Sammlung von Newsfeeds

Was wäre, wenn keiner mehr zu arbeiten braucht?

Gabi Reinmann - Februar 25, 2017 - 15:44

Im Moment haben wir am HUL das Glück, in dichter Folge interessante Gäste begrüßen zu dürfen. Nachdem wir letzte Woche intensiv mit Angela Brew diskutieren konnten (siehe hier), war gestern Peter Baumgartner bei uns in Hamburg. Zunächst haben wir uns am Nachmittag intern im Rahmen unseres Forschungskolloquiums ausgetauscht über aktuelle Projekte, Themen und die uns interessierenden Fragen. Wir haben Peter einen kleinen Einblick (a) in erste Überlegungen zur wissenschaftlichen Begleitforschung im Universitätskolleg (am Rande auch zur Begleitforschung in optes) gegeben, ins FideS-Projekt, in den aktuellen Stand zur Zeitschrift Educational-Design-Based Research (EDeR), in Annas Interesse und Arbeit an Community-Based Research und in das Engagement von Tobias in Sachen Wissenschaftsforschung (siehe z.B. hier). Ich habe diese auch für uns wichtige Zusammenschau (sollte man in dieser Form an sich öfter mal machen) genutzt und die aus meiner Sicht wichtigsten Ziele für das HUL zusammengefasst (mit vier kleinen Grafiken – siehe hier: Ziele_Ueberblick_2017). Peters aktuelle Projekte – und das hat er selber so formuliert – bewegen sich deutlich weg von der „Mikrodidaktik“ hin zu Fragen, die in Richtung Implementierung und gesellschaftliche Veränderung gehen.

Das wurde denn auch sehr gut in seinem Vortrag deutlich, der im Rahmen der HUL-Ringvorlesung auch für die interessierte Öffentlichkeit offen war (einen weiteren Blogpost dazu gibt es auch schon bei Tobias hier). Unter dem Titel „Trends im lebensbegleitenden Lernen: Eine Herausforderung für die Universitäten“ (zur Präsentation geht es hier) hat er zum einen über eine Reihe von Initiativen berichtet, die sich mit der Frage der Anerkennung bzw. Validierung von formalen Abschlüssen ebenso wie von non-formal und informell erworbenem Wissen und Können beschäftigen. Zum anderen hat er das exponentielle Wachstum technologischer Innovationen und dessen Folge für die Arbeit in unserer Gesellschaft und für die Bildung beleuchtet. Eindrücklich hat Peter die Entwicklung seiner eigenen Überzeugungen dargelegt: vom festen Glauben an eine Art Aufstieg durch Bildung zum tiefen Zweifel an der Nachhaltigkeit unserer jetzigen Art, Hochschulbildung anzubieten, denn: Was, wenn es nicht mehr für alle oder zumindest die meisten auch Erwerbsarbeit gibt, wenn nur mehr 60, 50 oder 40 Prozent der Bevölkerung Arbeit haben? Wie muss eine Hochschulbildung aussehen, die dann noch sinnvoll ist? Diese offenen Fragen – denn wer wäre so vermessen zu behaupten, er oder sie wüsste hier schon Antworten – waren denn auch der Übergang zur Diskussion, die rege geführt wurde und alle bis zum Schluss blieben ließ. Was wäre – oder muss man sagen: was ist –, wenn wir Hochschulbildung nicht mehr vor allem als eine (wie auch immer geartete) akademische Ausbildung, sondern ganz überwiegend als eine Form der Persönlichkeitsbildung gestalten müssen, weil eine Ausbildung zum Zwecke der Erwerbsarbeit sozusagen ins Leere führt?

Ich bin nach wie vor dafür, diese Frage als Gedankenexperiment im Konjunktiv zu stellen und in solchen Gedankenexperimenten ernsthafte Gesellschafts-, Arbeits- und Bildungsentwürfe – ja gerade auch an Universitäten – zu entwickeln, abzuwägen, zu simulieren, wieder zu dekonstruieren und neu zu kreieren mit dem Bewusstsein, dass wir es (auch) sind, die an dieser unserer Gesellschaft mitgestalten. Ich bin weniger dafür, diese Frage so zu formulieren, dass sie uns Angst einjagt, fatalistisch macht und letztlich ohnmächtig werden lässt angesichts eines unausweichlichen Sachzwangs, den uns globale Unternehmen, vielleicht auch Staaten, gerne nahelegen.

Aber zurück zu Peter: Ich bin sehr froh, dass wir ihn eingeladen haben. Mit seinem Vortrag hat er gestern am frühen Abend eine anregende Diskussion angestoßen und bestimmt viele von uns zum Nachdenken gebracht. Was könnte man sich als Referent denn Besseres wünschen?

The LMS Market is Quickly Losing Ground

Weiterbildungsblog - Februar 24, 2017 - 21:28

Die einen sagen, der LMS-Markt muss sich neu erfinden; andere sagen, es ist bereits zu spät. Die Autorin zitiert eine kürzlich veröffentlichte Marktanalyse, wonach der globale e-Learning-Umsatz (LMS, Off-the-shelf Content, Services) von 46.6 Mrd. Dollar (2016) auf 33.4 Mrd. Dollar (2021) fallen wird (Ambient Insight, “The 2016-2021 Worldwide Self-paced eLearning Market: The Global eLearning Market is in Steep Decline”). So weit, so gut (oder so schlecht, je nach Perspektive). Allerdings wird so getan, als seien die Nachfolger schon am Platz und als würden sie Ergebnisse liefern, die LMS und e-Learning nie liefern konnten:

“Learning leaders are embracing new platforms that are mobile-first, cloud based, drive voluntary learner engagement and incorporate advancements in cognitive science that map knowledge to how learners best acquire it. Not only that, for the first time it’s possible to measure knowledge and correlate it to business results.”

Spätestens der letzte Satz relativiert die vorangegangenen Zeilen.
Carol Leaman, Chief Learning Officer, 23. Februar 2017

Company training/e-learning is the least valued way of learning at work: what does this mean for L&D?

Weiterbildungsblog - Februar 24, 2017 - 19:50

Die Teilnehmer wurden gebeten, 10 unterschiedliche Lernaktivitäten in Unternehmen bzw. am Arbeitsplatz zu bewerten. Dabei kam das informelle “Knowledge sharing within team” am besten, das formale “Company training/e-learning” am schlechtesten weg. Vor diesem Hintergrund gibt Jane Hart, die Initiatorin der Befragung, L&D folgende Empfehlungen mit auf den Weg:

“- focus less on the creation of top-down content (courses and resources) using a “one-size fits all” approach, and instead offer flexible, on demand content and collaborative activities that allow individuals to have a personal(ised) learning experience
- focus more on supporting the informal, social learning practices that take place in teams, projects and across the enterprise, and also
- focus more on supporting self-organised workers and the development of their own personal learning strategies.”

Jane Hart, Modern Workplace Learning Magazine, 23. Februar 2017

The data behind Hollywood's sexism | Stacy Smith

TEDTalk - Februar 24, 2017 - 15:50
Where are all the women and girls in film? Social scientist Stacy Smith analyzes how the media underrepresents and portrays women -- and the potentially destructive effects those portrayals have on viewers. She shares hard data behind gender bias in Hollywood, where on-screen males outnumber females three to one (and behind-the-camera workers fare even worse.)

Bots: What you need to know

Weiterbildungsblog - Februar 23, 2017 - 17:52

In Wikipedia ist zu lesen: “Unter einem Bot (von englisch robot ‚Roboter‘) versteht man ein Computerprogramm, das weitgehend automatisch sich wiederholende Aufgaben abarbeitet, ohne dabei auf eine Interaktion mit einem menschlichen Benutzer angewiesen zu sein.” Sich wiederholende Aufgaben gibt es natürlich auch im Lehr-/ Lernkontext und so sind wir bei “Teaching Bots”. “Jill Watson” zum Beispiel ist so ein Teaching Bot (”Jill Watson, Round Three”).

Der Artikel gibt einen kurzen Überblick über das Phänomen “Bots”: “Bots are a new, AI-driven way to interact with users in a variety of environments. As AI improves and users turn away from single-purpose apps and toward messaging interfaces, they could revolutionize customer service, productivity, and communication.” Vor allem die Darstellung des “bot platform ecosystems” ist interessant.
Jon Bruner, O’Reilly, 21. Februar 2017

A few ways to fix an ailing government | Charity Wayua

TEDTalk - Februar 23, 2017 - 15:49
Charity Wayua put her skills as a cancer researcher to use on an unlikely patient: the government of her native Kenya. She shares how she helped her government drastically improve its process for opening up new businesses, a crucial part of economic health and growth, leading to new investments and a World Bank recognition as a top reformer.

Wer wagt, hat schon gewonnen

Weiterbildungsblog - Februar 23, 2017 - 09:54

Ein, wie es so schön heißt, “Plädoyer” des Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Telekom, Timotheus Höttges. Die Frage: Wie bereiten wir unsere Kinder auf eine Zukunft vor, die von selbstfahrenden Autos und 3D-Druckern, von Robotern und KI (und von vielen Dingen, die wir heute noch nicht kennen …), geprägt sein wird? Das bedeutet für Timotheus Höttges: Programmieren in die Curricula der Schulen und eine konsequente Digitalisierung der Wissensvermittlung. Weitere Stichworte: Coursera, Khan und Udacity sind Vorbilder, IT-Ausstattung und qualifiziertes Lehrpersonal sind Baustellen. Ein solider Einwurf, der am Bestehenden ansetzt und nicht versucht, Bildung neu zu definieren. Was vielleicht notwendig wäre.

“Die digitale Welt gibt dem Einzelnen mehr Möglichkeiten zur Entfaltung. Der Kontakt mit der neuen Technik muss an jeder Institution möglich sein, nicht nur an ausgewählten Schulen, fordert Telekom-Chef Timotheus Höttges.”
Timotheus Höttges, Merton.
Onlinemagazin des Stifterverbandes, 22. Februar 2017

A robot that eats pollution | Jonathan Rossiter

TEDTalk - Februar 22, 2017 - 16:17
Meet the "Row-bot," a robot that cleans up pollution and generates the electricity needed to power itself by swallowing dirty water. Roboticist Jonathan Rossiter explains how this special swimming machine, which uses a microbial fuel cell to neutralize algal blooms and oil slicks, could be a precursor to biodegradable, autonomous pollution-fighting robots.

Infrastruktur für den Corporate Learning 2025 MOOCathon #cl2025

Weiterbildungsblog - Februar 22, 2017 - 09:14

Der Corporate Learning 2.0 MOOC, der/die eine oder andere mag sich erinnern, wurde mit Unterstützung von mooin, der MOOC-Plattform der FH Lübeck, realisiert. Für den Corporate Learning 2025 MOOCathon, der Anfang Mai starten soll, wollen wir einen anderen Weg gehen. Wie schreibt Simon Dückert: “Daher soll die Infrastruktur-Strategie für den Corporate 2025 MOOCathon sein, komplett auf offenen Webplattformen aufzusetzen.” Was das im Einzelnen bedeutet, von der Beschreibung des Kursablaufs bis zur Diskussion in Lerngruppen, stellt er in diesem Beitrag vor. Und fragt abschließend: “Was haltet Ihr davon? Wo gibt es Bedenken? Welche weiteren Ideen habt Ihr?”
Simon Dückert, Corporate Learning Community, 19. Februar 2017

The largest internet company in 2030? This prediction will probably surprise you

Weiterbildungsblog - Februar 22, 2017 - 08:00

Thomas Frey (DaVinci Institute): “I’ve been predicting that by 2030 the largest company on the internet is going to be an education-based company that we haven’t heard of yet.” Was das Unternehmen anbieten wird, so der Futurist, sind bots-getriebene MOOCs, die personalisierte Lernerlebnisse schaffen.
Chris Weller, World Economic Forum, 4. Januar 2017

THE Teaching Survey 2017: results and analysis

Weiterbildungsblog - Februar 21, 2017 - 16:21

1.150 Hochschulmitarbeiter, vor allem aus UK, haben an dieser Umfrage teilgenommen und über “the joys and day-to-day challenges of teaching at university” Auskunft gegeben. Die einleitende Zusammenfassung der Ergebnisse: “Academics enjoy teaching. What they don’t like is the lack of preparation time, bureaucratic burdens, unprepared students.” Neue Formen des Lehrens und Lernens werden nur kurz gestreift. Online-Vorlesungen, ihr Einfluss auf die Anwesenheit der Studierenden sowie die Social Media-Kommunikation zwischen Lehrenden und Lernenden sind die “Technologie”-Themen dieser Untersuchung. “Academics recognise the value of using technology to improve teaching, our survey suggests.”
Jack Grove, Times Higher Education, 16. Februar 2017

The racial politics of time | Brittney Cooper

TEDTalk - Februar 21, 2017 - 16:08
Cultural theorist Brittney Cooper examines racism through the lens of time, showing us how historically it has been stolen from people of color, resulting in lost moments of joy and connection, lost years of healthy quality of life and the delay of progress. A candid, thought-provoking take on history and race that may make you reconsider your understanding of time, and your place in it.

Nationalism vs. globalism: the new political divide | Yuval Noah Harari

TEDTalk - Februar 20, 2017 - 15:35
How do we make sense of today's political divisions? In a wide-ranging conversation full of insight, historian Yuval Harari places our current turmoil in a broader context, against the ongoing disruption of our technology, climate, media -- even our notion of what humanity is for. This is the first of a series of TED Dialogues, seeking a thoughtful response to escalating political divisiveness. Make time (just over an hour) for this fascinating discussion between Harari and TED curator Chris Anderson.

The L&D Global Sentiment Survey 2017

Weiterbildungsblog - Februar 20, 2017 - 13:26

“What will be hot in L&D in 2017?” Es ist schon erstaunlich, was man aus den Antworten auf eine einzige Frage alles herausholen kann! Gefragt hat jedenfalls Donald H Taylor, ein bekannter britischer Bildungsexperte, und geantwortet haben 885 Bildungsinteressierte weltweit. Dabei konnten sie aus 16 Optionen wählen. Das ergab ein Ranking, nationale Präferenzen, Gewinner und Verlierer sowie Erklärungsversuche des Experten. Spielerisch, aber nicht uninteressant. Was hervorgehoben und näher beschrieben wird: die Spitzenreiter “personalization/adaptive delivery”, “collaborative/social learning” und “micro learning” sowie L&D, dessen Rolle und Selbstverständnis in verschiedenen Antwortoptionen angesprochen werden.
Donald H Taylor, 20. Februar 2017

Kein antiquierter Spleen

Gabi Reinmann - Februar 20, 2017 - 06:15

Am Donnerstag und Freitag war Angela Brew bei uns am HUL zu Gast. Wir haben die Zeit genutzt für den gegenseitigen Austausch (am Freitag auch mit Vertreterinnen der Hochschuldidaktik an der Universität Hamburg Harburg) und einen Vortrag am Donnerstag Abend. Eileen und Anna hatten Angela Brew auf einer Tagung kennengelernt, was deswegen sehr gut für uns war, weil wir ihr „Rad-Model“ zum forschenden Lernen im FideS-Projekt verwenden. Weitere Infos dazu und zu den Eckdaten ihres Vortrags hier.

Die eineinhalb Tage haben nochmal gezeigt, dass wir nicht zufällig auf Angelas Modell und weitere ihrer Arbeiten gestoßen sind: An vielen Stellen wurde deutlich, dass wir etliche Annahmen, sicher auch Hoffnungen und Erwartungen, in Bezug auf forschendes Lernen im Studium (bereits zu Studienbeginn) teilen. Im Austausch kamen viele Aspekte zur Sprache, die wir erst noch aufarbeiten müssen. Ich greife hier also nur mal zwei persönliche Erkenntnisse auf, die in mir besonders nachklingen.

Eine interessante Diskussion entwickelte sich zur Frage des Einsatzes digitaler Medien im Kontext forschenden Lernens. Dazu hatten wir auch Julian Dehne von der Uni Potsdam bei uns (Partner im Verbundprojekt FideS). Mich hat die Diskussion an meinen Vortrag erinnert, den ich im Juni 2015 an der Uni Wien gehalten hatte (siehe hier). Es ging um Fragen wie: Welchen Stellenwert hat die Digitalisierung auf die Forschung und damit auch auf forschendes Lernen? Was sind bereits selbstverständliche technologiegestützte Routinen, die man nicht mehr als „technologiegestützt“ wahrnimmt und bezeichnet, was sind dagegen spezielle Forschungswerkzeuge und welche Rolle sollten diese in der Lehre spielen? Das nämlich sind andere Frage als die nach Learning Management Systemen oder speziellen „E-Learning-Anwendungen“, die den Fokus auf die Lernorganisation und/oder Unterstützung einzelner Lernprozesse legen oder (was natürlich zu vermeiden wäre) die vermeintlichen Bedürfnisse oder Kompetenzen von „digital natives“ aufgreifen.

Mehrfach sind wir im Austausch mit Angela auf Schwierigkeit bei der Übersetzung einzelner Begriffen gestoßen: Was bezeichnet eigentlich einen „lecturer“ und bildet es das ab, was wir mit einem „lehrenden Wissenschaftler“ meinen? Was ist der Unterschied zwischen „curricular“ im Deutschen und „curricular“ im Englischen? Welche Implikationen hat die Wertung „optional“ in der Gestaltung einer Lernumgebung im Rahmen eines Studiengangs an einer deutschen Universität und was bedeutet es üblicherweise in UK oder Australien? Was zählt alles zu „institutional conditions“ für didaktische Entscheidungen und wie unterscheidet sich das international? Uns hat das Ringen um die Bedeutungen zum einen gezeigt, dass unser „Doppelrad-Modell“ tatsächlich auch ein induktiv entstandenes Ergebnis im Projekt FideS und zunächst einmal in genau diesem Kontext zu sehen ist, denn dort „funktioniert“ es in dem Sinne, dass die dazugehörigen Fragen von Lehrenden und Projektleitern gut verstanden werden. Fraglich dagegen ist, wie sich das Verständnis und dann natürlich auch der Nutzen des Modells als Reflexions-, Analyse- und Gestaltungsmodell in anderen Kontexten (etwa international) darstellt. Mich hat das noch einmal, darin bestärkt, dass Zweisprachigkeit kein unnötiger oder gar antiquierter Spleen ist, wenn es um akademische Bildung oder Didaktik geht – im Gegenteil: Erst in der Zweisprachigkeit wird deutlich, wo die Besonderheiten liegen, wo Erkenntnisse aus Theorie und Empirie offenbar grundlegende Prozesse des Lehrens und Lernens berühren und wo wir auf politische, institutionelle und kulturelle Unterscheide ganz besonders achten müssen.

Don't fear superintelligence | Grady Booch

TEDTalk - Februar 17, 2017 - 16:09
New tech spawns new anxieties, says scientist and philosopher Grady Booch, but we don't need to be afraid an all-powerful, unfeeling AI. Booch allays our worst (sci-fi induced) fears about superintelligent computers by explaining how we'll teach, not program, them to share our human values. Rather than worry about an unlikely existential threat, he urges us to consider how artificial intelligence will enhance human life.

Martin Couzins’ Research Report: Fake news

Weiterbildungsblog - Februar 17, 2017 - 08:51

“Fake news” sind jetzt auch in der Weiterbildung angekommen. Nigel Paine und Martin Couzins sprechen darüber. Inge de Waard hat gerade einen längeren Artikel mit weiteren Referenzen und Links geschrieben (”Recognising Fake news, the need for media literacy”). In beiden Beiträgen wird auf eine Stanford-Studie verwiesen, die von amerikanischen Schülern und ihren Schwierigkeiten berichtet, Nachrichten und Anzeigen (”sponsored content”) im Web zu unterscheiden (”Evaluating Information: The Cornerstone of civic online reasoning”). Also sind wir beim Stichwort “digital literacy”.

Nun gab es diese Probleme auch in und mit den klassischen Medien und auch die Bemühungen, ihnen zu begegnen. Gefordert wurde dann “Medienkompetenz”. Neu scheint heute, dass der Umgang mit “fake news” heute auch eine politische, eine kommunikative, eine technische, eine kulturelle Dimension besitzt.

Doch zurück zum Anfang: Die kurze Unterhaltung zwischen Nigel Paine und Martin Couzins findet auf Learning Now TV statt, einem Kanal,” a live-streamed Internet tv channel” mit regelmäßigen kurzen Beiträgen zu Bildungsthemen. Die Beiträge sind frei, man muss sich allerdings einmal registrieren (via Ulrich Schmidt).
Nigel Paine und Martin Couzins, Learning Now TV, 26. Januar 2017

NMC Horizon Report > 2017 Higher Education Edition

Weiterbildungsblog - Februar 16, 2017 - 21:32

Die ausgewählten Trends haben natürlich schon länger die Runde gemacht. Aber jetzt steht der vollständige Report zur Verfügung, in der mittlerweile 14. Auflage, und gewährt in bewährter Manier einen Ausblick auf “six key trends, six significant challenges, and six important developments in educational technology”. Auch der Prozess der Entscheidungsfindung kann wie immer im Projektwiki nachvollzogen werden.

In diesem Jahr haben die Autoren auch einen Überblick über die Trends, Herausforderungen und Entwicklungen der letzten sechs Jahre aufbereitet. Dabei zeigt sich z.B., dass Blended Learning seit 2012 in jeder Aufzählung als Trend, Learning Analytics immerhin in vier von sechs Jahren als wichtige Entwicklung genannt werden. Ansonsten ist der Report mit seinen Beispielen und Leseempfehlungen für jeden eine Fundgrube, der sich über innovative Bildungsprojekte informieren möchte.

Wie immer ist der Horizon Report als Gemeinschaftsprojekt des New Media Consortiums (NMC) und der EDUCAUSE Learning Initiative (ELI) entstanden. Im Mittelpunkt des Reports stehen traditionell sechs Technologien, auf die die Experten wetten, konkret: zwei Technologien für drei unterschiedliche Zeithorizonte:

- ein Jahr oder weniger (”time to adoption”): Adaptive Learning Technologies, Mobile Learning
- zwei bis drei Jahre: The Internet of Things, Next-Generation LMS
- vier bis fünf Jahre: Artificial Intelligence, Natural User Interfaces
NMC, Februar 2017

How jails extort the poor | Salil Dudani

TEDTalk - Februar 16, 2017 - 16:05
Why do we jail people for being poor? Today, half a million Americans are in jail only because they can't afford to post bail, and still more are locked up because they can't pay their debt to the court, sometimes for things as minor as unpaid parking tickets. Salil Dudani shares stories from individuals who have experienced debtors' prison in Ferguson, Missouri, challenging us to think differently about how we punish the poor and marginalized.

Praktische Klugheit in der Lehre

Gabi Reinmann - Februar 16, 2017 - 06:20

Im Zuge der Diskussion um die Evidenzbasierung der Hochschullehre wird öfter auch das Konzept „Scholarship of Teaching (an Learning) – meist abgekürzt mit SoTL – angeführt. In einem Text (Reviving the ancient virtues in the scholarship of teaching, with a slight critical twist) von 2015 (in der Zeitschrift Higher Education Research & Development) bringt Carolin Kreber einen weiteren Aspekt in die Diskussion, den ich als ausgesprochen wichtig ansehe: SoTL, so ihre Argumentation, sei nicht nur eine evidenzbasierte Praxis (evidence-based practice), sondern auch eine „virtue-based practice“ Praxis. Es ist schwer, „virtue“ im Kontext dieses Textes angemessen zu übersetzen: Aufgrund seiner Bezüge auf antike Konzepte läge der Begriff der „Tugend“ durchaus nahe, aber dieser Begriff ist ohne philosophische Kenntnisse zeitgemäß nicht einfach anzuwenden. „Werte“ oder „Werthaltungen“ scheint stellenweise eine passende Beschreibung zu sein, stellenweise aber auch wieder nicht. Vielleicht erweisen sich alte Bezeichnungen wie „Vermögen“ im Sinne einer Stärke oder besonderen Eigenschaft als geeignet. Unabhängig davon versuche ich mal, die aus meiner Sicht besonders interessanten Botschaften des Textes zusammenzufassen.

Zunächst einmal ist es für SoTL wichtig, sich drei mögliche Qualitäten von Wissen ins Bewusstsein zu rufen, die alle (und nur zusammen) für eine gute und verantwortliche Lehre wichtig sind: nämlich theoretisches Wissen im Sinne von wissenschaftlicher Erkenntnis (theoretical knowledge; episteme), Herstellungswissen im Sinne einer Kunstfertigkeit (productive knowledge; techne) und praktische Klugheit oder Weisheit (practical knowledge/wisdom; phronesis). Während es bei der wissenschaftlichen Erkenntnis um die Frage geht, was wahr ist, geht es beim Herstellungswissen um die Frage, was am besten funktioniert und wirkt; bei der praktischen Klugheit dagegen, so Kreber, drehe sich alles um die Frage, welches Tun in einer besonderen Situation erstrebenswert oder wünschenswert ist – oder anders formuliert: Hier geht es um ein situativ angemessenes Urteil auch unter Bedingungen der Unsicherheit und in der Folge um so etwas wie Urteilskraft.

Die Relevanz des theoretischen Wissens (episteme) für SoTL lässt sich laut Kreber in zweifacher Weise deuten: als Wissenschaft im Sinne von zu prüfenden Hypothesen und als Philosophie im Sinne neuer Deutungen komplexer Phänomene und Vorstellungen. Herstellungswissen ist in SoTL aus Krebers Sicht nicht immer ganz leicht vom theoretischen Wissen zu trennen, denn: SoTL zeichnet sich gerade dadurch aus, dass die Lehrpraxis mit der Forschungspraxis zum Lehren verknüpft wird: „When we enquire into teaching from the virtue of techne – asking ‘is what we do effective’ – our actions not only resemble science in the underlying technical or instrumental rationality of the question but may actually lead to scientific knowledge (episteme)“ (p. 573). Eine besondere Bedeutung hat die praktische Klugheit für das Lehren, denn weder theoretisches Wissen noch Herstellungswissen sei für SoTL ausreichend. Kreber verweist unter anderem auf Schöns Konzept vom „reflective practioner“, fordert aber, dieses stärker mit dem Aspekt der (wissenschaftlichen) Kritik anzureichern.

Zum Nachdenken hat mich auch Krebers Vorschlag gebracht, zwei verschiedene Versionen von evidenzbasierter Praxis (im Zusammenhang mit SoTL) zu unterscheiden: Das ist einerseits der Nachweis instrumenteller Wirksamkeit einer Intervention (evidence of instrumental effectiveness), was wohl dem entspricht, was in der Regel (wenn auch nicht unwidersprochen) gemeint ist, wenn man von Evidenzbasierung spricht: Forschung liefert Lehrenden Belege dafür, dass es für höhere Wirksamkeit besser ist, X statt Y zu tun – oder umgekehrt; hierzu brauchen wir vor allem Herstellungswissen (techne). Andererseits kann man aber auch den Nachweis innerer Stimmigkeit zwischen Strategie und Bildungszweck (evidence of the internal consistency) im Blick haben: „The rationality implied in this version of evidence-based practice is not instrumental but practical and evokes the virtue of phronesis“ (p. .577). Zu ergänzen wäre noch Krebers Plädoyer, dass nicht nur explizite Lehrforschung zu SoTL gehört, sondern dass auch informelle Formen der professionellen Auseinandersetzung mit Lehre, die wesentliche SoTL-Standards erfüllt (fundierte Wissensbasis – Forschungsorientierung – kritische Reflexivität – Peer-Review und Öffentlichkeit), als dem Konzept zugehörig angesehen werden.

Mit gefällt Krebers Text unter anderem deswegen sehr gut, weil er zum einen das Konzept der Evidenzbasierung nicht einfach nur kritisiert, sondern das Konzept sinnvoll erweitert, und weil er zum anderen das Wissenschaftsverständnis, das sich für SoTL eignet, behutsam ausweitet und philosophische Überlegungen integriert.

Seiten