neue Abschlüsse, die man erwerben kann, kurz: eine Aufbruchstimmung für die Bildung und das Lernen. Doch wozu brauche ich da den Begriff “Open Educational Resources”, wozu Berichte über das Urheberrecht und das Hochschullehrerprivileg der Professoren? Man hat fast Gefühl, hier beschäftigt sich wieder die akademische Bildungscommunity mit sich selbst, und verpasst die Chance, ein Zeichen zu setzen. Da sollte doch mehr gehen, auch wenn das Medium in diesem Fall die Deutsche Universitätszeitung ist.
Annick Eimer, Deutsche Universitätszeitung/ bildungsklick, 22. Juli 2015

John Green: The nerd's guide to learning everything online

TEDTalk - Juli 22, 2015 - 15:14
Some of us learn best in the classroom, and some of us ... well, we don't. But we still love to learn, to find out new things about the world and challenge our minds. We just need to find the right place to do it, and the right community to learn with. In this charming talk, author John Green shares the world of learning he found in online video.

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