Sammlung von Newsfeeds

A simple new blood test that can catch cancer early | Jimmy Lin

TEDTalk - Juli 25, 2017 - 14:53
Jimmy Lin is developing technologies to catch cancer months to years before current methods. He shares a breakthrough technique that looks for small signals of cancer's presence via a simple blood test, detecting the recurrence of some forms of the disease 100 days earlier than traditional methods. It could be a ray of hope in a fight where early detection makes all the difference.

Ludwik Fleck – Intellektuelle Unruhe

Gabi Reinmann - Juli 25, 2017 - 03:14

Titel des dritten Aufsatzes in „Erfahrung und Tatsache“ von Ludwik Fleck ist: „Über die wissenschaftliche Beobachtung und die Wahrnehmung im allgemeinen“. Es handelt sich um eine Übersetzung; das polnische Original ist 1935 erschienen. In ähnlicher Weise wie (hier) beim ersten Aufsatz und (hier) beim zweiten Aufsatz bespreche ich nun selektiv und mit Blick auf die Hochschuldidaktik den Text; Informationen zum Kontext dieses Unterfangens finden sich hier. Ich beginne wieder am Ende, denn die folgenden beiden Sätze auf der letzten Seite (S. 82) des Textes bringen das Wesentliche auf den Punkt: „Was wir denken und wie wir sehen, hängt vom Denkkollektiv ab, dem wir angehören“. „´Sehen´ heißt: im entsprechenden Moment das Bild nachzubilden, das die Denkgemeinschaft geschaffen hat, der man angehört“.

Eine „reine, vorurteilsfreie Beobachtung“, die „unabhängig ist von der Umgebung, ihrer Tradition und von der Epoche“ (S. 81), gibt es nach Fleck nirgendwo. „Unmöglich ist ein wirklich isolierter Forscher, unmöglich ist eine ahistorische Entdeckung, unmöglich ist eine stillose Beobachtung“. Auch das Denken sei daher eine „kollektive Tätigkeit“, die historischen Veränderungen unterläge.

Bereits im zweiten Aufsatz hatte Fleck deutlich gemacht, dass man das Sehen (in der Wissenschaft) erst lernen müsse. Nun konkretisiert er aber noch in eine andere Richtung, die eher das wissenschaftliche Handwerkszeug berührt: „Man muß … erst lernen, zu schauen, um das wahrnehmen zu können, was die Grundlage der gegebenen Disziplin bildet. Man muß eine gewisse Erfahrung, eine gewisse Geschicklichkeit erwerben, die sich nicht durch Wortformeln ersetzen lassen“ (S. 60). Und das sei ausgesprochen spezifisch für verschiedene (Teil-)Disziplinen: „Zu beobachten ist keine allgemeine Fähigkeit, sie umfaßt nicht alle Wissensgebiete zugleich. Im Gegenteil, sie beschränkt sich immer nur auf einen bestimmten Bereich“ (S. 61). Und daher gelte: „Ein in einem gewissen Bereich nicht geschulter Beobachter ist nicht imstande, eine brauchbare Beschreibung zu geben. Im besten Fall gibt er eine ausgedehnte, viele Einzelheiten enthaltende Beschreibung, von denen die Mehrzahl unwesentlich oder überhaupt zufällig sein wird“ (S. 61). Die Gestalt trete dann nicht aus dem Hintergrund hervor. Für die Wahrnehmung einer Gestalt nämlich brauche man „eine gerichtete Bereitschaft zu gewissen Wahrnehmungen“ (S. 61). Die Frage, die ich mir stelle ist, ob und inwieweit das auch für die Hochschuldidaktik gilt: Anders als etwa auf naturwissenschaftlichen Gebieten, scheint es auf dem Forschungsgebiet des (akademischen) Lehrens und Lernens wesentlich leichter und auch selbstverständlich zu sein, jederzeit mitreden und mitmachen zu können. Aber ist es tatsächlich so? Muss man nicht auch auf diesem Gebiet erst lernen zu sehen, was wichtig ist und was die relevanten Gestalten sind, die es näher zu ergründen gilt?

Was Laien und Fachleute sehen, ist also laut Fleck sehr verschieden: „Je näher die Bildung des beobachtenden Laien der Bildung des Fachmanns ist, desto näher ist auch das gesehene Bild“ (S. 65). Beobachtungsergebnisse unterscheiden sich aber auch zwischen Wissenschaftlern – und zwar in Abhängigkeit von ihren Denkstilen: je verschiedener die Denkstile, umso entfernter die Beobachtungsergebnisse (S. 68). Fleck geht sogar so weit, dass er daraus verschiedene Beobachtungsgegenstände folgert: „Man muß also sagen, daß zwei Beobachter, deren Denkstile weit genug voneinander entfernt sind, keine gemeinsame Beobachtungsgegenstände haben, sondern jeder von ihnen im Grundsatz einen anderen Gegenstand beobachtet“ (S. 68). Diese Folgerung ist sehr gewichtig. Für eine Disziplin wie die Hochschuldidaktik, von der wir immer wieder sagen (und hören/lesen), dass sie ein Schnittfeld etwa der Lehr-Lernforschung, Hochschulforschung und Wissenschaftsforschung ist, steht vor dem Hintergrund solcher Feststellungen vor einem gravierenden Problem: Wie kommt man eigentlich auf einen gemeinsamen Gegenstand?

Wenn nun aber erst der geübte Forscher wirken sehen und beobachten kann, ist damit leider auch ein gravierender Nachteil verbunden – der Nachteil der Routine – und wir kennen das alle: Der routinierte Forscher, so Fleck, der Denkgewohnheiten ausgebildet hat, sei nicht mehr imstande „unkritisch zu beobachten“ (S. 69). Für Fleck durchläuft das Erkennen letztlich drei grundsätzliche Etappen (S. 75 f.): vom „schöpferischen Chaos der Gedanken“ über einen beweisbaren Gedanken, der sich „im Stilsystem unterbringen“ lasse, bis zum selbstverständlichen Gedanken.

Selbstverständlichkeiten aber behindern neue Denkmöglichkeiten. Fund für Fleck „besitzt nur die Theorie einen Wert, die neue Forschungsfelder, neue Denkmöglichkeiten schafft, und nicht die, die zukünftigen Forschungen den Weg versperrt“ (S. 64). Und wie kommt man dahin? Kuhn vorwegnehmend, so meine ich, stellt Fleck hierzu fest: „Man kann etwas Neues und Abgeändertes nicht einfach und sofort sehen. Zuerst muß sich der ganze Denkstil verändern, muß die ganze intellektuelle Stimmung ins Wanken kommen, muß die Gewalt der gerichteten Denkbereitschaft aufhören. Es muss eine spezifische intellektuelle Unruhe und eine Wandlung der Stimmungen des Denkkollektivs entstehen, die erst die Möglichkeit und die Notwendigkeit dazu schafft, etwas Neues, Abgeändertes zu sehen“ (S. 78). Wann aber entsteht eine solche intellektuelle Unruhe? Was muss (alles) passieren, dass die Intellektuellen (gibt es die noch?) unruhig werden?

How cohousing can make us happier (and live longer) | Grace Kim

TEDTalk - Juli 24, 2017 - 14:52
Loneliness doesn't always stem from being alone. For architect Grace Kim, loneliness is a function of how socially connected we feel to the people around us -- and it's often the result of the homes we live in. She shares an age-old antidote to isolation: cohousing, a way of living where people choose to share space with their neighbors, get to know them, and look after them. Rethink your home and how you live in it with this eye-opening talk.

How I fail at being disabled | Susan Robinson

TEDTalk - Juli 21, 2017 - 14:57
Born with a genetic visual impairment that has no correction or cure, Susan Robinson is legally blind (or partially sighted, as she prefers it) and entitled to a label she hates: "disabled." In this funny and personal talk, she digs at our hidden biases by explaining five ways she flips expectations of disability upside down.

Sommerpause

Weiterbildungsblog - Juli 21, 2017 - 12:00

Der/ das Weiterbildungsblog geht in die Sommerpause. Bis zum 7./ 8. August. Ich wünsche allen Leser*innen eine erholsame Zeit!

Mit besten Grüßen
Jochen Robes

Bildquelle: Ciprian Boiciuc (Unsplash)

Report: Zurück in der Fach- und Technikdidaktik

Marc Krüger - Juli 21, 2017 - 07:53

Jetzt bin ich ein Jahr an der FH Münster am Institut für berufliche Lehrerbildung (IBL) tätig und es wird – vor dem Hintergrund meiner Blogging-Abstinenz – Zeit für einen Einblick in meine Aktivitäten – Voilà:

Wer meinen beruflichen Werdegang verfolgt hat weiß, dass ich nach meinem Berufsschullehramtstudium überwiegend medien- und hochschuldidaktisch unterwegs war, wobei es immer wieder Ausflüge in die berufliche Bildung gab (z.B. die Konzeption einer mediengestützten Meister- und Technikerfortbildung zum Thema „Die Digitale Fabrik“). Trotzdem war ich letztes Jahr nicht mehr auf dem aktuellen Stand der Fach- und Technikdidaktik und entsprechend bin ich derzeit umfänglich damit beschäftigt mich wieder gut aufzustellen und das heißt u.a.: viel lesen; Lektionen erarbeiten und schauen, was bei den Studierenden gut ankommt; Abstimmung der Lehrveranstaltungsinhalte mit den Kolleginnen/Kollegen; Exploration von bewährten Ansätzen an anderen Hochschulstandorten usw.

Aufgrund der wenigen Absolventen in den beruflichen Fachrichtungen Elektrotechnik und Maschinenbautechnik sind wir darüber hinaus gefordert mehr Studierende zu rekrutieren. Dies versuchen wir derzeit über einen neuen berufsbegleitenden Masterstudiengangdessen Eingangsvoraussetzung ein ingenieurswissenschaftlicher Bachelorstudiengang der Elektrotechnik oder Maschinenbautechnik ist. Im Kollegenkreise haben wir den Akkreditierungsantrag fast fertiggestellt, so dass zum kommenden Wintersemester die Studierenden immatrikuliert werden können. Hinzu kommt die Re-Akkreditierung aller Studiengänge am IBL, wovon ich für die fünf beruflichen Fachrichtungen Bautechnik, Elektrotechnik, Informationstechnik, Maschinenbautechnik und Medientechnik/Designtechnik mit verantwortlich bin. Ich habe hier glücklicherweise erfahrene Unterstützer, denen ich als Neuling an diesem Standort, sehr dankbar bin.

Da die Lehre an der FH mit 18 SWS umfangreich ist habe ich weitere Seminare, die ich mit Bezug zur beruflichen Bildung anbiete: Medienpädagogik, Mediendidaktik und Unterrichtskommunikation, wobei für Letzteres ein spannendes Konzept zu vermerken ist, in dem sich die Studierenden bei gespielten Unterrichtssequenzen filmen und auf dem Online-Portal edubreakCAMPUS gegenseitig Feedback geben. Die ersten Evaluationsergebnisse sind vielversprechend und ich werde nächstes Semester bei der weiteren Ausarbeitung des Konzepts von zwei wissenschaftlichen Mitarbeitern unterstützt, worüber ich mich sehr freue. Es zeigt sich also, dass ich das Thema Mediendidaktik für mich nicht abgeschlossen habe, sondern dass ich es sowohl als Kompetenzziel in der Lehrerbildung bediene, als auch meine Lehre entsprechend ausgestalte.

Fasse ich diese Bemühungen thematisch zusammen sehe ich mein Wirkungsfeld derzeit in der beruflichen Lehrerbildung. Hier habe ich auch die Chance erhalten, in dem vom Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft initiierten Innovationsnetzwerk Lehramt für Berufliche Schulen (I-LaBS) mitzuwirken, wo ich mit Kolleginnen und Kollegen über dessen Zukunft nachdenken darf. Dabei führen wir die Probleme in diesem Bereich zusammen und setzen uns mit bewährten Ansätzen auseinander, die tragfähig zur Lösung der identifizierten Probleme erscheinen (z.B. die Studiengänge am biat in Flensburg). Meine Intention im I-LaBS mitzuwirken ist es dabei von den anderen Standorten zu lernen, unser besonderes Uni-FH-Kooperationsmodell zu vertreten (hier sind wir bundesweit einmalig) und natürlich auch etwas einzubringen, und zwar eine eher unbedarfte Meinung in die Diskussion, weil ich ja eben nicht die letzten Jahre ausschließlich in der beruflichen Lehrerbildung verbracht habe. Weitere Aktivitäten im Wirkungsfeld berufliche Lehrerbildung ist die Anbahnung internationaler Entwicklungszusammenarbeiten, derzeit mit Kolumbien und Süd-Afrika. Sollten die gemeinsamen Bemühungen mit der Kreishandwerkerschaft Steinfurt-Warendorf hier Früchte tragen, werde ich darüber mehr berichten.

Wie geht es mir zwischen all diesen Aufgaben? Eigentlich ganz gut, auch wenn die Tage und Wochen immer zu kurz sind. Meine Hinwendung zur Fach- und Technikdidaktik empfinde ich dabei als echte Bereicherung, weil diese nicht „nur“ konzeptionell auf die Lehr-/Lernprozesse schaut, sondern es konkret um die Erreichung von Kompetenzzielen durch beruflichen Unterricht geht. An mir vertrauten Inhalten zu arbeiten finde ich nach all den Jahren in der Medien- und Hochschuldidaktik folglich als Bereicherung. Ich gebe zu, dass ich anfänglich dachte: Hey, du bist raus aus der beruflichen Bildung, deine Erfahrungen liegen woanders, geh nicht nach Münster. Aber gerade dieser Abstand macht es mir jetzt leichter die vielen Aspekte neu einzuordnen und disziplinäre Grenzen zu überschreiten. Gerade Letzteres ist für einen Technikdidaktiker in der beruflichen Bildung – der sich im Spannungsfeld der Fachwissenschaft, der Bildungswissenschaften, der betrieblichen Arbeit und der betrieblichen Bildung bewegen muss – aus meiner Sicht eine sehr wichtige Kompetenz, um dieses Feld erfolgreich zu bedienen.

Ich freue mich folglich auf viele weitere Jahre in der Fach- und Technikdidaktik und danke an dieser Stelle all jenen, die mir im Rahmen der Berufung das Vertrauen für diese Position ausgesprochen haben!


Hamilton vs. Madison and the birth of American partisanship | Noah Feldman

TEDTalk - Juli 20, 2017 - 14:55
The divisiveness plaguing American politics today is nothing new, says constitutional law scholar Noah Feldman. In fact, it dates back to the early days of the republic, when a dispute between Alexander Hamilton and James Madison led the two Founding Fathers to cut ties and form the country's first political parties. Join Feldman for some fascinating history of American factionalism -- and a hopeful reminder about how the Constitution has proven itself to be greater than partisanship.

Ludwik Fleck – klein in der Ferne und groß in der Nähe

Gabi Reinmann - Juli 20, 2017 - 06:42

Der zweite Aufsatz in „Erfahrung und Tatsache“ von Ludwik Fleck hat den Titel „Zur Krise der ´Wirklichkeit´“. Er stammt aus dem Jahr 1929 und ist ursprünglich in einer Zeitschrift (Die Naturwissenschaften) erschienen. Wie gehabt (zur Einführung siehe hier und zum ersten Aufsatz hier) denke ich einfach mal laut über ein paar Passagen in diesem Aufsatz nach, die ich mit Blick auf die Hochschuldidaktik interessant finde (zum Kontext dieses Beitrags siehe hier).

„Scheint ein Gegenstand klein in der Ferne und groß in der Nähe, so darf man im allgemeinen nicht fragen, wie er denn ´in Wirklichkeit´ ist“ (S. 56). Dieser Satz gegen Ende des Aufsatzes ist scheint mir ein guter Aufhänger für das zu sein, was Fleck in diesem Text zum Ausdruck bringen will: Es geht ihm, so meine ich, darum zu zeigen, dass auch die Naturwissenschaften kein Abbild der Wirklichkeit liefern können, dass sie sich mehr auf das Schöpferische wie auch auf die Abhängigkeit von der Zeit und vom sozialen Umfeld besinnen sollten – zu einem Zeitpunkt, an dem die Leute noch keinen Kuhn und keine Knorr Cetina gelesen haben (können)! Uns scheint das heute ja an sich selbstverständlich zu sein, aber Vorsicht: Was man so sagt, ist keineswegs das, wie man im Wissenschaftsbetrieb dann auch handelt. Daher lohnt sich eine Auseinandersetzung mit dem Thema Wirklichkeit in jedem Fall auch heute noch.

Fleck macht sich in diesem Aufsatz für einen Erkenntnisbegriff stark, den ich unter anderem mit Blick etwa auf Design-Based Research in der Hochschuldidaktik für ausgesprochen wichtig halte: „Beobachten, Erkennen, ist immer ein Abtasten, also wörtlich Umformen des Erkenntnisgegenstandes“ (S. 53). Erkennen sei zudem „ein tätiges, lebendiges Beziehungseingehen, ein Umformen und Umgeformtwerden, kurz ein Schaffen“ (S. 48). Fleck bringt die Wissenschaft damit in die Nähe der künstlerischen Schöpfung.

Hier steckt allerdings noch ein anderer Aspekt drin, nämlich der des „Umgeformtwerdens“. Was ist damit gemeint? Gemeint ist, dass das Erkennen keineswegs nur vom Individuum abhängt: „Eine treffende Illustration der relativen Unabhängigkeit des Erkannten vom Individuum bildet der Umstand, daß oft verschiedene Personen die gleiche Entdeckung oder Erfindung unabhängig voneinander gleichzeitig machen. Erkenntnisse werden von Menschen gebildet, aber auch umgekehrt: sie bilden ihre Menschen“ (S. 49).

Fleck moniert, dass genau dies oft nicht bedacht werde und bringt Beispiele aus seinem Gebiet, der Medizin. Oft halte einen das scheinbar Evidente davon ab, etwas herauszufinden, würde man das Tradierte mit allen Mitteln verteidigen, obschon längst klar sei, dass es nicht haltbar ist. Und jeder betrachte wohl „alte, gewohnte Gedankengänge als besonders evident“ (S. 46) und baue neue Erkenntnisse in Abhängigkeit von früheren Erkenntnisbeständen auf. Das Neue, Unvergleichliche, Spezifische würde man aber besonders leicht übersehen, wenn man nur nach Ähnlichkeiten mit Bekanntem sucht (S. 47). Das Sehen, so Fleck, müsse man also erst lernen. Und dazu gehöre die Einsicht, dass es ein starkes soziales Moment in der Entstehung von Erkenntnis gibt. Der Grund dafür ist: „Jedes Wissen hat einen eigenen Gedankenstil mit seiner spezifischen Tradition und Erziehung“ (S. 48).

Sich vom Selbstverständlichen und Gewohnten zu lösen, dürfte in jeder Wissenschaft, so auch in der Hochschuldidaktik, ein wichtiger Imperativ sein – warum sonst sollte Wissenschaft eine Berechtigung haben? Fleck hat natürlich vor allem die Naturwissenschaften im Blick, von denen wir – also Forschende auf einem Gebiet des sozial und kulturell Gewordenen – ja oft meinen, dass sie „exakt“ wären, frei von all diesen Unwägbarkeiten des Menschen, seinem Handeln und Willen. Aber: „Wenn von Naturwissenschaften die Rede ist, vergißt man meist, daß es eine naturwissenschaftliche, lebendige Praxis gibt und parallel eine papierene, offizielle Gestalt“ (S. 50). Und die Papiergestalt tilge alle Abweichungen und Ausnahmen, das Zufällige und das Unwesentliche. Leider machen wir das ja nun bereits in vielen Wissenschaften so … Und so dürfte Flecks Postulat auch nach so vielen Jahrzehnten immer noch aktuell sein: Man dürfe das „Schöpferisch-Synthetische und das Sozialhistorische“ an der Naturwissenschaft nicht vergessen (S. 54). Überhaupt gäbe es keine „gewordene Wissenschaft“, sondern „immer nur eine werdende“ (S. 55).

Fleck kommt gegen Ende des Aufsatzes gar zu dem Schluss, dass es kein Gesetz ohne Ausnahme gäbe, „alle sind kulturbedingt, also entwicklungsbedingt, durch andere ersetzbar, sind sinnvoll oder unsinnig, je nach dem Standpunkt des Kritikers“ (S. 55 f.) Jede Methode und jeder Stil einer Lösung trage daher auch den „Stempel der Epoche und der Persönlichkeit des Forschers“ (S. 51). Und natürlich kann dies dann auch (für eine gewisse Zeit) allgemein werden: „War die Individualität stark genug und hatte sie nicht nur Pfadfinder- sondern auch Anführereigenschaften, dann wird ihr Stil allgemein und wird in den Bestand der Wissenschaft aufgenommen“ (S. 51). Heute würde man vielleicht sagen: War die Individualität stark genug und hatte sie nicht nur Grassroots- sondern auch Marktführereigenschaften, dann wird ihr Stil allgemein und wird in das Ranking der Wissenschaften aufgenommen.

openSAP MOOC “digitales Talent Management” – mein Recap

Weiterbildungsblog - Juli 19, 2017 - 19:03

Parallel zu unserem Corporate Learning 2025 MOOCathon hat ja SAP den MOOC „Digitales Talent Management“ veranstaltet. Mehr xMOOC als cMOOC, aber auch mit über 1.600 Anmeldungen. Thomas Jenewein geht in einem ersten Rückblick auf verschiedene Punkte ein: die Skalierung, die Vielfalt der Perspektiven, den Medienpragmatismus der Veranstalter und, wenig überraschend, den Aufwand, der hinter einem MOOC steckt.

„Persönlich bin ich eher ein Freund von Lernsettings, bei denen ich entscheiden kann wann ich wie lerne. Auch lerne ich gerne via Austausch und Reflektion. Ein xMOOC, wie die openSAP Plattform es vorsieht, gibt dagegen ein fixes Gerüst vor – was auf der einen Seite einengt, auf der anderen Seite skaliert. Auch zeigen die Befragungen, dass die Mehrheit der Teilnehmer lieber formell lernen. Die meisten Teilnehmer bewerten die formellen Ansätze wie Videos (93%) oder Tests (82%) hilfreich für den Lernerfolg – vs. der eher informellen Ansätze wie Gameplan Challenge (32%) oder Point of Views (23%). Wie immer macht es die Mischung – und ich hoffe wir konnten die eine oder andere Anregung geben.“

Thomas Jenewein, SAP Community/ Blog, 18. Juli 2017

The human insights missing from big data | Tricia Wang

TEDTalk - Juli 19, 2017 - 15:02
Why do so many companies make bad decisions, even with access to unprecedented amounts of data? With stories from Nokia to Netflix to the oracles of ancient Greece, Tricia Wang demystifies big data and identifies its pitfalls, suggesting that we focus instead on "thick data" -- precious, unquantifiable insights from actual people -- to make the right business decisions and thrive in the unknown.

“Der gute Lehrer rückt wieder mehr in den Vordergrund”

Weiterbildungsblog - Juli 18, 2017 - 15:12

Der Titel führt aufs falsche Gleis. Denn im Interview darf Christian Sellmann, Gründer und Geschäftsführer von education gateway, die Online-Lernplattform Learnity.com vorstellen. Natürlich geht es da auch irgendwo um “gute Lehrer”, aber zuerst um gute Lernvideos und dann um mögliche Geschäftsmodelle des Online-Lernens. Vorneweg: Learnity.com, die Experten und Lernende auf ihrer Plattform zusammenbringt und sich über einen Anteil an den Umsatzerlösen oder Werbeeinnahmen finanziert, trägt sich noch nicht selbst. Christian Sellmann:

“Das soll und wird sich natürlich ändern. Die Herausforderung ist, mit der Plattform eine entsprechend große Bekanntheit zu erreichen, um vor allem mehr Nutzer zu erreichen. Da es auf learnity.com einen so großen und bunten Fächer an Themen gibt, ist es anspruchsvoll, das mit Werbemaßnahmen zu unterstützen, weil die Zielgruppen so unterschiedlich und divers sind – dies bedarf einer gewissen Investition.”

Deshalb steht education gateway auf drei weiteren Säulen. Das Interview ist übrigens in der aktuellen Ausgabe von DIE Zeitschrift für Erwachsenenbildung mit dem Titel “Digital/ Analog”. Und wer sich einen Überblick über den Stand der Diskussion zur “Digitalisierung der Bildung” verschaffen will, dem sei die Einleitung von Jan Rohwerder (”Stichwort ‘Digital’”) empfohlen. Komprimierter geht es nicht.
Jan Rohwerder, Interview mit Christian Sellmann, DIE Zeitschrift für Erwachsenenbildung, 3/2017

“Der gute Lehrer rückt wieder mehr in den Vordergrund”

Weiterbildungsblog - Juli 18, 2017 - 15:04

Der Titel führt aufs falsche Gleis. Denn im Interview darf Christian Sellmann, Gründer und Geschäftsführer von education gateway, die Online-Lernplattform Learnity.com vorstellen. Natürlich geht es da auch irgendwo um “gute Lehrer”, aber zuerst um gute Lernvideos und dann um mögliche Geschäftsmodelle des Online-Lernens. Vorneweg: Learnity.com, die Experten und Lernende auf ihrer Plattform zusammenbringt und sich über einen Anteil an den Umsatzerlösen oder Werbeeinnahmen finanziert, trägt sich noch nicht selbst. Christian Sellmann:

“Das soll und wird sich natürlich ändern. Die Herausforderung ist, mit der Plattform eine entsprechend große Bekanntheit zu erreichen, um vor allem mehr Nutzer zu erreichen. Da es auf learnity.com einen so großen und bunten Fächer an Themen gibt, ist es anspruchsvoll, das mit Werbemaßnahmen zu unterstützen, weil die Zielgruppen so unterschiedlich und divers sind – dies bedarf einer gewissen Investition.”

Deshalb steht education gateway auf drei weiteren Säulen. Das Interview ist übrigens in der aktuellen Ausgabe von DIE Zeitschrift für Erwachsenenbildung mit dem Titel “Digital/ Analog”. Und wer sich einen Überblick über den Stand der Diskussion zur “Digitalisierung der Bildung” verschaffen will, dem sei die Einleitung von Jan Rohwerder (”Stichwort ‘Digital’”) empfohlen. Komprimierter geht es nicht.
Jan Rohwerder, Interview mit Christian Sellmann, DIE Zeitschrift für Erwachsenenbildung, 3/2017

How your brain hallucinates your conscious reality | Anil Seth

TEDTalk - Juli 18, 2017 - 15:00
Right now, billions of neurons in your brain are working together to generate a conscious experience -- and not just any conscious experience, your experience of the world around you and of yourself within it. How does this happen? According to neuroscientist Anil Seth, we're all hallucinating all the time; when we agree about our hallucinations, we call it "reality." Join Seth for a delightfully disorienting talk that may leave you questioning the very nature of your existence.

Social Learning statt Silodenken in deutschen Konzernen – und alle so „Yeah“: Miteinander, voneinander, unternehmensübergreifend und selbstorganisiert

Weiterbildungsblog - Juli 17, 2017 - 20:20

Es gibt ein wachsendes Netzwerk von Mitarbeitern, in dem praktiziert wird, was Sabine Kluge (Global Program Manager L&D bei der Siemens AG) „konzernübergreifendes Miteinander-Lernen“ nennt. Zu den Unternehmen gehören neben Siemens unter anderem Bosch, Continental, Audi, Daimler, DHL und die Deutsche Bahn. Die Ideen, die sie zusammenführen, lauten Selbstorganisation, Transformation, Holakratie und, immer wieder, Working Out Loud. Sabine Kluge erzählt von einigen Ortsterminen aus der ersten Jahreshälfte 2017 und was die Beteiligten motiviert, sich über ihr Tagesgeschäft hinaus mit diesen Themen zu beschäftigen. Das ist ansteckend.
Sabine Kluge, LinkedIn/ Pulse, 7. Mai 2017

Can clouds buy us more time to solve climate change? | Kate Marvel

TEDTalk - Juli 17, 2017 - 15:05
Climate change is real, case closed. But there's still a lot we don't understand about it, and the more we know the better chance we have to slow it down. One still-unknown factor: How might clouds play a part? There's a small hope that they could buy us some time to fix things ... or they could make global warming worse. Climate scientist Kate Marvel takes us through the science of clouds and what it might take for Earth to break its own fever.

Aus dem Netz in den Kopf

Weiterbildungsblog - Juli 17, 2017 - 06:25

Der Deutschlandfunk hat sich fünf Tage mit dem Lernen im Netz beschäftigt. Dabei ging es vor allem um die Möglichkeiten und Grenzen von Lernvideos. Man spricht mit Entwicklern von Videotutorials, hält Lernapps zum Sprachenlernen hoch, erfährt von Christian Spannagel etwas über den Flipped Classroom (und warum auch Vorlesungen ihren Platz behalten werden) und diskutiert über die Popularität des neuen Trends. Das meiste bleibt an der Oberfläche. Als ob YouTube gerade erst gestartet wäre. Dabei gibt es die Khan Academy seit 2007. Und das wäre – in meinen Augen – ein spannender Zugang zum Thema gewesen: Am Beispiel dieser Plattform zu zeigen, welche Diskussionen mit Schulen, Lehrern und Nutzern in den USA geführt wurden, wie Investoren und Philanthropen sich für eine Plattform mit Mathe-Tutorials begeistern (und was hierzulande ganz anders läuft) und warum Salman Khan den Drang verspürte, nach dem Erfolg seiner Lernvideos eine eigene Schule ins Silicon Valley zu setzen. In der Reihe des Deutschlandfunk bleiben Fagen wie “Passt die Idee des Unterrichtens noch in die digitale Welt?” (Stefan Aufenanger) etwas verloren im Raum stehen.
Deutschlandfunk, Campus & Karriere, 10. – 15. Juli 2017

Aus dem Netz in den Kopf

Weiterbildungsblog - Juli 17, 2017 - 05:49

Der Deutschlandfunk hat sich fünf Tage mit dem Lernen im Netz beschäftigt. Dabei ging es vor allem um die Möglichkeiten und Grenzen von Lernvideos. Man spricht mit Entwicklern von Videotutorials, hält Lernapps zum Sprachenlernen hoch, erfährt von Christian Spannagel etwas über den Flipped Classroom (und warum auch Vorlesungen ihren Platz behalten werden) und diskutiert über die Popularität des neuen Trends. Das meiste bleibt an der Oberfläche. Als ob YouTube gerade erst gestartet wäre. Dabei gibt es die Khan Academy seit 2007. Und das wäre - in meinen Augen - ein spannender Zugang zum Thema gewesen: Am Beispiel dieser Plattform zu zeigen, welche Diskussionen mit Schulen, Lehrern und Nutzern in den USA geführt wurden, wie Investoren und Philanthropen sich für eine Plattform mit Mathe-Tutorials begeistern (und was hierzulande ganz anders läuft) und warum Salman Khan den Drang verspürte, nach dem Erfolg seiner Lernvideos eine eigene Schule ins Silicon Valley zu setzen. In der Reihe des Deutschlandfunk bleiben Fagen wie “Passt die Idee des Unterrichtens noch in die digitale Welt?” (Stefan Aufenanger) etwas verloren im Raum stehen.
Deutschlandfunk, Campus & Karriere, 10. - 15. Juli 2017

Rückzugsgebiet

Weiterbildungsblog - Juli 14, 2017 - 22:39

Die GML2-Tagung (”Grundfragen Multimedialen Lehrens und Lernens”) in Berlin hätte mehr Fragen aufgeworfen als beantwortet, so der Kommentar einer TeilnehmerIn. Also haben die Veranstalter gleich eine Blogparade hinterhergeschickt. Drei Fragen, die um die Einführung von “gutem, zukunftsträchtigem” E-Learning kreisen. Nun könnte man natürlich lang und breit über Fragen und Begriffe philosophieren, aber Gabi Reinmann kommt gleich zur Sache. Was sie heute vermisst, sind die Graswurzelinitiativen, als motivierte Lehrende und Studierende einfach losgelaufen sind. An ihre Stelle ist der laute Ruf nach Strategie, Profil und Positionierung getreten:

“… das hört sich wenig nach Gestaltung auf der Ebene des Lehrens und Lernens, aber ganz klar nach politischer und organisationaler Steuerung an. Und nun ja, vielleicht sind ja genau das die größten Hemmnisse für zukunftsträchtiges E-Learning: die Zentralisierungswut, der Kontrollwahn, die Formalisierungsspirale, der Messmarathon. Mein Eindruck: Zu dem Zeitpunkt, an dem Hochschulen (die einen früher, die anderen später) die Digitalisierung als „strategisches Instrument” für sich entdeckt haben, war es aus für die meisten Bottom-Up-Bewegungen und Pioniere, die im Wildwuchs und spielerisch mit verschiedensten Systemen und Werkzeugen experimentiert haben.”

Aber Kritik allein macht auch nicht zufriedener, deshalb schließt sie mit dem Selbstappell, “dass ich vielleicht aus meinem Rückzugsgebiet in Sachen digitale Medien langsam wieder herauskommen sollte”.
Gabi Reinmann, Hochschuldidaktik, 14. Juli 2017

Rückzugsgebiet

Weiterbildungsblog - Juli 14, 2017 - 22:11

Die GML2-Tagung (”Grundfragen Multimedialen Lehrens und Lernens”) in Berlin hätte mehr Fragen aufgeworfen als beantwortet, so der Kommentar einer TeilnehmerIn. Also haben die Veranstalter gleich eine Blogparade hinterhergeschickt. Drei Fragen, die um die Einführung von “gutem, zukunftsträchtigem” E-Learning kreisen. Nun könnte man natürlich lang und breit über Fragen und Begriffe philosophieren, aber Gabi Reinmann kommt gleich zur Sache. Was sie heute vermisst, sind die Graswurzelinitiativen, als motivierte Lehrende und Studierende einfach losgelaufen sind. An ihre Stelle ist der laute Ruf nach Strategie, Profil und Positionierung getreten:

“… das hört sich wenig nach Gestaltung auf der Ebene des Lehrens und Lernens, aber ganz klar nach politischer und organisationaler Steuerung an. Und nun ja, vielleicht sind ja genau das die größten Hemmnisse für zukunftsträchtiges E-Learning: die Zentralisierungswut, der Kontrollwahn, die Formalisierungsspirale, der Messmarathon. Mein Eindruck: Zu dem Zeitpunkt, an dem Hochschulen (die einen früher, die anderen später) die Digitalisierung als „strategisches Instrument” für sich entdeckt haben, war es aus für die meisten Bottom-Up-Bewegungen und Pioniere, die im Wildwuchs und spielerisch mit verschiedensten Systemen und Werkzeugen experimentiert haben.”

Aber Kritik allein macht auch nicht zufriedener, deshalb schließt sie mit dem Selbstappell, “dass ich vielleicht aus meinem Rückzugsgebiet in Sachen digitale Medien langsam wieder herauskommen sollte”.
Gabi Reinmann, Hochschuldidaktik, 14. Juli 2017

Sommerpause

scil - Juli 14, 2017 - 16:00
Wir gehen in die Sommerpause und wünschen allen eine gute Zeit! Bild: Norlando Pobre, flickr, CC

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